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Geldwäsche-Ermittlungen Deutsche Bank verteidigt beschuldigte Mitarbeiter

Die Razzia bei der Deutschen Bank hat die Aktie auf einen neuen Tiefstand gedrückt. Konzernchef Christian Sewing wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Update: 02.12.2018 - 11:54 Uhr Kommentieren
Staatsanwälte loben die Kooperationsbereitschaft der Deutschen Bank. Quelle: Reuters
Polizeiauto vor der Deutsche Bank Zentrale

Staatsanwälte loben die Kooperationsbereitschaft der Deutschen Bank.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Polizeibusse sind am Freitag vor der Deutsche-Bank-Zentrale verschwunden. Doch die Razzia wirkt im Frankfurter Dax-30-Konzern weiter nach. Vorstandschef Christian Sewing stellte sich am Wochenende demonstrativ vor seine beiden beschuldigten Mitarbeiter. Bei ihnen handele es sich um Kollegen, die an der Aufarbeitung der „Panama Papers“-Affäre um Steuerschlupflöcher und Geldwäsche im Frühjahr 2016 beteiligt gewesen seien, sagte Sewing der „Bild am Sonntag“.

Sewing pochte dabei auf die Unschuldsvermutung. „Wenn wir bei der Deutschen Bank unsere eigenen Mitarbeiter vorverurteilen würden – insbesondere diejenigen, die Sachverhalte aufarbeiten –, dann liefe hier etwas ganz gewaltig schief“, betonte er. Am Donnerstag und Freitag hatten Fahnder Büros des Geldhauses unter anderem in der Zentrale in Frankfurt am Main durchsucht. Der Verdacht: Mitarbeiter sollen Kunden geholfen haben, Gelder aus Straftaten über Offshore-Firmen in Steuerparadiesen auf Konten der Bank zu schleusen, ohne Geldwäscheanzeigen zu stellen.

Die Aktion weckte Erinnerung an alte Zeiten, als die Bank keinen Skandal auszulassen schien. Entsprechend erleichtert dürfte die Bankspitze über ein Statement des Frankfurter Chefstaatsanwalts Albrecht Schreiber gewesen sein, das dieser Freitagabend in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Bank verbreiten ließ: Die Ermittlungsbehörden hätten seit Beginn der Durchsuchung „sehr rasche und sehr gute Fortschritte erzielt“, sagte er. Die Bank kooperiere „umfassend“ und beantworte Anfragen der Ermittler „vorbehaltlos“. So ein Vorgang ist ungewöhnlich. Auch inhaltlich hätten die Staatsanwälte so etwas bei früheren Razzien wohl nicht behauptet.

Aktie auf Rekordtief

Doch auch so ist die Untersuchung unangenehm genug. Da sich die Ermittlungen auf Vorfälle zwischen 2013 und 2018 beziehen, steht auch der aktuelle Vorstand unter Druck. Schließlich soll die Regulierungs- und Compliance-Vorständin Sylvie Matherat schon länger die Systeme der Bank auf Vordermann bringen – und Sewing leitete bis Frühjahr selbst das Privatkundengeschäft der Bank. Kein Wunder, dass die Aktie der Bank zeitweise auf ein Rekordtief von 7,99 Euro rutschte.

Wie nervös die Investoren sind, zeigt auch die Entwicklung der Risikoprämien, was auch ein Blick auf Credit Default Swaps (CDS) zeigt, mit denen sich Investoren gegen Zahlungsausfälle bei einem Unternehmen absichern können. Der Preis für eine fünfjährige Versicherung auf Anleihen der Bank sprang am Freitag auf ein neues Jahreshoch. Zum Jahresanfang lag der Preis noch drastisch niedriger.

Doch für die Reputation der Bank ist die medienwirksame Razzia ein herber Schlag. Seit dem Amtsantritt von John Cryan, der Vorgänger des heutigen Vorstandschefs Christian Sewing, im Sommer 2015 hat die Bank sich darum bemüht, Skandalen aus dem Weg zu gehen. Strafen und Ermittlungen gegen die Bank bezogen sich in den meisten Fällen auch tatsächlich auf die Zeit vor Cryans Amtsantritt. Die Bank zahlte zwar auch unter Cryan einige Milliardenstrafen, allerdings nur für Altfälle. Umso schwerer wiegen die aktuellen Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft verdächtigt konkret zwei Mitarbeiter der Bank, die im Bereich Compliance und im Private Wealth Management arbeiten.

Die Ermittlungen richten sich aber laut Staatsanwaltschaft auch „gegen bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens“. Für die Französin Matherat ist die Lage besonders unangenehm, zumal aus ihrem Bereich einer der beiden verdächtigen Deutschbanker stammt. Sie war im Amt, als im Frühjahr 2016 der Skandal um die Panama Papers auftauchte und die Banken von den Behörden damit beauftragt wurden, für Aufklärung zu sorgen.

Zuletzt war die Kritik an Matherat lauter geworden, weil die Aufsichtsbehörden den Zustand der Geldwäsche-Kontrollsysteme wiederholt bemängelt hatten. Vor Kurzem erst schickte die Finanzaufsicht Bafin der Bank einen Sonderaufpasser für Geldwäsche ins Haus.

Im Visier der Ermittler ist nun eine frühere Banktochter namens „Regula Limited“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Die Bank hat die Gesellschaft im März 2018 verkauft. Beobachter gehen davon aus, dass der Fall weitere Kreise ziehen wird. Angesichts des Umfangs der Offshore-Aktivitäten mit 900 Kunden dürften noch weitere Bankmitarbeiter auf die Beschuldigtenliste geraten.

Auch die Vorstandsbüros wurden durchsucht. Aktuelle oder frühere Vorstände zählen bislang aber nicht zu den Beschuldigten, wie die Bank mitteilte. Der Zeitpunkt der Razzia hätte für Sewing dennoch nicht ungünstiger sein können: Er traf sich zu der Zeit mit Fed-Vizechef Randal Quarles, allerdings scheint das Treffen außerhalb der Bank stattgefunden zu haben. Die Razzia zeigt, dass die Staatsanwaltschaften bei vermuteten Wirtschaftsdelikten inzwischen härter vorgehen. Handelsblatt-Informationen zufolge hat die Bank die renommierte Strafrechtskanzlei Feigen Graf eingeschaltet.

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