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Geplatzte Fusion Commerzbank nach dem Aus der Banken-Ehe vor nächstem Flirt

Commerzbank-Chef Zielke glaubt, nach der geplatzten Bankenfusion allein überleben zu können. Doch Kritiker fordern einen starken Partner für das Geldhaus.
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Der Staat ist seit der Finanzkriese mit 15 Prozent an der Bank beteiligt. Quelle: dpa
Commerzbank

Der Staat ist seit der Finanzkriese mit 15 Prozent an der Bank beteiligt.

(Foto: dpa)

FrankfurtCommerzbank-Chef Martin Zielke sucht nach der Absage der Frankfurter Bankenhochzeit sein Glück nun wieder als Single. „Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen“, sagte der 56-Jährige Ende April der „Welt am Sonntag“.

Nicht wenige Beobachter bezweifeln jedoch, dass die zweitgrößte deutsche Privatbank lange alleine bleibt – zu laut und womöglich zu aufdringlich könnte alsbald das Werben potenzieller Heiratskandidaten aus dem Ausland werden.

Und nicht wenige Experten meinen, die Commerzbank brauche im hart umkämpften deutschen Bankenmarkt einen starken Partner. Die Quartalszahlen, die die Bank vom Main am Mittwoch (08. Mai) präsentieren will, dürften Wasser auf die Mühlen dieser Kritiker sein. Analysten rechnen jedenfalls mit einem Gewinneinbruch.

Mehrere ausländische Banken könnten um das Frankfurter Geldhaus mit seinem Fokus auf Privatkunden und den deutschen Mittelstand buhlen, nun, da der Platzhirsch Deutsche Bank von ihr abgelassen hat. Denn trotz des harten Wettbewerbs ist Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas für viele europäische Geldhäuser interessant. „Ich erwarte, dass die Commerzbank von einer anderen europäischen Bank gekauft wird. Es ist eher eine Frage des „Wann“, nicht des „Ob"“, sagt Filippo Alloatti vom Vermögensverwalter Hermes Investment Management.

Die Commerzbank sei eine attraktive Gelegenheit für jeden Konkurrenten, der in Deutschland schnell vordringen wolle, schreibt JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein. Schließlich notiere die Aktie trotz des Kursanstiegs der vergangenen Wochen deutlich unter dem Buchwert.

Hochzeit nur mit Zustimmung des Bundes

Die Liste der Verehrer ist zwar noch nicht lang, könnte aber bald länger werden: Die italienische Großbank Unicredit und die niederländische ING scharren Insidern zufolge bereits mit den Hufen. Der Mailänder Finanzkonzern, der 2005 bereits die Münchener HypoVereinsbank (HVB) schluckte, und vor rund zwei Jahren schon einmal mit der Commerzbank liebäugelte, stehe bereit, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters unlängst.

Die ING, für die Deutschland der zweitgrößte Markt ist, buhlt Finanzkreisen zufolge ebenfalls um die Commerzbank. Falls es zu einer Konsolidierung in einer ihrer Märkte komme, würden sich die Niederländer das anschauen, sagte ING-Chef Ralph Hamers vor kurzem - ohne sich zu dem kolportierten Interesse an der Commerzbank zu äußern.

In Deutschland wachse seine Bank gut aus eigener Kraft. Für Hamers könnten die „Gelben“ dennoch gut ins Kalkül passen, bekäme er doch zu seiner erfolgreichen Direktbank hierzulande mit einem Schlag eine ganze Filialorganisation und - viel wichtiger - einen breiteren Zugang zum von allen Banken umworbenen deutschen Mittelstand.

Auch andere europäische Großbanken haben Insidern zufolge in der Vergangenheit vorgefühlt, inwieweit die Politik für eine grenzüberschreitende Fusion offen ist. Gegen den Widerstand des Bundes könnte eine Übernahme nicht gelingen.

Der Staat ist mit 15 Prozent an der Bank beteiligt, seit er ihr in der Finanzkrise unter die Arme greifen musste. Einen Verkauf der Beteiligung hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) - der immer wieder betont, dass Deutschland starke Banken brauche - vorerst ausgeschlossen.

Nachschärfen der Strategie

Ohne einen Partner setzt Commerzbank-Chef Zielke nun wieder auf seine bisherige Strategie, durch wachsende Kundenzahlen und Kostensenkungen die Gewinne zu steigern. Die Bank habe „gehörig Potenzial“ und sei stark genug, um zu wachsen, sagt Zielke. „Das zeigen auch die Zahlen für das erste Quartal: Wir sind im Geschäft mit unseren neuen Kunden gut vorankommen und wachsen weiterhin. Das Privatkundengeschäft hat seine sehr positive Entwicklung fortgesetzt und auch im Firmenkundengeschäft sehen wir Fortschritte.“

Doch ob das dem Realitätscheck standhält? Von der Bank selbst befragte Analysten erwarten für das erste Quartal im Schnitt einen Rückgang der Erträge um sieben Prozent auf 2,15 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 217 (Vorjahr: 289) Millionen Euro.

Der Konzerngewinn dürfte sich sogar auf 101 (250) Millionen Euro mehr als halbieren, nachdem die Bank im Vorjahresquartal noch von einer ungewöhnlich niedrigen Steuerquote profitiert hatte. Wegen des Gegenwinds verspricht Zielke, seine Strategie bei Bedarf im Herbst nachzuschärfen. Man darf gespannt sein: Ihre mittelfristigen Ertrags- und Renditeziele hat die Commerzbank bereits gekippt.

  • rtr
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