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Generali-Chef Donnet „Ein Deal in Deutschland wäre großartig“

Mit Übernahmen und dem Ausbau der Vermögensverwaltung will Philippe Donnet, Chef der italienischen Versicherung, zur Konkurrenz Allianz und Axa aufschließen.
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Der Generali-Chef hat große Pläne für den Versicherer. Quelle: Prisma Bildagentur
Philippe Donnet

Der Generali-Chef hat große Pläne für den Versicherer.

(Foto: Prisma Bildagentur)

Mailand Der italienische Versicherer Generali will am deutschen Markt angreifen. „Ich bin froh, dass ich jetzt diese finanziellen Möglichkeiten habe, mehr in Deutschland zu investieren“, sagte Vorstandschef Philippe Donnet dem Handelsblatt. Der 58-jährige Franzose, der seit drei Jahren an der Spitze von Europas drittgrößtem Versicherer hinter Allianz und Axa steht, hatte im vergangenen Jahr das Deutschland-Geschäft massiv umgebaut. Der Vertrieb der Generali wurde unter anderem an die Tochter DVAG abgegeben, die Marke Aachen Münchener wurde geschlossen und vier Millionen alte Versicherungsverträge der Generali sollen an die Abwicklungsgesellschaft Viridium gehen. Hier steht die Erlaubnis der Börsenaufsicht Bafin noch aus.

Ein Teil der dadurch freiwerdenden Mittel soll in organisches Wachstum fließen, so Donnet. „Es kann aber auch die Möglichkeit einer sehr fokussierten Akquisition geben. Wir halten die Augen immer offen“. Ziele könnten Unternehmen aus der Schaden- und Unfallversicherung sein, aber auch Anbieter von fondsgebundenem Geschäft oder aus dem Asset Management. Anschließend müssten Synergien aufgebaut werden. Ein möglicher Kandidat könne aus Deutschland oder einem anderen europäischen Land außerhalb von Italien kommen. „Wenn es aber in Deutschland klappen würde, wäre das großartig“, so Donnet.

Klare Vorstellungen hat Donnet zur weiteren Zusammenarbeit mit Viridium. An die Gesellschaft will Generali rund vier Millionen alte Lebensverträge verkaufen. Hier gibt es die Option, selbst bei Viridium einzusteigen. „Das werden wir auch tun“, lautet Donnets Ansage. Generali wäre dann der dritte Anteilseigner an Viridium nach Hannover Re und Cinven.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Herr Donnet, der neue Generali-Tower in Mailand trägt den Namen Lo Storto, der Verdrehte. Ist der Name gleichzeitig Symbol für den Veränderungsprozess bei Generali?
Wir haben in den vergangenen drei Jahren viele Dinge verändert. Der wichtigste Schritt war aber sicherlich die Reorganisation der Managementstruktur in der Gruppe. Die Chefs der einzelnen regionalen Einheiten tragen jetzt mehr Verantwortung. Und wir haben die geografische Ausrichtung verändert. Es wurden mehrere lokale Einheiten verkauft, die keine marktführende Position einnehmen konnten.

Wie sehr soll sich Generali drehen? Besteht nicht die Gefahr, zu überdrehen?
Absolut nicht, Transformation ist Teil unserer Geschichte. Wir sprechen jetzt von einer Wachstumsgeschichte. Neu ist, dass wir bis 2021 eine große Asset-Management-Gesellschaft aufbauen wollen. Ein Lebensversicherer, der ein Vermögen von 500 Milliarden Euro verwaltet und nicht im Asset-Management tätig ist, hat etwas falsch gemacht. Diese Gelegenheit hatten wir verpasst und wollen sie jetzt nutzen.

Wodurch soll es jetzt besser werden?
Wir wollen uns mit einer relativ simplen Strategie vom Wettbewerb absetzen. Bisher zahlten wir hohe Gebühren an externe Vermögensverwalter. Beispielsweise waren das bei einem Portfolio über 81 Milliarden Euro jedes Jahr 500 Millionen Euro an Gebühren. Künftig machen wir das im eigenen Haus, wodurch wir Gebühren und Margen zurückgewinnen. Im nächsten Schritt wollen wir den rund 4000 Versicherern in Europa ebenfalls eine Plattform bieten. So zahlen wir keine Gebühren mehr, sondern bekommen welche. Seit 2016 haben wir unsere Einnahmen aus dem Asset-Management mehr als verdoppelt. Bis 2021 wollen wir sie im Vergleich zu heute noch einmal verdoppeln.

Sie haben gerade Ihren Strategieplan „Generali 2021“ präsentiert. Wie unterscheidet er sich von den Sanierungsarbeiten bei Ihrem Amtsantritt?
Als ich 2016 anfing, gab es Ziele, und wir mussten zunächst eine Roadmap erstellen, um diese zu erreichen. Dabei ging es vor allem um den Turnaround. Der ist nun abgeschlossen, alle Vorgaben wurden erreicht. Jetzt kommt mein zweiter Plan, der ein neues Gesicht von Generali zeigt. Er ist ambitioniert, weil es zugleich um Wachstum und Transformation geht.

Warum setzen Sie dabei ausgerechnet auf Europa, wo der Markt schon länger als gesättigt gilt?
Anders als unsere Wettbewerber glauben wir, dass Europa weiter ein sehr attraktiver Markt sein wird. Der Wohlstand ist groß, und die Gesellschaft wird immer älter. Für Versicherer ist das die perfekte Kundengruppe. Den Durchschnittsverdienern werden die Staaten in Zukunft wohl keine ausreichend hohe Rente mehr bezahlen können. Dadurch bietet sich für uns eine riesige Chance. Europa ist kein saturierter Markt. Nur 24 Prozent der Italiener haben beispielsweise ihr Haus versichert.

In welchen Märkten außerhalb Europas will Generali noch wachsen?
In Argentinien und Brasilien sind wir schon sehr stark, das soll ausgebaut werden. Von dort aus planen wir, in anderen Märkten Südamerikas zu wachsen. Zum anderen wird Asien immer wichtiger. In China, Indien, Indonesien, Vietnam, Thailand und Malaysia wachsen wir sehr stark, obwohl der Wettbewerb dort sehr intensiv ist.

In Deutschland war Generali in diesem Jahr in der Kritik, weil Sie einen großen Altbestand an Lebensversicherungsverträgen an eine Abwicklungsplattform verkaufen wollen. Hat Sie der öffentliche Aufschrei überrascht?
Nein, zumal das nur ein Teil unserer Veränderung ist. Deutschland war für mich am Anfang eine Herausforderung. Hier ist unser zweitwichtigster Markt nach Italien, wir sind die Nummer zwei nach der Allianz. Aber es gab viel zu verbessern. Da war zum einen der interne Wettbewerb des Generali-Vertriebs und des größten deutschen Finanzvertriebs DVAG, an dem wir mit 40 Prozent beteiligt sind. Auch über das Image der Marke war ich nicht glücklich. Dass wir mehr in unsere Tochter Aachen Münchener investiert haben als in Generali selbst, ergab keinen Sinn. Die ganze Organisation verursachte hohe Kosten bei geringer Effizienz.

Aber deswegen müsste man keine Lebensversicherungen an einen Abwickler verkaufen.
Bei Versicherern hat der Vertrieb eine Kernfunktion. Deswegen haben wir den Generali-Vertrieb bei der DVAG integriert. Damit zusammen hing die Entscheidung, die Altverträge von Generali Leben an einen Spezialisten für Lebensversicherungsbestände zu geben. Am Ende haben wir uns entschieden, 89 Prozent an Viridium zu verkaufen und mit einer Minderheitsbeteiligung eine Partnerschaft einzugehen. So sind wir weiter involviert und bleiben nah an unseren Kunden. Zudem gibt es die Option, selbst bei Viridium einzusteigen. Das werden wir auch tun. Dann wären wir der dritte Anteilseigner nach Hannover Re und Cinven. 

Wann rechnen Sie mit einer Erlaubnis der Finanzaufsicht, mit der der Verkauf des Bestands endgültig abgeschlossen werden kann?
Das weiß ich nicht. Eines ist sicher: Wir arbeiten mit der Bafin völlig transparent zusammen. Der Verkauf war dabei stets eine Option. Letztlich wird sich das Ergebnis dieser Transaktion positiv auf den gesamten deutschen Markt auswirken.

Das Geld, das Sie so einnehmen, wollen Sie wieder in Deutschland investieren. Was sind die Pläne?
Ich bin froh, dass ich jetzt diese finanziellen Möglichkeiten habe, mehr in Deutschland zu investieren. Ein Teil soll in organisches Wachstum fließen. Es kann aber auch die Möglichkeit einer sehr fokussierten Akquisition geben. Wir halten die Augen immer offen.
Der deutsche Versicherungsmarkt ist sehr differenziert. Was wäre der ideale Kandidat?
In der realen Welt gibt es keinen idealen Kandidaten. Aber wir haben einen Rahmen. Strategisch sind Unternehmen interessant, die zu unseren Plänen passen. Wir mögen die Schaden- und Unfallversicherung, das fondsgebundene Geschäft und auch das Asset-Management. Auf dieser Basis müssen Synergien aufgebaut werden. Es könnte ein Kandidat aus Deutschland oder einem anderen europäischen Land außerhalb von Italien sein. Wenn es aber in Deutschland klappen würde, wäre das großartig.

Umgekehrt drängen Konkurrenten in Ihr angestammtes Geschäftsgebiet. Die Allianz plant den Aufbau eines europäische Direktversicherers und tritt damit direkt gegen Cosmos Direkt aus Ihrem Haus an. Fürchten Sie den Wettbewerb?
Ich war Rugbyspieler: Ich unterschätze meine Wettbewerber nie. Und ich habe nie Angst – sonst verliert man die Partie. Wir kennen unsere Stärken, und dazu gehört das Geschäft der Direktversicherung.

Seit die neue Regierung in Italien im Amt ist, wurde an der Börse viel Geld vernichtet, zudem sind die Risikoaufschläge gestiegen. Welche Auswirkungen hat der neue politische Kurs in Rom auf Generali?
Keine gravierenden, auf jeden Fall weniger als für die Banken. Die höheren Risikoaufschläge für Staatsanleihen haben nur begrenzte Auswirkungen auf unsere Solvenzquote, die sehr hoch ist. Und die Ratingagenturen haben uns zwei Stufen über Italien eingestuft. Wir befinden uns also in einer besseren Situation als die italienischen Inlandsbanken. Wir sind die Nummer eins in Italien, und das Land ist ein guter Markt für Versicherungen. Italien ist für uns positiv.

Hatten Sie keine Verluste wie die Banken?
Wir sind in der Lage, den Schock aufzufangen. Aber es wäre gut für Italien, zu einer normalen Situation zurückzufinden.

Wie geht es weiter in Europa? Es gibt ja nicht nur den Problemfall Italien.
Ich registriere die Unsicherheit, aber die hat keine Auswirkungen auf unsere Strategie. Europa ist immer noch ein sehr attraktiver Markt für uns. Wir haben natürlich mit der Regulierung zu tun, aber das sind wir gewohnt. Politiker managen die Regierungen, aber wir das Geschäft! Ich bin eher besorgt als Bürger Europas. Brexit, Probleme in Frankreich und Italien, das ist alles nicht gut für Europa. Die Menschen sind nicht zufrieden, in vielen Ländern sind sie frustriert. Aber ich glaube nicht, dass das das Ende von Europa bedeutet.

Ihr Lösungsvorschlag?
Es ist eine Frage der politischen Führung. Die Politiker haben ein Mandat. Und ich halte es für unerlässlich, dass die Probleme der Menschen konkret angesprochen und angegangen werden. Das machen wir jeden Tag in den Unternehmen, das sollten auch die Politiker machen.

Wird die Europawahl in diesem Jahr zum Denkzettel?
Kurzfristig bin ich nicht sehr optimistisch. Warum sollten die Menschen gerade jetzt großen Enthusiasmus für Europa zeigen? Aber langfristig gesehen bin ich zuversichtlich. Einmal, weil das mein Naturell als Manager ist, aber auch, weil Europa die einzige Lösung ist. Die Herausforderung für die Politiker ist es, den Bürgern zu erklären, dass es keine Alternative gibt. Deutschland, Frankreich oder Italien allein können nicht mit den USA und China konkurrieren. Ein integriertes Europa, zumindest innerhalb der Euro-Zone, ist absolut notwendig. Doch die Politiker müssen die Realität erklären, anstatt mit Angst und Illusionen zu spielen.

Eine letzte Frage, Herr Donnet: Wo steht Generali in zehn Jahren? Und sind Sie dann noch an der Spitze? Ihr Mandat läuft im Mai aus.
Generali wird definitiv bei den Versicherern in Europa an der Spitze stehen und auch eine führende Rolle bei der Vermögensverwaltung spielen. Und wir werden noch internationaler sein. Zu mir: Ich bin natürlich ein Kandidat für ein weiteres Mandat, denn ich will unseren spannenden Strategieplan durchsetzen.

Herr Donnet, vielen Dank für das Interview.

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