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Frankfurter Finanzinstitute

Die Zwillingstürme der Deutschen Bank stehen vor der Zentralen der Commerzbank. Die Fusion ist geplatzt.

(Foto: dpa)

Geplatzte Fusion Wie es für die Deutsche Bank und Commerzbank jetzt weitergeht

Einen nationalen Bankenchampion aus Deutscher Bank und Commerzbank wird es nicht geben. Fragen und Antworten zum gescheiterten Zusammenschluss.
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Die Deutsche Bank wird die Commerzbank nicht übernehmen. Beide Institute brachen ihre Fusionsgespräche am Donnerstag ab. Die Geldhäuser müssen sich nun weiter allein um ihre jeweils zahlreichen noch offenen Baustellen kümmern.

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

1. Warum ist die Fusion gescheitert?

Am Ende kamen Deutsche Bank und Commerzbank zu dem Schluss, dass die möglichen Vorteile einer Fusion die Risiken nicht haben aufwiegen können. Zwar lassen sich durch eine Fusion Kosten sparen, doch zunächst kostet der Stellenabbau Geld, ebenso wie die Integration mehrerer IT-Systeme. Auch die mögliche Abwanderung von manchen Kunden zu anderen Banken galt als große Gefahr. Die dadurch wegbrechenden Erträge hätte die Bank mühsam wieder hereinholen müssen. So ein Risiko muss sich lohnen – und zwar nicht nur in Schönwetterszenarien.

2. Können die Banken nun zur Tagesordnung übergehen?

Nein. Auch wenn kein akuter Handlungsbedarf existiert, gehen die Umbauarbeiten in beiden Häusern weiter. Daraus haben die Vorstandschefs der beiden Institute auch nie einen Hehl gemacht. „Die Deutsche Bank wird weiterhin alle Alternativen prüfen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern“, sagt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Donnerstag. Und auch Commerzbank-Chef Martin Zielke stellte früh klar: „Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht. Wir werden uns weiterentwickeln, unsere Strategie konsequent umsetzen.“ Mit oder ohne Fusion.

3. Kann sich die Deutsche Bank das Fusions-Aus leisten?

Ein Katalysator für den Beginn der Fusionsgespräche war um die Jahreswende 2018/19 herum die prekäre Lage der Deutschen Bank. Damals schossen die Risikoprämien für das Institut in solche Höhen, dass Investoren nervös wurden und sich Geschäftspartner abwandten. Eine Fusion galt damals unter Befürwortern nicht zuletzt als Mittel, um den deutschen Staat, der zu 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, in den Eigentümerkreis der Bank einzubringen.

Das hätte der Bank eine implizite Staatsgarantie eingebracht. Zu Jahresbeginn befand sich die Deutsche Bank noch in akuter Bedrängnis. Das Rezept wäre wohl aufgegangen: Seit Langem waren die Risikoprämien für die Deutsche Bank nicht mehr so niedrig wie im März, als die Fusionsgespräche publik wurden. Nach einer Aufhellung des Marktumfelds in den vergangenen Wochen sieht sich die Deutsche Bank wohl wieder stark genug für einen Alleingang.

4. Wie verlief der Jahresstart?

Mit Sensationen konnte die Deutsche Bank im ersten Quartal ersten Eckdaten zufolge nicht aufwarten, aber die Ergebnisse haben dem Institut zumindest etwas Luft verschafft. Auch die Reaktion der Finanzmärkte fiel für die Deutsche Bank zwar nicht berauschend, aber auch nicht panisch aus. Laut den am Donnerstag veröffentlichten Eckdaten ist der Gewinn im ersten Quartal zwar geschrumpft, übertraf aber immerhin die pessimistischen Analystenerwartungen.

Zwar schrumpfen die Erträge des Instituts, gerade im Investmentbanking, aber es gab auch Lichtblicke. So ist das Kreditgeschäft bei Privat- und Firmenkunden gewachsen, und Anleger haben den Vermögensverwaltern der Bank mehr Mittel anvertraut. Doch die vollständigen Quartalszahlen, die erst am Freitag veröffentlicht werden, dürften zeigen, dass die Deutsche Bank auch noch viele Baustellen hat.

5. Wo drückt der Schuh am meisten?

Beide Banken müssen ihre Profitabilität deutlich steigern. Die Commerzbank ist profitabler als die Deutsche Bank, musste aber vor Kurzem ihre Ertragsziele revidieren. Bei der Deutschen Bank halten Analysten derzeit selbst das bescheidene Renditeziel von vier Prozent für unrealistisch. Die wichtigsten Baustellen der Deutschen Bank sind die Integration der vor vielen Jahren gekauften Postbank, die Verbesserung der IT- und Kontrollsysteme sowie die Zukunft ihres Investmentbankings.

6. Wie sieht der Plan B von Sewing aus?

Mit einer vollmundigen neuen Strategie ist bei der Deutschen Bank nicht zu rechnen. Christian Sewing bemüht sich eher darum, nicht so viel anzukündigen, dafür aber zu liefern. Ein von ihm im Dezember installierter „Wachstumsrat“ im Institut prüft laufend, in welche Geschäfte die Bank stärker investieren sollte. Und auch weitere Einschnitte werden angedacht. Das dürfte nicht zuletzt für das Investmentbanking gelten.

Auch wenn die Bank bereits unprofitable Geschäfte eingestellt hat, wird die Bank weiter nach Geschäftsfeldern fahnden, die sich nicht dauerhaft lohnen. Nach dem Aus für die Fusion dürfte Sewing außerdem versuchen, die Postbank-Integration möglichst zu beschleunigen. Solange die Fusion drohte, wollten die Betriebsräte der Deutschen Bank bei diesem Thema ohnehin noch keine Fakten schaffen.

Jetzt ist der Weg dafür frei. Auch die Sondierungen über eine Fusion der Fondstochter DWS mit der Asset-Management-Sparte der UBS kann man zum Plan B der Deutschen Bank zählen. Die Investoren sind allerdings skeptisch über die Erfolgsaussichten von Sewings Plänen: Die Börsenbewertung der Deutschen Bank ist im internationalen Vergleich extrem niedrig.

7. Braucht Zielke einen Plan B?

Auf den ersten Blick ist die Lage bei der Commerzbank nicht so prekär wie bei der Deutschen Bank. Einen akuten Handlungsbedarf gibt es also nicht. Der Vorstand der Commerzbank weiß allerdings seit Langem, dass das Geldhaus perspektivisch mehr Geschäft braucht, um die eigenen Plattformen auszulasten – oder aber steigende Zinsen.

Durch die niedrigen Zinsen und den harten Wettbewerb ist es der Bank bislang nicht gelungen, das Wachstum bei der Kundenzahl in deutlich steigende Erträge umzumünzen. Hier besteht also auf Dauer Handlungsbedarf. Mittelfristig muss sich das Institut aber vor allem die Frage stellen, wie es sein Firmenkundengeschäft profitabler gestalten will. Im Privatkundengeschäft stellt sich außerdem die Frage, ob sich das breite Filialnetz dauerhaft für die Bank rechnen wird.

8. Wer könnte die Commerzbank kaufen?

Durch das Platzen der Fusion mit der Deutschen Bank wird nun eine Übernahme der Commerzbank durch ein ausländisches Institut wieder wahrscheinlicher. Das kann die Commerzbank als Kompliment verbuchen, schließlich liegt das daran, dass ihr Geschäft aus Sicht vieler europäischer Wettbewerber als attraktiv gilt. Die Fusion mit der Deutschen Bank ist nicht zuletzt auch an Geldfragen gescheitert: Geld für eine Übernahmeprämie, für Restrukturierungskosten und für eine neue IT. Anders als die Deutsche Bank verfügen aber viele europäische Konkurrenten über das nötige Kapital dafür. Und angesichts der niedrigen Börsenbewertung wäre ein Kauf der Commerzbank aktuell sehr günstig.

Die Frage ist allerdings, ob die Bundesregierung, die noch immer 15 Prozent der Anteile an der Commerzbank hält, weil sie das Institut in der Finanzkrise rettete, bei einer ausländischen Fusion mitmacht. Angesichts der wichtigen Rolle der Commerzbank als Financier des deutschen Mittelstands und der hiesigen Exporteure hat sie auch eine strategische Bedeutung für Deutschland. Es gibt immer wieder Gerüchte, mancher Interessent wie etwa die niederländische ING wäre bereit, für die Commerzbank auch den Firmensitz nach Deutschland zu verlagern. Solch ein Schritt würde die Chancen für grünes Licht aus Berlin vermutlich erhöhen.

9. Können die Mitarbeiter aufatmen?

Die Mitarbeiter von Deutscher Bank und Commerzbank rebellierten von Beginn an gegen einen Zusammenschluss, schließlich stand der Abbau einiger Zehntausend Stellen im Raum. Daher begrüßten die Betriebsratschefs beider Institute sowie die Gewerkschaften das Ende der Gespräche. „Ein guter Tag für die Deutsche Bank, ein guter Tag für die Commerzbank!“, fasste etwa der Vorsitzende der Gewerkschaft DBV, Stephan Szukalski, seine Gemütslage zusammen.

Das bedeutet aber nicht, dass nun alles beim Alten bleibt, gerade bei den Arbeitsplätzen. Nicht zuletzt die Digitalisierung vieler Arbeitsprozesse dürfte in den nächsten Jahren zahlreiche Jobs kosten. Die Deutsche Bank hat unlängst damit begonnen, bei ihren Sparbemühungen einen noch schärferen Gang einzulegen.

Auch die Belegschaft macht sich da keine Illusionen. Knapp 83 Prozent der Befragten Deutschbanker sagten bei einer Umfrage des Betriebsrats, sie gingen davon aus, dass auch ohne Commerzbank-Übernahme in den nächsten drei Jahren „viele Arbeitsplätze“ verloren gehen. Ähnliches hört man auch bei der Commerzbank. Unstrittig ist aber auch: Am meisten Arbeitsplätze würde eine Inlandsfusion kosten.

10. Was fordern die Bankenaufseher?

So nötig eine weitere Konsolidierung in der Bankenbranche aus Sicht der Aufseher ist, sie wollen sie nicht um jeden Preis. Im Fall von Deutscher Bank und Commerzbank stellten sich einige Kontrolleure die Frage, ob eine derartige Fusion die Banken nicht überfordert hätte. Schließlich hat die Deutsche Bank mit der Modernisierung ihrer IT- und Kontrollsysteme auch so schon genug zu tun.

Und die Integration der Postbank ist auch noch nicht abgeschlossen. Aufseher wollen stabile Banken. Stillstand wollen sie aber nicht. „Wir gehen davon aus, dass beide Banken ihre bereits eingeschlagenen Restrukturierungsanstrengungen, die erste positive Ergebnisse zeigen, konsequent weiterverfolgen“, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.

11. Was fordern die Investoren?

Viele Investoren dürften darüber erleichtert sein, dass Deutsche Bank und Commerzbank jetzt nicht mehrere Jahre mit sich selbst beschäftigt sind. Dass der Status quo aber auch keine Lösung ist, zeigt schon die Börsenbewertung beider Häuser. Die jeweilige Marktkapitalisierung liegt weit unter dem Buchwert, also dem Wert des Eigenkapitals. Bei der Deutschen Bank raten die meisten Analysten derzeit zum Verkauf der Aktien. Und manche Investoren fordern eine noch härtere Sanierung, etwa durch den weiteren Rückbau der Investmentbank.

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