Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gericht kassiert Entlastung Vertrag mit Finanzinvestor bereitet der Deutschen Bank Ärger

Ein Gericht kassiert die Entlastung von Topmanagern der Deutschen Bank. Grund sind fehlende Details zum Beratervertrag mit dem Finanzinvestor Cerberus.
Kommentieren
Das Landgericht Frankfurt hat die Entlastung von fünf Vorständen, darunter Vorstandschef Christian Sewing (l.), und des Aufsichtsratschefs der Bank Paul Achleitner, gekippt. Quelle: AFP
Christian Sewing und Paul Achleitner

Das Landgericht Frankfurt hat die Entlastung von fünf Vorständen, darunter Vorstandschef Christian Sewing (l.), und des Aufsichtsratschefs der Bank Paul Achleitner, gekippt.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die Deutsche Bank pflegt vielfältige Beziehungen zum Finanzinvestor Cerberus: Die Amerikaner sind mit einem Anteil von rund drei Prozent nicht nur ein einflussreicher Großaktionär des Instituts, sondern auch geschäftlich eng mit dem Geldhaus verbandelt. Diese Geschäfte bringen der Bank nun juristischen Ärger ein: Das Landgericht Frankfurt hat die Entlastung von fünf Vorständen, darunter Vorstandschef Christian Sewing, und des Aufsichtsratschefs der Bank Paul Achleitner, gekippt.

Eine Gerichtssprecherin bestätigte dem Handelsblatt einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Neben den Entlastungen von Sewing und Achleitner erklärte das Gericht auch die Entlastungen für Sewings Stellvertreter Karl von Rohr sowie für die beiden Ex-Vorstände Garth Ritchie und Sylvie Matherat für nichtig.

Geklagt hatte die Riebeck-Brauerei, hinter der der Deutsche-Bank-Aktionär Karl-Walter Freitag steht. Dieser hatte unter anderem moniert, dass die Deutsche Bank auf der Hauptversammlung nicht genug Details über einen Beratervertrag mitgeteilt habe, den sie mit ihrem Großaktionär Cerberus geschlossen hatte.

Diese Sicht teilten auch die Frankfurter Richter. „Das Gericht ist der Meinung, dass die Bank einige Fragen der Aktionäre zu einem Beratervertrag mit einem Großaktionär nicht ordnungsgemäß beantwortet hat“, sagte die Vorsitzende Richterin am Landgericht, Isabel Jahn, dem Handelsblatt. Das hat die Kammer als Verfahrensfehler gewertet.

„Die Bank hat unter anderem keine ausreichende Auskunft zu Art und Höhe der Vergütung und darüber gegeben, für welche Bereiche der Beratervertrag gilt“, sagte Jahn. Dadurch sei unklar gewesen, ob der Vertrag einem Drittvergleich standhalte.

Damit gemeint ist: Die Bank hat nicht ausreichend transparent gemacht, ob die Konditionen aus dem Vertrag mit Cerberus wirklich marktgerecht gewesen sind. Aus diesem Grund sei die Entlastung der Vorstände und des Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung auf einer ungenügenden Informationsbasis erfolgt.

Symbolisches Urteil

Die Deutsche Bank kündigte an, Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt einzulegen. Zwar lägen die schriftlichen Entscheidungsgründe des Gerichts noch nicht vor. „Wir sind aber fest davon überzeugt, unseren Aktionären auf der Hauptversammlung 2019 alle Fragen richtig und angemessen beantwortet zu haben“, so ein Sprecher des Instituts.

Die Bank hatte unter anderem mitgeteilt, dass Cerberus für seine „komplexen“ Beratungsleistungen im Jahr 2018 einen einstelligen Millionenbetrag erhalten und Ratschläge zu den Themen Treasury, Investmentbank sowie Kostenmanagement erteilt habe. Aus Sicht der Richter waren die Antworten aber wohl nicht detailliert genug. Die Kläger hatten unter anderem nach konkreten Stundensätzen gefragt.

Für die Berufung gibt sich die Bank zuversichtlich. „Frühere Klagen dieses Berufsklägers zu Beschlüssen unserer Hauptversammlungen waren nur äußerst selten erfolgreich“, sagte der Sprecher über Freitag.

Konkrete juristische Folgen hat das Urteil aber auch dann nicht, wenn es rechtskräftig werden sollte. Die Entlastung durch die Aktionäre hat vor allem Symbolkraft. Sie gilt als Gradmesser des Vertrauens der Aktionäre in die Führung eines Unternehmens. Eine Entlastung schützt Vorstände und Aufsichtsräte nicht einmal vor Schadensersatzansprüchen, falls Aktionäre im Nachhinein Anrüchiges finden.

Unabhängig vom juristischen Ausgang wirft das Urteil ein Schlaglicht auf die umstrittenen Beziehungen zwischen der Bank und Cerberus. Zumal der Finanzinvestor, der Ende 2017 bei der Bank einstieg, auch umfängliche Geschäftsbeziehungen zu dem Institut pflegen soll. Im Frühjahr etwa berichtete das „Wall Street Journal“, die Bank habe internen Unterlagen zufolge ihr Ertragsvolumen mit Cerberus 2018 auf 220 Millionen US-Dollar ungefähr verdoppelt.

Unter Bankern, Analysten und Investoren gibt es daher nicht wenige Vertreter, für die das enge Band der Bank zu ihrem Großaktionär, Berater und Kunden Cerberus einen Beigeschmack haben – trotz der vereinbarten Verschwiegenheitsklauseln. Und auch der Kläger Karl-Walter Freitag will dranbleiben. „Ich werde auf der nächsten Hauptversammlung wieder die gleichen Fragen stellen“, sagt er.

Mehr: Die Deutsche Bank sorgt mit ihrer Personalpolitik unnötig für Ärger bei der Bankenaufsicht – und Paul Achleitner trägt seinen Teil dazu bei.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Gericht kassiert Entlastung - Vertrag mit Finanzinvestor bereitet der Deutschen Bank Ärger

0 Kommentare zu "Gericht kassiert Entlastung: Vertrag mit Finanzinvestor bereitet der Deutschen Bank Ärger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.