Geschäfte in Steueroasen Oxfam kritisiert Banken in Europa

Oxfam kritisiert einige Geldhäuser scharf für fragwürdige Geschäfte. Die Entwicklungsorganisation hat die Gewinne von 20 Banken ausgewertet. Das Ergebnis: 26 Prozent der Gewinne sollen in Steueroasen angefallen sein.
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Banken machen ein Viertel ihrer Gewinne in Steueroasen, hat Oxfam errechnet. Quelle: dpa
Oxfam zu Steueroasen

Banken machen ein Viertel ihrer Gewinne in Steueroasen, hat Oxfam errechnet.

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BerlinDie Entwicklungshilfeorganisation Oxfam hat Banken in Europa dafür kritisiert, in Ländern mit niedrigen Steuersätzen ihrer Ansicht nach auffällig viel Gewinn zu vermelden. Die Organisation wertete Daten der 20 größten Banken in Europa aus. Zusammengerechnet sei im Jahr 2015 etwa ein Viertel der Gewinne vor Steuern (26 Prozent) in Steueroasen angefallen. Gleichzeitig hätten die Geldhäuser dort hingegen rechnerisch nur zwölf Prozent der Erträge erwirtschaftet und sieben Prozent ihres Personals beschäftigt.

Die Analyse bezeichnet Territorien als Steueroasen, die es Unternehmen etwa durch entsprechende Regelungen ermöglichen, ihre Steuerlast zu minimieren, ohne vor Ort große Teile ihrer Geschäfte zu verrichten. Ein Merkmal hierfür sei etwa eine niedrigere Besteuerung im Vergleich zu anderen Staaten, heißt es in dem Report. Das Problem: Auch legale Strategien zur Steuervermeidung würden zur Verschärfung der weltweiten Ungleichheit beitragen, so die Entwicklungshilfeorganisation.

Oxfam hätte sich den Banken-Sektor für den aktuellen Vergleich ausgesucht, da dort aufgrund von Transparenzregeln viele Daten verfügbar seien. „Für die anderen Branchen sind die Daten nicht öffentlich einsehbar“, erklärte ein Oxfam-Sprecher in Berlin.

Wo es Banken nach dem Brexit hinzieht
Bank of America
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Die Bank sieht Dublin als Standard-Ziel für ein neues EU-Drehkreuz, falls Großbritannien den einfachen Zugang zum Binnenmarkt verliert. Das erklärte Nikolaus Närger, zuständig für Corporate Banking in Deutschland, Schweiz und Österreich, im März. Es sei wahrscheinlich, dass einige Stellen auch an andere Standorte, wie etwa Frankfurt, Madrid, Luxemburg und Amsterdam, verlagert werden. Eine finale Entscheidung gebe es noch nicht.

Goldman Sachs
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Goldman Sachs werde nach dem EU-Austritt Großbritanniens zunächst Hunderte in London ansässige Mitarbeiter in erweiterte Büros in der EU versetzen, sagte Richard Gnodde, Co-Leiter Investmentbanking, in einem Interview mit CNBC am Dienstag. Die Firma verfügt bereits über Vollbanklizenzen in Frankreich und Deutschland und werde im Zuge der Brexit-Notfallplanung die Belegschaften in diesen und anderen Büros in der Region ausbauen. Wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr, erwägt die Wall-Street-Firma, Frankfurt zu ihrem Haupt-Drehkreuz innerhalb der EU zu machen. Demnach könne die Bank bis zu 1000 Mitarbeiter verlagern, darunter Händler und führende Manager. CEO Lloyd Blankfein sagte öffentlich, sein Unternehmen habe Pläne auf Eis gelegt, weitere wichtige Geschäftsbereiche in Großbritannien anzusiedeln.

JP Morgan Chase
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Bereits vor dem Referendum hatte JP Morgan-Chase-&-Co.-Chef Jamie Dimon erklärt, dass bis zu 4000 der insgesamt 16.000 britischen Mitarbeiter nach dem Brexit auf den Kontinent verlagert werden könnten. Das Unternehmen hat sich Kreisen zufolge Büros sowohl in Dublin als auch Frankfurt angeschaut.

UBS
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Die Schweizer Bank will eine finale Entscheidung darüber, ob bis zu 1.500 der rund 5.000 britischen Investmentbanking-Mitarbeiter umziehen werden, kurz nach der Auslösung des Brexit treffen. Das erklärte der Verwaltungsrats-Chef Axel Weber in diesem Monat.

HSBC
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HSBC könnte Handelsgeschäfte, die rund 20 Prozent vom Investmentbanken-Ertrag in London generieren, nach Paris verlagern, erklärte CEO Stuart Gulliver im Januar. Speziell Aktivitäten, die der EU-Rechtsprechung unterliegen, seien betroffen.

Barclays
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Barclays will in Dublin zusätzlich 150 Mitarbeiter ansiedeln, wenn britische Finanzinstitutionen den einfachen Zugang zur EU verlieren, sagten Personen mit Kenntnis der Entscheidung zu Beginn des Jahres.

Standard Chartered
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Standard Chartered erwägt, Dublin nach dem Brexit zum Rechtssitz innerhalb der EU zu machen. Das erfuhr Bloomberg im Dezember von Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind. Eine finale Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Bank spreche auch mit der deutschen Aufsicht darüber, Frankfurt alternativ auszuwählen.

Auffällig viel Gewinn wird dem Bericht zufolge in Luxemburg und Irland gemeldet. In Irland wickelt etwa auch der Technologiekonzern Apple über Tochterfirmen große Teile seines internationalen Geschäfts ab. Die EU-Kommission hatte nach jahrelanger Prüfung im Sommer befunden, die Steuervereinbarungen von Apple in Irland stellten eine unerlaubte staatliche Beihilfe dar. Der US-Konzern sollte deswegen 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen.

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3 Kommentare zu "Geschäfte in Steueroasen: Oxfam kritisiert Banken in Europa"

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  • Oxfam ist ein internationaler Verbund von verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen und wird vorwiegend durch private Spenden finanziert.
    Was finden Sie an denen negativ?

  • Wen es Steueroasen und - schlupflöcher gibt, dann haben doch nicht die Banken (oder andere Unternehmen) die zugelassen. Jedes Unternehmen wird nur soviel Steuern zahlen, wie es muß. Wer finanziert eigentliche Oxfam? Die sind mir schon öfters negativ aufgefallen.

  • Wieso kritisiert Oxfam nicht die vier Steueroasen in den USA, die nie dichtgemacht werden und wo sich scheinbar keiner rantraut, noch nicht mal der Super-Reformierer Trump?? Und wenn alle anderen Oasen auf der Welt dicht sind, sind Delaware und Co. immer noch offen, da sollte man sich fragen wieso?

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