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Volks- und Raiffeisenbanken

Die gut 900 Volks- und Raiffeisenbanken und ihre Verbundunternehmen wie die DZ Bank und die Fondsgesellschaft Union Investment berichten, wie viel sie zusammen verdient haben.

(Foto: dpa)

Genossenschaftsbanken Trotz Niedrigzinsen – die Volksbanken steigern ihren Gewinn

Vor allem der Immobilienboom hat den Genossenschaftsbanken mehr Geschäft beschert. Ihre Finanzgruppe verdiente im vergangenen Jahr fast neun Milliarden Euro.
Update: 18.07.2018 - 12:41 Uhr Kommentieren

FrankfurtTrotz der anhaltend niedrigen Zinsen hat die genossenschaftliche Finanzgruppe insgesamt fast neun Milliarden Euro verdient. Die Volks- und Raiffeisenbanken und ihre Verbundunternehmen wie Union Investment steigerten ihren Vorsteuergewinn 2017 auf 8,9 Milliarden Euro. Das sind etwa sieben Prozent mehr als 2016. 2015 waren es fast zehn Milliarden Euro.

Einmal im Jahr tun die gut 900 Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparda-Banken, die PSD Banken und ihre Verbundunternehmen so, als wären sie ein großer Konzern und berechnen einen gemeinsamen Jahresabschluss, das „konsolidierte Ergebnis“. Da das eine komplexe Rechnung ist, veröffentlicht ihr Bundesverband BVR die Zahlen erst im Juli des Folgejahres. Zu den Verbundunternehmen gehören die DZ Bank, die Versicherung R+V, die Fondsgesellschaft Union Investment und die Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Befördert wurde das Ergebnis „durch ein kräftiges Wachstum im Kundengeschäft“, sagte Marija Kolak, die seit Januar BVR-Präsidentin ist. Das heißt vor allem: Die Genossenschaftsbanken, die etwa 30 Millionen Kunden zählen, haben es geschafft, erneut mehr Kredite an Privatleute und Firmen zu vergeben - wobei Baukredite eine besonders große Rolle spielten. Insgesamt haben sie Kredite in Höhe von 762 Milliarden Euro ausstehen. Damit stemmen sich die genossenschaftlichen Geldhäuser sich gegen die Mini-Zinsen in der Euro-Zone. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank beträgt null Prozent.

Nach Steuern lag der Gewinn 2017 bei fast 6,1 Milliarden Euro. „Wir können mit den Nullzinsen leben, aber wir wünschen sie uns nicht“, sagte BVR-Vorstand Andreas Martin, der unter anderem für Rechnungswesen und Zahlungsverkehr zuständig ist. Die Banken vor Ort würden darauf reagieren. Sie hätten unter anderem ihre Kosten gesenkt. Auch das Provisionsergebnis ist gestiegen, auch weil viele Geldhäuser ihre Gebühren erhöht haben.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank erlitt 2017 einen Verlust von etwa 500 Millionen Euro, die Commerzbank kam auf einen Vorsteuergewinn von knapp 500 Millionen Euro.

Die Sparkassen dagegen, deren Finanzgruppe noch größer ist als die der Genossenschaftsbanken, veröffentlichen kein konsolidiertes Ergebnis. Es würde allerdings theoretisch auch mehrere Milliarden Euro betragen. Einen Hinweis geben die rund 50 Sparkassen Hessen und Thüringen, die ein solches Ergebnis für sich berechnen. Sie halten die Mehrheit an der Landesbank Hessen-Thüringen und Anteile an einem Sparkassenversicherer. Sie kamen 2016 zusammen auf einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Die Zahl für 2017 ist noch nicht bekannt.

Brexit und Handelsstreit bislang ohne Auswirkungen

Der BVR rechnet nicht mit einer Abkühlung der Konjunktur in Deutschland, auch nicht durch Handelsstreitigkeiten, den Brexit oder geopolitische Risiken, wie BVR-Vorstand und Rechtsexperte Gerhard Hofmann sagte. 2017 war die Risikovorsorge für Kredite gering.

Allerdings gehören zur Gruppe auch zwei Unternehmen mit Problemen: Der Transportfinanzierer DVB und die VR Leasing. Die DVB Bank, die Teil der DZ Bank ist, ringt mit Schiffskrediten, was ihr 2017 einen Vorsteuerverlust von gut 770 Millionen Euro einbrockte. Die DZ Bank betrachtet die Aktivitäten der DVB allerdings auch nicht mehr als Kerngeschäft, die Portfolios sollen abgebaut werden.

„Unsere Finanzgruppe kann auch außerordentliche Belastungen wie aktuell durch die DVB Bank verkraften“, sagte Hofmann. Das Eigenkapital der Gruppe beträgt erstmals mehr als 100 Milliarden Euro und zwar genau 104,4 Milliarden Euro. Die harte Kernkapitalquote, ein Indikator für die Widerstandskraft von Geldhäusern in Krisen, beträgt 13,3 Prozent und liegt damit deutlich über den Anforderungen von Gesetzgeber und Aufsehern. Rechnet man weitere Reserven dazu, steigt die Quote auf 15,4 Prozent.

Die Leasinggesellschaft der Gruppe, VR Leasing, war schon 2012 wegen Altlasten aus Osteuropa in Schwierigkeiten geraten und musste gestützt werden. Seitdem ringt das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell. Nun versucht die Firma es mit einem Neustart, auch mit einem neuen Namen: „VR Smart Finanz“. Damit will VR Smart Finanz auch verdeutlichen, dass es nicht nur Leasing, sondern beispielsweise auch Firmenkredite anbietet.

Die Volksbanken können sich also überlegen, ob sie einen Kredit selbst vergeben oder ihren Kunden ein Darlehen von VR Smart Finanz anbieten – wobei die Darlehenszusage binnen Minuten erfolgt. Der Kunde könne am nächsten Tag das Geld abheben, sagte Kolak.

Investieren wollen die Genossenschaftsbanken in die Digitalisierung. Dafür reichen sie 500 Millionen Euro in den nächsten Jahren an ihren IT-Dienstleister Fiducia & GAD weiter, parallel nimmt ihr Spitzeninstitut DZ Bank Geld in die Hand. Denn auch wenn die Gruppe mit den Minizinsen zurecht kommt - viele kleine Volks- und Raiffeisenbanken stehen angesichts der Digitalisierung und wegen der zunehmenden Regulierung unter Druck. Eine Folge ist, dass den Sektor eine Fusionswelle erfasst hat.

Einen Schritt geht die Gruppe schon dieses Jahr: Ab Mitte August werden die meisten Genossenschaftsbanken das Bezahlen per Smartphone anbieten – zumindest auf Android-Geräten funktioniert das diese neue Funktion in der Banking-App. Die Sparkassen starten Ende Juli mit einem entsprechenden Angebot. Seit Ende Juni gibt es den Bezahldienst Google Pay in Deutschland. Partner ist unter anderem die Commerzbank.

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