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Geldinstitut Deutsche Bank wird ihr Renditeziel wohl dem Umbau opfern

Vier Prozent Rendite hält die Deutsche Bank derzeit nicht für realistisch. Sie kassiert ihr eigenes Ziel. Grund: Der Umbau des Geldhauses kostet.
Update: 17.06.2019 - 18:11 Uhr 2 Kommentare
Zusammen mit den Umbauplänen will das größte deutsche Geldinstitut dem Vernehmen nach auch Veränderungen im Vorstand bekannt geben. Quelle: dpa
Unruhe bei der Deutschen Bank

Zusammen mit den Umbauplänen will das größte deutsche Geldinstitut dem Vernehmen nach auch Veränderungen im Vorstand bekannt geben.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Deutsche Bank will beim Umbau Tempo machen und den Investoren noch im Juli ihre Pläne für tiefgreifende Reformen präsentieren. Bei der Gelegenheit werde sich die Bank voraussichtlich auch von dem für dieses Jahr postulierte angestrebte Renditeziel von vier Prozent auf das materielle Eigenkapital verabschieden, sagten zwei Insider dem Handelsblatt.

„Das ist aber ein vorübergehender Zustand, denn durch die Restrukturierung werden mittelfristig dafür höhere Renditen möglich“, sagte eine mit dem Sachverhalt vertraute Person. Die Bank wollte das nicht kommentieren. Mit der Streichung des Renditeziels würde Vorstandschef Christian Sewing nachvollziehen, was für viele Investoren längst Realität ist.

Die Analysten hatten der Deutschen Bank ohnehin nicht mehr zugetraut, ihr Versprechen zu erfüllen. Im Schnitt rechnen die Experten für dieses Jahr mit einer Eigenkapitalrendite von lediglich 1,7 Prozent, für 2020 halten sie eine Rendite von 2,6 Prozent für möglich und für 2021 auch nur 3,4 Prozent, also deutlich weniger, als Sewing bereits für Ende dieses Jahres zugesagt hat.

Die geplante Restrukturierung kostet Geld, allein schon, um die Kündigung von Mitarbeitern zu finanzieren. Durch den Abbau von kapitalintensiven Geschäften wird zwar auch Kapital freigesetzt, doch unter dem Strich dürfte sich das Renditeziel zumindest nicht für die Gesamtbank verwirklichen lassen, wenn es zu den Umbauten kommt. Immerhin, eine Kapitalerhöhung ist Finanzkreisen zufolge wohl nicht zur Finanzierung der Restrukturierungen nötig, zumindest nach aktuellem Stand der internen Planungen.

Vorstandschef Christian Sewing hatte auf der Hauptversammlung im Mai „harte Einschnitte“ vor allem im Investmentbanking angekündigt. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, wie er sich die Zukunft der größten deutschen Privatbank vorstellt. Die Deutsche Bank will sich im Zuge ihrer Restrukturierung aus mehreren Geschäftsfeldern zurückziehen und Vermögenswerte, die nicht länger zum Kerngeschäft gehören, in eine Abwicklungseinheit auslagern, heißt es in Finanzkreisen.

Nach Angaben der „Financial Times“, die zuerst darüber berichtet hatte, handelt es sich dabei vor allem um langlaufende Derivate.

Derivate auf der Streichliste

Diese langlaufenden Derivate gelten seit Langem als Altlast. Potenzielle Gewinne aus diesen Geschäften hatte das Institut dem Vernehmen nach vielfach gleich zu Beginn, also direkt nach dem Geschäftsabschluss verbucht. Die restliche Laufzeit über binden diese Geschäfte Kapital und belasten damit die Profitabilität. Die Aufsichtsbehörden hatten diese Praxis, die auch bei anderen Instituten zu finden war, nach der Finanzkrise unterbunden.

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In die angedachte Abwicklungseinheit könnten bis zu 50 Milliarden Euro an risikogewichteten Aktiva fließen. Das entspräche etwa 14 Prozent der gesamten risikogewichteten Aktiva des Instituts. Bei den Vermögenswerten, die in der Abwicklungseinheit landen könnten, handle es sich nicht zwangsläufig um Verlustbringer, sondern um „nichtstrategische“ Aktivitäten, hieß es.

Ein großer Investor sagte dem Handelsblatt, er gehe davon aus, dass die Verluste aus dem Abbau einer solchen Einheit „bei unter einem Prozent“ liegen dürften, da es nicht um notleidende Vermögenswerte gehe. Das entspräche einer Summe von weniger als 500 Millionen Euro. „Durch eine Abwicklungseinheit kann man diese Aktiva wertschonend abbauen“, sagte der Investor, der nicht genannt werden will.

Vorstandschef Sewing hatte bereits angekündigt, dass er alle Geschäfte auf den Prüfstand stellt, die weder hinreichend profitabel noch strategisch wichtig für andere, profitable Bereiche der Bank sind. Außerhalb Europas wolle das Finanzinstitut seine Aktienhandels- und Zinshandelsgeschäfte deutlich schrumpfen oder sogar komplett schließen, sagten mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt.

Davon ist vor allem das US-Aktiengeschäft betroffen, doch auch das Aktiengeschäft in Japan steht zur Disposition, ist in Finanzkreisen zu hören. Dort verließen vor Kurzem mehrere hochrangige Manager die Bank. Der Aktienchef in Japan, Tamio Honma, bestritt kürzlich allerdings, dass für seinen Bereich Einschnitte geplant seien.

Die endgültige Entscheidung darüber, worauf das Geldhaus verzichten will, steht noch aus. Die Deutsche Bank verwies in einer Stellungnahme auf Erläuterungen auf der Hauptversammlung im Mai, wonach der Konzernumbau beschleunigt werden solle, um die Profitabilität nachhaltig zu verbessern. Das Geldhaus werde bei Bedarf darüber informieren.

Ökonomisch würde sich durch die Bildung einer Abwicklungseinheit für die Bank zunächst nicht viel ändern. Kritiker betrachten so einen Schritt deshalb als Augenwischerei. Allerdings könnte die Bank den Investoren dann besser kommunizieren, wie viel sie mit den Geschäften verdient, auf die sie sich in Zukunft konzentrieren will. Bislang war von außen nicht erkennbar, ob die Erträge des Instituts schrumpfen, weil es sich aus bestimmten Aktivitäten zurückzieht, oder ob auch strategisch wichtige Geschäfte schlechter laufen.

Investoren fordern Transparenz

Viele Investoren stören sich seit geraumer Zeit an der Intransparenz des Instituts. Entsprechend zufrieden äußerte sich am Montag ein wichtiger Aktionär über die Pläne zur Bildung einer Abwicklungseinheit. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dadurch wird deutlicher, wie viel die Bank in ihrem Kerngeschäft verdient, und sie legt sich außerdem fest, was sie nun tatsächlich abbauen will“, sagte er.

Er begrüßte außerdem, dass sich die Bank von den langfristigen Derivaten, die die Profitabilität belasten, trennen will. Befürworter von solchen Altlasteneinheiten betonen außerdem, dass die strategisch wichtigen Geschäftseinheiten weniger abgelenkt werden, wenn sie sich um Altlasten nicht mehr kümmern müssen. Die Bildung einer Abwicklungseinheit wird in der Bank seit Längerem diskutiert.

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Das Projekt war bereits Teil der mittlerweile gescheiterten Pläne für eine Fusion mit der Commerzbank. Nach der Finanzkrise hatte die Bank schon einmal eine „Non-Core Operations Unit“ gegründet und darüber Geschäfte abgewickelt, die im Konzern keine Zukunft mehr hatten.

Im Zuge der Umbaupläne will die Bank noch mehr Stellen abbauen als bislang geplant. Aktuell gilt als Messlatte, dass die Zahl der Mitarbeiter bis Ende dieses Jahres unter 90.000 Vollzeitjobs sinken soll. Der Jobabbau gehe über das von Sewing kommunizierte Maß hinaus, hieß es. Vor allem im Bereich Infrastruktur, aber auch im Vertrieb des Geldhauses sollen demnach noch einmal Arbeitsplätze wegfallen.

Sewing hatte auf dem Aktionärstreffen bereits die Parole ausgegeben, dass die Infrastruktur der Bank sich daran orientieren müsse, was die Geschäftsbereiche und die Kunden der Bank brauchen. Gleichzeitig müssten Systeme und Prozesse wirksame und effiziente Kontrollen sicherstellen.

Dass er mit diesem Fitnessprogramm für die Infrastruktur seinen Vertrauten Frank Kuhnke betraute und nicht etwa Finanzchef James von Moltke, sorgt seither für Diskussionsstoff in der Deutschen Bank. Einige sehen darin einen Machtverlust für von Moltke. Insgesamt soll sich das teils unprofitable Investmentbanking-Geschäft des Instituts stärker als bisher am Geschäftsbereich Transaktionsbank ausrichten, in dem Geschäfte wie der Zahlungsverkehr oder die Handelsfinanzierung gebündelt sind.

Änderungen im Vorstand?

Das hatte Vorstandschef Sewing auf dem Aktionärstreffen ebenfalls betont, als er die Transaktionsbank als „Herzstück“ der gesamten Deutschen Bank bezeichnet hatte. Zusammen mit den Umbauplänen will die Bank dem Vernehmen nach auch Änderungen im Vorstand bekanntgeben.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Investmentbankingchef Garth Ritchie das Institut verlassen wird. Wer ihm nachfolgen könnte, ist unklar. Als unwahrscheinlich gilt, dass die Bank einen Manager von außen holt. „Jemand Guten von außen könnte sich die Bank aktuell gar nicht leisten“, sagt ein langjähriger Deutschbanker. Außerdem vertraue Sewing eher Leuten, die er kenne und die die Bank genau kennen würden.

In der Bank kursieren als potenzielle Ritchie-Nachfolger die Namen des Anleihechefs Ioannis Pipilis und des Vizechefs der Sparte, Mark Fedorcik. Auch der Name Stefan Hoops, der die Transaktionsbank leitet, in der die Bank den Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung bündelt, fällt immer wieder.

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Diese Kandidaten müssen sich nicht unbedingt ausschließen. Immerhin könnte die Bank das Wertpapierhandels- und Transaktionsbank-Geschäft auch wieder voneinander trennen und auf zwei Vorstandsposten verteilen. Als angeschlagen gilt auch Regulierungsvorständin Sylvie Matherat. Obwohl die Unzufriedenheit mit ihr groß ist, hat die Bank sich bislang vor einer Trennung gedrückt, auch weil sie damit die einzige Frau im Vorstand verlieren könnte.

Allerdings gibt es Anzeichen für eine Entmachtung Matherats: Sewing hatte auf der Hauptversammlung angekündigt, dass die Bank Teile ihres Compliance-Bereichs und der Abteilung gegen Finanzkriminalität – bislang Einflusssphäre Matherats – mit der Abteilung für die Steuerung nichtfinanzieller Risiken zusammenlegt, die Risikovorstand Stuart Lewis leitet. Derzeit steuere alles darauf zu, dass Lewis die Leitung dafür übernehmen solle, hieß es.

Wie die Pläne genau aussehen, wird Vorstandschef Sewing spätestens mit Veröffentlichung der Halbjahreszahlen der Bank am 24. Juli bekanntgeben, denkbar sei aber auch ein früherer Termin etwa Mitte Juli, hieß es in Finanzkreisen. An der Börse reagierten Anleger mit einer gewissen Vorfreude: Die Aktie zählte zu den größten Gewinnern im deutschen Leitindex Dax.

Mehr: Nach der gescheiterten Fusion mit der Commerzbank, steht die Deutsche Bank unter Reformdruck. Aktionäre sind zunehmend frustriert.

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2 Kommentare zu "Geldinstitut: Deutsche Bank wird ihr Renditeziel wohl dem Umbau opfern"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen und pflanzt sich von Ast zu Ast fort.
    Bloß gut, dass ich ein unsterblicher Optimist bin.

  • Die Deutsche Bank soll endlich die Gehälter und Boni ihrer Angestellten relevant kürzen, dann brauchen sie keine Bad Bank.

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