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Geldwäsche-Vorwürfe Notenbank verbietet niederländischer Großbank ING Neugeschäft in Italien

Der Geldwäscheskandal holt das bereits bestrafte niederländische Institut wieder ein. Italien untersagt der ING, neue Kunden anzunehmen.
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Der italienische Ableger des niederländischen Instituts muss das Neugeschäft auf unbestimmte Zeit einstellen. Quelle: ddp/Jaap Arriens/NurPhoto/Sipa USA
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Der italienische Ableger des niederländischen Instituts muss das Neugeschäft auf unbestimmte Zeit einstellen.

(Foto: ddp/Jaap Arriens/NurPhoto/Sipa USA)

Frankfurt, RomEs ist ein außergewöhnlicher Schritt. Der italienische Ableger der niederländischen Großbank ING muss das Neugeschäft auf unbestimmte Zeit einstellen. Das hat die Banca d’Italia am Wochenende bekanntgegeben.

Die Zentralbank begründete ihre Entscheidung mit dem Ergebnis einer knapp viermonatigen Untersuchung, die Unzulänglichkeiten bei der Geldwäsche-Prävention offenbarte. Erst im Herbst hatte ING in den Niederlanden eine hohe Strafzahlung aufgrund ähnlicher Vorwürfe leisten müssen.

Die Zentralbank in Rom hatte die italienische ING-Niederlassung von Oktober bis Januar überprüft. Dabei fanden die Aufseher zahlreiche Probleme bei den internen Prozessen. So müsse ING etwa die Identifizierung von Kunden verbessern, um Geldwäsche im eigenen Zahlungsnetz zu unterbinden. Das Kommuniqué, das der ING Direct Italia das Neukundengeschäft untersagt, war bei geschlossenen Märkten am Samstag veröffentlicht worden.

Bestehende Kundenbeziehungen, Depots und Kredite seien von der Untersagung nicht betroffen. Die Aufseher warteten nun auf die Umsetzung weiterer Maßnahmen durch ING; das könnte einige Wochen dauern, heißt es in Italien. Die Verbraucherschutzorganisation Codacons forderte die Staatsanwaltschaft in Rom und die italienische Wettbewerbsbehörde auf, strafrechtliche Konsequenzen zu prüfen.

Laut der Zeitung „Il Sole 24 Ore“ haben Mailänder Behörden bereits ein neues Verfahren eröffnet. Bei italienischen Verbraucherportalen häuften sich Anfragen besorgter Kunden, ob ihre Einlagen bei ING sicher sind. Experten geben jedoch Entwarnung und verweisen auf das gute Rating der Bank.

Ein ING-Sprecher versuchte zu beruhigen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Auflagen der Aufsicht gerecht zu werden.“ Von Überprüfungen durch andere europäische Regulierungsbehörden oder drohenden Strafzahlungen wisse man aktuell nichts, sie seien aber auch nicht auszuschließen. Zwischen 2013 und 2016 habe es „gewisse Probleme“ im Russlandgeschäft gegeben; seit September arbeite ING an einem langjährigen Programm, um die internen Prozesse zu verbessern.

Das deutsche Geschäft und die am 6. Februar verkündeten Konzernziele für 2019 seien von der Entscheidung der italienischen Zentralbank nicht betroffen. ING kämpft seit 2017 mit Geldwäschevorwürfen im Zusammenhang mit russischem Vermögen. Der Moskauer Ableger der Bank hatte laut Ermittlern Hunderte Millionen Euro zweifelhafter Herkunft weitergeleitet.

Erst im September hatte ING in den Niederlanden eine Strafe von 775 Millionen bezahlen müssen, um eine dortige Untersuchung von Geldwäsche- und Korruptionsfällen beizulegen. Der Betrag war einer der größten, den die holländischen Behörden bis dato einem einheimischen Institut auferlegt haben. Bankchef Ralph Hamers räumte „ernsthafte Unzulänglichkeiten“ ein, CFO Koos Timmermans musste gehen.

Finanzprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sieht die Vorgänge bei ING als Warnsignal. „Alle europäischen Banken müssen sich verstärkten Geldwäsche-Überprüfungen der Aufseher unterziehen. Diese greifen zum Teil tief in die interne Organisation ein.“

Die aktuellen Vorwürfe gegen ING wiegen laut Burghof schwerer als zum Beispiel jene gegen die Deutsche Bank. Während diese vom Geldwäscheskandal in Estland nur als Korrespondenzbank betroffen sei, richteten sich die Vorwürfe im Fall von ING direkt gegen den Moskauer Ableger der Bank.

ING-Aktien geben um bis zu 3,4 Prozent nach

ING ist seit 2001 auf dem italienischen Markt aktiv und mit 1,33 Millionen Kunden die größte Direktbank des Landes. Pro Jahr gewannen die Niederländer zuletzt rund 100.000 neue Kunden hinzu. Die Erträge beliefen sich 2018 auf 231 Millionen Euro. ING hat Italien als Wachstumsmarkt definiert, auf dem es seine neue digitale Banking-Plattform ausprobieren will.

Umso stärker lasten die neuen Probleme. An der Amsterdamer Börse gaben die ING-Papiere am Montag um bis zu 3,4 Prozent nach, lagen am Nachmittag noch 1,3 Prozent im Minus. Seit Jahresanfang stehen sie aber immer noch 16 Prozent im Plus. Italien setzt die 2007 gesetzlich verankerten Anti-Geldwäsche-Regeln streng um.

Erst im Februar wurde Rom für seinen Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung von der internationalen Financial Action Task Force (FATF) gelobt, teilte das römische Wirtschafts- und Finanzministerium mit. Ob die Zentralbank bei einer italienischen Bank ähnlich streng vorgegangen wäre wie bei ING, sei aber zweifelhaft, glaubt Burghof.

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