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Getsafe-CEO Christian Wiens im Interview Kampf der Digitalversicherer: „Lemonade ist unser direktester Konkurrent“

Getsafe-CEO Wiens will auf die Attacke des milliardenschweren US-Start-ups reagieren. Der Chef des Heidelberger Insurtechs sieht Vorteile gegenüber Lemonade.
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Künstliche Intelligenz kann manche Risiken prognostizieren. Quelle: Stone/Getty Images
Überflutetes Wohnzimmer

Künstliche Intelligenz kann manche Risiken prognostizieren.

(Foto: Stone/Getty Images)

Frankfurt Für viele deutsche Insurtechs, wie die Start-ups in der Assekuranz genannt werden, ist der Marktstart des milliardenschweren US-Versicherungs-Start-ups Lemonade eine Zäsur. Vor allem die jungen deutschen Unternehmen One aus der Wefox-Gruppe, Coya und das Heidelberger Insurtech Getsafe bieten ähnliche Produkte an.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht Getsafe-CEO Christian Wiens darüber, wie die einheimischen Rivalen reagieren wollen.

Herr Wiens, der US-Digitalversicherer Lemonade fischt künftig auch in Europa nach jungen Kunden. Haben Sie damit gerechnet, dass sich Amerikaner Deutschland als Startmarkt aussuchen?
Nun, in der Branche kennen wir uns ganz gut. Daher hatten wir schon ein Gefühl dafür, dass sich Lemonade den spannendsten, aber vielleicht auch schwierigsten Versicherungsmarkt in Europa aussucht.

Lemonade bietet Hausrat- und Haftpflichtpolicen und setzt auf Künstliche Intelligenz. Das klingt ihrem Geschäftsmodell sehr ähnlich. Wie gefährlich ist der Vorstoß für die deutschen Insurtechs?
Wir haben hier in Europa einen riesigen Markt und eine große Zielgruppe von nicht versicherten Kunden, die nicht zum Vertreter gehen wollen, sondern nach solchen Lösungen suchen. Der Markt ist also groß genug. Aber tatsächlich sind Lemonade und Getsafe sehr ähnlich. Wir sehen die Amerikaner auch als unseren direktesten Konkurrenten weltweit an. Es gibt aber unter der Haube deutliche Unterschiede, was die technische Infrastruktur angeht. Die Amerikaner sind immer gut darin, schnell zu wachsen und die Technik anschließend zu verbessern. Wir Deutschen als gute Ingenieure bauen dagegen immer erst eine exzellente Infrastruktur auf, die es uns dann erlaubt, schneller zu expandieren.

Aber auch Getsafe hat die meisten Kunden in der Zielgruppe unter 35 Jahren. Wird es zu einem Preiskampf kommen?
Nein, das glaube nicht. Wir sehen ohnehin bei uns, dass die Kunden nicht wegen des Preises kommen, sondern weil wir eine Versicherungserfahrung bieten, die völlig neu ist. Weil Sie praktisch alles in Echtzeit auf ihrem Handy machen können – und das ohne Papier, Makler und Wartezeiten. Das ist vielen Kunden mehr Wert als ein paar Euro zu sparen. Heute bieten wir die meistgekaufte Versicherung bei Kunden unter 35 Jahren an – und das gilt sowohl für Wettbewerber wie One oder Coya als auch für klassische Versicherer wie Allianz. Insofern muss uns da jemand auch erst einmal einholen – und das funktioniert sicherlich nicht über den Preis.

Der Chef des Insurtechs Getsafe plant eine Expansion in Europa.
Christian Wiens

Der Chef des Insurtechs Getsafe plant eine Expansion in Europa.

Wie wollen Sie sich auf dem Heimatmarkt denn konkret verteidigen?
Wir machen so weiter wie bisher und strecken auch gerade sehr konkret die Fühler nach ganz Europa aus. Wir wollen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern bald zu den meistinstallierten Versicherungs-Apps zählen. Wir machen uns um den Heimatmarkt dabei weniger Sorgen. Wir haben als einziger Player hier eine Plattform, die mehrere Produkte im Angebot hat und mehrere Produktsparten erlaubt - was es auf Dauer für die Kunden attraktiver macht. Wenn ich nur eine Hausratversicherung habe, werde ich sicher auch anderswo Produkte kaufen gehen.

Welche Länder haben Sie denn bei der Expansion konkret im Auge?
Wir sehen Europa schon als Ganzes und wollen diese Expansion auch möglichst mit einem einheitlichen Produktangebot unternehmen. Konkret schauen wir uns aber gerade Frankreich, Spanien, Italien und vor allem Großbritannien an.

Lemonade hat zuletzt 300 Millionen Dollar eingesammelt, Getsafe musste sich jüngst mit 15 Millionen Euro begnügen. Können Sie da wirklich mithalten?
Das ist immer die Gretchenfrage: Wer gewinnt am Ende? Der, der das meiste Geld hat oder der, der das bessere Produkt hat. Wir sind überzeugt, dass wir ein sehr gutes Produkt gebaut haben – und das wird meiner Meinung nach entscheidend sein und nicht das meiste Marketingkapital. Aber klar ist es für einen Player mit sehr viel Geld möglich, sich in so einen Markt reinzukaufen. Aber das ist meist ein kurzfristiger Effekt. Hinzu kommt, dass wir in den nächsten zwölf Monaten auch noch einmal deutlich mehr Geld einsammeln werden.

Glauben Sie, dass alle deutschen Insurtechs den sich verschärfenden Wettbewerb überleben werden?
Nun, es gibt eine große Vielzahl an Insurtechs, die sehr verschiedene Dinge machen. Wir sehen uns in direkter Konkurrenz zu Lemonade, weil auch wir eine Versicherung auf dem Smartphone für Leute unter 35 Jahren anbieten. One und Wefox versichern dagegen eher Leute über 45 Jahre und Simplesurance geht in die E-Commerce-Shops rein. Es gibt also sehr unterschiedliche Profile. Ich glaube jedoch, dass die Besten in ihrem jeweiligen Bereich auch überleben können. Denn der Markt ist groß und die Insurtechs bieten das, was die Leute wollen. Insofern glaube ich, dass wenn sich jemand durchsetzt, es die Startups sind – und nicht die mittelständischen Versicherer.

Axa-Deutschland-Chef Alexander Vollert, dessen Versicherung den Rückversicherer für Lemonade in Deutschland macht, betont, dass er zwar Partner, aber im Erstversicherungsgeschäft zugleich Wettbewerber sei. Wie gefährlich wird Lemonade für die klassischen Assekuranzen?
Ich glaube, das sorgt jetzt bei den Etablierten noch einmal für einen zusätzlichen Ruck – und das ist gut so. Wir sind entspannt, was die klassischen Versicherer angeht. Denn diese haben ein Problem, das sie nicht schnell lösen können: ihre veraltete technische Infrastruktur. Ich glaube nicht, dass die klassischen Versicherer in der Lage sein werden, das – was wir oder Lemonade anbieten – schnell zu replizieren. An der Oberfläche mag das so aussehen, aber unter der Haube wird das noch viele Jahre Arbeit kosten.

Allianz startet Ende 2019 mit einem eigenen Digitalversicherer. Wie groß wird ihrer Meinung der Marktanteil solcher rein digitalen Assekuranzen werden?
Noch liegt der Großteil der Policen bei Kunden, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind. Solange diese Kunden aktiv sind, wird der Anteil des traditionellen Geschäfts auch groß bleiben. Doch ein heute 15-Jähriger wird keine Police mehr abschließen, bei der er sich mit einem Makler zusammensetzen muss oder einen Papierausdruck braucht. Langfristig wird also der Anteil weit über 50 Prozent liegen.

Herr Wiens, vielen Dank für das Gespräch.

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