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Geldinstitute Einst Stars, nun im Fokus der Geldwäsche: Nordeuropas Banken in der Krise

Danske Bank, Nordea und Swedbank galten als Vorzeigeinstitute in Skandinavien. Nun leidet ihre Reputation unter Geldwäscheskandalen in den baltischen Ländern.
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Über eine kleine Filiale von Danske Bank in Tallinn sollen Transaktionen von nicht in Estland lebenden Personen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro durchgeführt worden sein. Quelle: Reuters
Danske Bank

Über eine kleine Filiale von Danske Bank in Tallinn sollen Transaktionen von nicht in Estland lebenden Personen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro durchgeführt worden sein.

(Foto: Reuters)

StockholmLange galten Banken aus Nordeuropa wegen ihrer Rentabilität und ihres Innovationswillens als die Stars unter den europäischen Bankhäusern. Das Bild hat sich in den vergangenen Monaten völlig verändert. Grund dafür sind die Geldwäscheskandale.
Danske Bank, Dänemarks mit Abstand größte Bank, Nordea aus Finnland und Swedbank aus Schweden sind seit Monaten im Visier der Ermittler.

Über ihre baltischen Tochtergesellschaften sollen zwischen 2007 und 2015 enorme Summen illegaler Gelder – hauptsächlich aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion – gewaschen worden sein. Es geht um 200 Milliarden Euro bei Danske Bank, knapp vier Milliarden Euro bei Swedbank und etwa 700 Millionen Euro bei Nordea, der größten Bank Nordeuropas. Die Ermittlungsbehörden schließen nicht aus, dass noch weitere illegale Transaktionen aufgedeckt werden.

„Historisch gesehen hatten wir wohl zu viel Vertrauen zu unseren Kunden, es grenzte an Naivität“, gab Danske-Bank-Sprecherin Julie Galbo kürzlich zu. Über die kleine Filiale von Danske Bank in der estnischen Hauptstadt Tallinn sollen Transaktionen von nicht in Estland lebenden Personen mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro durchgeführt worden sein. Das hatte ein interner Untersuchungsbericht der Bank ergeben.

Ein Großteil dieser Transaktionen gilt als „verdächtig“, wie es in dem Bericht heißt. Die Auftraggeber sollen aus Russland, Moldawien und Aserbaidschan stammen. Indirekt ist auch die Deutsche Bank involviert, denn sie war über Jahre hinweg die Korrespondenzbank von Danske Bank in Estland. 

Auch Transaktionen, die über die Swedbank und Nordea abgewickelt wurden, sind mittlerweile Gegenstand von Ermittlungen. Ein im Swedbank-Auftrag von Forensic Risk Alliance (FRAU) eilig erstellter und am Freitag veröffentlichter Untersuchungsbericht attestiert der Bank zwar, dass sie den geltenden Anti-Geldwäsche-Regeln gefolgt sei, doch bleiben viele Fragen offen.

So sind viele Passagen in dem Bericht geschwärzt, und Informationen über den Umfang der illegalen Transaktionen fehlen. „Eine interne Untersuchung reicht nicht, um Klarheit zu bekommen“, kritisierte Finanzmarktminister Per Bolund. 

Dass gerade nordeuropäische Banken in den Geldwäscheskandal verwickelt sind, liegt nach Ansicht von Analysten an ihrem starken Engagement in den ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen. Gleich nach der Unabhängigkeit der baltischen Staaten von der Sowjetunion expandierten die nordeuropäischen Banken in die jungen Republiken.

Mit großem Erfolg: Swedbank ist mittlerweile die größte Bank in der Region, auch Nordea und Danske Bank waren dort früh vertreten. In den meisten Fällen übernahmen die nordeuropäischen Banken kleinere Institute in den baltischen Ländern, um so ihre Expansion schneller vorantreiben zu können. Allerdings übernahmen sie damit auch über Jahrzehnte gewachsene Strukturen – Strukturen, die bisweilen die illegalen Transaktionen erst ermöglichten.

Viele Unternehmen aus Russland und anderen Ex-Sowjetrepubliken unterhalten bis heute enge Geschäftsbeziehungen zu diesen Banken.

Nach Meinung des britischen Geldwäschespezialisten Graham Barrow hätten bei den betroffenen Banken „viele rote Lampen“ aufleuchten müssen. Er schenkt den Beteuerungen von Danske Bank, Swedbank und Nordea wenig Glauben, dass sie die Milliardentransaktionen in gutem Glauben durchgeführt hätten. Der Experte, der bereits Geldwäscheskandale bei HSBC und der Deutschen Bank untersucht hat, kann nicht nachvollziehen, dass bei bestimmten Transaktionen nicht alle Alarmglocken schrillten.

So erhielt ein Briefkastenunternehmen von der Karibikinsel Nevis Überweisungen „für Rohstoffe“ von einer anderen Firma aus Belize. Die Zahlungen gingen über eine litauische Bank auf ein Nordea-Konto in Dänemark. „Warum soll ein Unternehmen aus Belize Gelder für Rohstoffe über eine litauische Bank und Nordea in Kopenhagen erhalten?“, fragt sich Barrow.

Den Banken drohen hohe Geldstrafen, sollten sich die Vorwürfe erhärten. Im Fall von Danske Bank ermitteln die Finanzaufsichten in Dänemark, Estland und den USA. Untersuchungen sind auch bei Swedbank und Nordea eingeleitet worden. Außerdem muss Danske Bank seine Filiale in Estland bis Jahresende schließen. Nordea hat bereits den Rückzug aus der Region angekündigt. 

Personelle Konsequenzen gab es auch bereits: Bei Danske Bank musste der Vorstandsvorsitzende im vergangenen Jahr gehen. Derzeit steht Swedbank-Chefin Birgitte Bonnesen im Kreuzfeuer der Kritik. Sie hatte bis zuletzt erklärt, ihre Bank sei völlig sauber, der Geldwäscheskandal sei das Problem der anderen Banken.

Ein interner Untersuchungsbericht, der vergangene Woche an die Öffentlichkeit gelangte, zeigt jedoch nun, dass die Swedbank-Führung bereits im letzten Herbst über Unregelmäßigkeiten bei ihren baltischen Töchtern informiert worden ist. „Wenn das stimmt, muss Bonnesen zurücktreten“, erklärte Joacim Olson, Chef des Verbands der schwedischen Kleinaktionäre. Und ein Stockholmer Analyst fügte hinzu: „Die nordischen Banken haben ihre Unschuld verloren.“

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