Geschäftsausbau nach Brüssel Lloyd’s of London wird belgisch – zumindest ein bisschen

Lloyd’s, der britische Gigant im Versicherungshandel, baut seinen Standort in Brüssel aus – noch deutlich vor dem geplanten Brexit-Ausstiegstermin.
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Der Konzern verlagert einen Teil des Geschäfts nach Brüssel. Quelle: Reuters
Lloyd's of London

Der Konzern verlagert einen Teil des Geschäfts nach Brüssel.

(Foto: Reuters)

Die Grundsatzentscheidung fiel bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres. Der Versicherungsriese Lloyd’s werde aufgrund des Brexit-Votums Brüssel als neuen EU-Standort in Kontinentaleuropa ausbauen, verkündete das Unternehmen im März 2017.

Gut ein Jahr später visiert die Versicherungsplattform ein konkretes Datum an: „Lloyd’s wird am neuen Standort Brüssel am 1. Januar 2019 seine Arbeit aufnehmen“, kündigte Konzernchefin Inga Beale am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Unternehmens an. Man habe bereits begonnen, erste Mitarbeiter für die Arbeit in der belgische Hauptstadt einzustellen.

Hauptsitz von Lloyd’s werde weiter London bleiben, sagte Beale. Trotzdem würden in Brüssel fortan 40 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Briten wollen über den neuen Hub das Geschäft mit Kunden in Kontinentaleuropa direkt laufen lassen, um mögliche Friktionen durch den geplanten Brexit zu umgehen.

Lloyd’s gehört zur britischen Hauptstadt wie der Tower und die Queen. Mit dem Umzug in die belgische Hauptstadt will der Konzern Sicherheit für seine Kunden auf dem europäischen Festland schaffen, denn Lloyd’s begeht den Umzug bereits vor dem offiziellen Brexit-Trennungstermin am 29. März 2019.

„Wenn wir die Passporting-Rechte nicht bewahren können, würden wir sicherlich einen Hub, wahrscheinlich in Form einer Tochtergesellschaft, auf dem Kontinent aufbauen, über die wir dann das Geschäft mit den Kunden in Europa direkt laufen lassen“, hatte bereits der damalige Chairman, John Nelson, vor rund zwei Jahren angekündigt. Lloyd's ist kein Versicherer oder Rückversicherer, sondern eine Börse, an der mit Versicherungen gehandelt wird.

Die 329 Jahre alte Institution gehörte vor der Brexit-Entscheidung zu den vehementesten Befürwortern eines Verbleibs in der EU und warnte frühzeitig vor den Folgen für die britische Versicherungsindustrie. Viele Finanzinstitute stellt der Brexit nämlich vor ein heikles Problem, da die sogenannten Passporting-Rechte verloren gehen.

Damit sind Rechte gemeint, die es Banken und Versicherern erlauben, von London aus Geschäfte auf dem gesamten europäischen Kontinent zu machen – ein Privileg, das viele Firmen nun mit der Verlagerung von Geschäften in die EU-Zone umgehen wollen. Denn um weiter Produkte in den übrigen 27 EU-Staaten verkaufen zu können, benötigen die Firmen eine Lizenz in einem anderen EU-Land, beispielsweise in Deutschland. Beale plädiert für eine Vereinbarung, die auch nach dem erfolgten EU-Austritt Großbritanniens Geschäfte unter bestmöglichen Bedingungen ermöglicht.

Mit der Wahl der EU-Hauptstadt Brüssel wollte Lloyd’s allerdings kein verstecktes politisches Zeichen setzen. „Wir haben uns bei der Entscheidung auch gefragt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass das Land, in dem wir unseren Hub aufbauen, in der EU bleibt – und da sind wir bei Belgien doch recht zuversichtlich“, erklärte Beale im vergangenen Herbst im Interview mit dem Handelsblatt den Schritt nach Brüssel. Ihren britischen Humor hat die 54-Jährige trotz Brexit offensichtlich nicht verloren.

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