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Gewinneinbruch Goldman Sachs muss sich neu erfinden – und das schnell

Die erfolgsverwöhnte Investmentbank schwächelt. Vorstandschef David Solomon will die Bank deshalb neu aufstellen. Das dauert länger als geplant.
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Goldman-Chef David Solomon: „Wir konzentrieren uns auf neue Möglichkeiten, unser Geschäft auszubauen und breiter aufzustellen.
David Solomon

Goldman-Chef David Solomon: „Wir konzentrieren uns auf neue Möglichkeiten, unser Geschäft auszubauen und breiter aufzustellen."

(Foto: Bloomberg)

New YorkDavid Solomon lässt sich Zeit. Eigentlich wollte der Chef der Investmentbank Goldman Sachs schon in den kommenden Monaten die Ergebnisse seiner umfassenden Überprüfung aller Geschäftsfelder präsentieren. Doch der Prozess dauert offenbar länger als geplant.

Daher wird Solomon nun erst Anfang 2020 an die Öffentlichkeit gehen. Aber das heißt nicht, dass der Banker, der seit Oktober an der Spitze des Wall-Street-Hauses steht, mit dem Umbau des 150 Jahre alten Instituts so lange wartet.

Solomon will Goldman weniger abhängig vom Investmentbanking und dem einst so lukrativen Handelsgeschäft machen. Stattdessen ist die Bank dabei, stabilere Geschäftsfelder aufbauen und sich stärker auf kleinere Kunden zu konzentrieren.

Wie wichtig es ist, dass sich Goldman neu erfindet, zeigen die schwachen Zahlen für das erste Quartal dieses Jahres mit einem deutlichen Minus bei Ertrag und Gewinn.

Als Gegenmaßnahme kündigte Goldman am Montag unter anderem an, ein separates Team von Investmentbankern aufzubauen, die sich speziell um kleinere Unternehmen mit einem Marktwert von bis zu zwei Milliarden Dollar kümmern sollen. Das Team soll „mit der Zeit 100 Banker umfassen“, sagte Finanzchef Stephen Scherr bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Wertvolle Privatkunden

Goldman arbeitet an einer Reihe neuer Initiativen, die künftig für stärkeres Wachstum sorgen sollen. So baut die Bank gerade eine Plattform auf, um ihren Kunden künftig auch Cash-Management anbieten zu können.

Analysten haben schon länger kritisiert, dass Goldman zwar beste Beziehungen zu den Entscheidern der größten US-Unternehmen pflegt – jedoch nur für Fusionen und Übernahmen und die Emission von Aktien und Anleihen. Ihren Zahlungsverkehr lassen Großkunden dagegen bislang von Universalbanken wie JP Morgan, Citi oder der Deutschen Bank verwalten.

Doch das Geschäft ist lukrativ. Branchenschätzungen zufolge geben Unternehmen in etwa gleich viel für Cash-Management aus wie für Investmentbanking-Gebühren. „Schon ein kleiner Marktanteil würde genügen, um erfolgreich zu sein“, gibt Guy Moszkowski von Analysehaus Autonomous zu bedenken.

Scherr zufolge laufen die Vorbereitungen nach Plan. Zunächst soll Goldman selbst die Plattform testen, bevor sie im kommenden Jahr auch für die Kunden der Bank geöffnet werden wird.

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Darüber hinaus arbeitet die Bank weiter am Ausbau des Privatkundengeschäfts. Die Online-Tochter Marcus hat Ende März gemeinsam mit Apple eine Kreditkarte angekündigt, die im Sommer in den Vereinigten Staaten auf den Markt kommen soll.

Goldman will über diese Partnerschaft vor allem neue Kundengruppen gewinnen. Die Zielgruppe von Apple wäre für Goldman besonders attraktiv: iPhone-Käufer gelten in der Regel als technologieaffin und gut situiert – genau solche Kunden würden gut zur Onlinebank Marcus passen. Zudem wird die Bank über die Marcus-Plattform auch Vermögensverwaltung für das obere Ende der Mittelschicht anbieten.

Zum Reformprogramm von Goldman gehört es auch, sich stärker für Programmierer von außen zu öffnen – so wie es Technologieunternehmen wie Uber und Facebook tun.

Noch im April sollen bestimmte Computer-Codes veröffentlicht werden, die Goldmans Händler und Ingenieure nutzen, um etwa Wertpapiere zu bewerten und Risiken zu analysieren. Der Code soll auf der Plattform Github veröffentlicht werden, die von Programmierern weltweit für Projekte genutzt wird.

Der Gewinn fällt um ein Fünftel

Doch der tief greifende Umbau der Investmentbank braucht Zeit, wie die Zahlen für das erste Quartal zeigen. Der Nettogewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar ein. Die Erlöse gingen um 13 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zurück.

Für das deutliche Minus ist auch das starke Vergleichsquartal Anfang 2018 verantwortlich. Damals profitierten die US-Banken wie viele andere Konzerne von der groß angelegten Steuerreform der US-Regierung.

Präsident Donald Trump hatte die Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Die US-Banken gehörten zu den größten Nutznießern, weil die Steuersenkungen die Finanzmärkte insgesamt belebt haben.

Dieser Rückenwind ist nun jedoch abgeflaut, so dass sich die Gewinne der Geldhäuser in diesem Jahr wieder normalisieren werden. Einige Analysten erwarten eine sogenannte Gewinn-Rezession, bei der die Gewinne in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen niedriger ausfallen als im Jahr zuvor.

Hinzu kamen zum Jahresanfang 2019 Turbulenzen, die auf den Shutdown – dem Ausgabenstopp der US-Regierung – zurückzuführen sind und eine ganze Reihe von Aktivitäten an den Märkten lahmlegten. Unter anderem gerieten Börsengänge ins Stocken, weil die Börsenaufsicht mit den Genehmigungsverfahren nicht hinterher kam.

Die Einnahmen im wichtigen Handelsgeschäft von Goldman fielen in den ersten drei Monaten 2019 um 18 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Besonders stark traf es den Aktienhandel.

Dort sackten die Einnahmen um 24 Prozent ab. Im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen lag das Minus bei elf Prozent. Ähnlich sah es am Freitag auch bei der größten US-Bank JP Morgan Chase aus. Dort gingen die Handelsumsätze insgesamt um 17 Prozent zurück. JP Morgan profitierte anders als Goldman jedoch von einem robustem Privatkundengeschäft, was dem Institut Rekordgewinne und -umsätze bescherte.

Die Stimmung habe sich seit Jahresbeginn deutlich gebessert, versicherte Goldman-Chef Solomon. So stiegen die Erlöse im Investmentbanking im ersten Quartal um ein Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar, vor allem antrieben durch ein starkes Geschäft bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen.

Für die kommenden Wochen ist zudem der Börsengang des Fahrdienstvermittlers Uber geplant, der der größte in diesem Jahr werden könnte. Goldman wird dabei eine führende Rolle einnehmen und ist zudem auch an Uber beteiligt.

Wann Goldman den Korruptionsskandal rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB abschließen kann, ließ Solomon weiter offen. Der frühere Südostasienchef der Bank Tim Leissner hatte sich im vergangenen Jahr schuldig bekannt, an Betrügereien beteiligt gewesen zu sein, bei denen rund 4,5 Milliarden Dollar aus dem Staatsfonds des asiatischen Landes verschwunden waren.

Malaysia hatte daraufhin eine strafrechtliche Klage gegen die Bank eingereicht. Auch das US-Justizministerium untersucht den Fall.

„Niemand will die Sache schneller abschließen als wir“, betonte Solomon. Der Skandal lastete vor allem im vergangenen Herbst auf dem Aktienkurs der Bank, der sich seit dem deutlich erholt hat. Am Montag lag das Papier in den frühen New Yorker Handelsstunden knapp drei Prozent im Minus und kostete 202,55 Dollar.

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