Gewinneinbruch Swiss Life schreibt AWD ab

Swiss Life trennt sich von dem Markennamen AWD. Der Schweizer Versicherer schreibt zudem fast eine halbe Milliarde Euro auf die von Carsten Maschmeyer gekaufte Tochter ab. Der nennt den Schritt „ logisch und konsequent“ .
Update: 28.11.2012 - 11:57 Uhr 19 Kommentare
Endgültig demontiert: Swiss Life stellt die Marke AWD ein. Quelle: dapd

Endgültig demontiert: Swiss Life stellt die Marke AWD ein.

(Foto: dapd)

ZürichDer Schweizer Lebensversicherer Swiss Life schreibt auf die 2008 übernommene Hannoveraner Tochterfirma AWD 576 Millionen Franken (478,4 Millionen Euro) ab und gibt den Markennamen auf. Das führe zu einem Gewinneinbruch und zum Abbau von 300 bis 400 Stellen in den nächsten drei Jahren, teilten die Schweizer am Mittwoch mit.

Swiss Life rechnet für dieses Jahr mit einem Reingewinn in zweistelliger Millionenhöhe, nachdem der Konzern im vergangenen Jahr noch 606 Millionen Franken (rund 505 Millionen Euro) verdient hatte. Gleich bleiben soll die Dividende. Die Aktionäre sollen wie im letzten Jahr 4,50 Franken pro Aktie erhalten.

Die Vertriebsgesellschaften, die bisher unter der Marke AWD liefen, sollen künftig unter dem Namen „Swiss Life Select“ auftreten, teilte das Unternehmen mit. Eine Folge der Umbenennung: Auch die AWD-Arena, das Fußballstadion von Hannover 96, muss nun eine neue Bezeichnung bekommen.

In Deutschland seien voraussichtlich bis zu 300 Stellen betroffen. In der Schweiz werden rund 90 Stellen abgebaut. Für den Stellenabbau sollen insbesondere die natürliche Fluktuation, Ruhestandsregelungen und der interne Stellenmarkt genutzt werden. Man werde „den Stellenabbau mit Umsicht angehen und Betroffene bei der beruflichen Neuorientierung unterstützen“, erklärt Konzernchef Bruno Pfister.

Der AWD-Nachfolger Swiss Life Select solle sich auf Märkte Deutschland, Schweiz, Österreich sowie Polen und Tschechien konzentrieren. Die bisherigen AWD-Aktivitäten in der Slowakei und Ungarn werden zum Jahresende aufgegeben. Zudem legen die Schweizer ein neues Unternehmensprogramm mit Zielen bis 2015 auf.

Vor rund vier Jahren hatten die Schweizer AWD für gut eine Milliarde Euro übernommen. Swiss Life versprach sich davon eine "deutliche Steigerung des Neugeschäftsvolumens". Ferner wollten die Schweizer von der Expansion des AWD in Osteuropa profitieren. Die Rechnung ging nicht auf. Analysten bezeichnen die Übernahme heute als "Fehlkauf".

AWD bereitete Swiss Life zuletzt immer mehr Probleme. Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich, wo Behörden die AWD-Vertriebspraktiken untersuchen, nagten an der Reputation und kosteten viel Geld. Als Fehler wollte Konzernchef Pfister die Übernahme rückblickend aber nicht einstufen. Die Entscheidung zur Erweiterung der Swiss-Life-Gruppe um den AWD sei „strategisch gesehen“ richtig gewesen. "Dennoch müssen wir selbstkritisch anerkennen, dass wir die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt haben", erklärte er.

Der Finanzmanager Carsten Maschmeyer gründete den Finanzvertrieb AWD und baute den Konzern zu einem der größten Dienste in der Branche auf. Später verkaufte er sein Lebenswerk an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life. Zurückgezogen hat sich Maschmeyer aber längst noch nicht. Seine Maschmeyer Group umfasst ein buntes Spektrum an Einzelfirmen und Beteiligungen, die er von seiner Heimat Hannover aus steuert. So engagierte er sich etwa bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa).

Maschmeyer zeigt Verständnis für die Umbenennung seines früheren Unternehmens. „Mit dem Einstieg der Swiss Life als großem Versicherungskonzern gingen natürlich Veränderungen einher“, sagte er am Mittwoch. „Deswegen ist es auch logisch und konsequent, wenn Swiss Life den Markennamen AWD aufgibt und die nationalen AWD-Vertriebe mit den Swiss-Life-Ländergesellschaften zusammenlegt.“


 
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19 Kommentare zu "Gewinneinbruch: Swiss Life schreibt AWD ab"

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  • Typisch ist mal wieder, dass die unfähigen Manager, die die Misere zu verantworten haben bei der Umstrukturierung ihre Posten behalten oder mit neuen Vorstands-/ Geschäftsführeraufgaben betraut werden. Von den Stellenstreichungen sind mal wieder nur die Mitarbeiter betroffen. Unglaubwürdiger kann ein Neuanfang kaum aussehen.

  • Bei Überforderung sollte man die Finger weg lassen! Selbsteinschätzung sollte VOR allem stehen. Ihr Brei in Ehren aber wie bei den Derivaten: was man nicht versteht oder umfassend erkennt, sollte man sein lassen.

  • sehr geehrtes handelsblatt,

    wenn sie den leuten gestatten ihre meinungen zum besten zu geben, dann sollten SIE, als moderator, darauf achten, dass die beiträge zum thema sind und nicht nur ein purer SHIT-STORM sind!

    vielen dank

  • @ vandalee:

    thema verfehlt! setzen! 6!

  • Wann wird endlich dieses Management ausgewechselt?

    Konsequent wäre, wenn CEO Bruno Pfister und Rolf Dörig sich verabschieden würden. Diese Herren haben den Kauf und das Dilemma mit AWD zu verantworten. Die Geschichte von der Banca del Gottardo hat sich wiederholt. Gute Firmensubstanz musste für den Kauf von AWD veräussert werden. Die gesamte Strategie der letzten Jahre von diesem Management ist gescheitert. Das einzige, was seit Zobls Zeiten geblieben ist, sind die Köpfe der McKinsey, welche sich auf allen Schlüsselpositionen eingenistet haben.

  • @bettina
    Sie haben recht. Diese dummen Bürger kaufen auch Gammelfleisch und verseuchte Erdbeere. Solchen unmündigen Menschen kann man auch nicht helfen.

  • @DoktorDip
    Maschmeyer hat sehr gute Verbindungen zu den Top-Politikern und Göker nicht!

  • @bettina: Das kann man aber doch so eben nicht sagen, sondern es geht darum, was die Kunden wollten.

    Wenn einer einen Kredit aufgenommen hat, weil er zB ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte und dafür eben einen Kredit braucht, dann war ihm von Anfang an klar, oder ist ihm das zuzumuten, zu wissen, dass wenn er dann zB arbeitslos wird und sich den Kredit nicht mehr leisten kann, er eben das Haus/Wohnung verkaufen, den Kredit trotzdem zurückzahlen und wieder wo auch immer wohnen/einziehen muss.

    Wenn er aber eigentlich gar keinen Kredit gebraucht oder gewollt hat, aber ein AWD Verkäufer, der sich selbst aber als Anlageexperte und -Berater vorgestellt hat, ihm eingeredet hat, doch lieber einen Kredit zu nehmen und statt dessen sein Eigenkapital in eine Versicherung zu investieren, weil die Versicherung ja so viel mehr Rendite erwirtschaftet als der Kredit an Zinsen kostet und er deshalb ja so viel Geld pro Jahr erwirtschaftet, dann war hier ein falscher 'Berater' am Werk, der in Wirklichkeit nur sein eigenes Einkommen im Kopf hatte und der sich dem Kunden gegenüber nie als 'unabhängiger Berater' oder so etwas hätte vorstellen dürfen und insofern zu einem nicht unwesentlichen Teil dann Schuld an dieser Misere hat.

    Das gleiche gilt für Leute, die ihr Geld eigentlich auf ein Sparbuch legen wollen und statt dessen von einem AWD-Verkäufer eingeredet bekommen, dass doch ein Fonds viel besser sei.

    Machen Sie uns doch nichts vor: Die AWD Verkäufer werden ja gerade intensivst darin geschult, Einwände des Kunden zu 'behandeln', und zwar so lange, bis der Abschluss wie vom AWD-Verkäufer beabsichtigt, erfolgt ist. Und ja, es gibt 'gierige' Kunden, die von selbst zu spekulativen Produkten greifen würden. Aber diese wie jene brauchen dafür in Wirklichkeit keinen AWD, die finden alle selbst und unbeeinflusst die von ihnen jeweils präferierten Produkte.

  • Nun zumindest eines muss man dem Maschmeyer lassen.

    Er hatte mal wieder den richtigen Riecher
    und hat sich rechtzeitig verkrümelt ...

  • Da haben sich ja superschlaue Vorstände eines Weltkonzerns von einem abgebrochenen Studenten ganz schön einseifen lassen, dem Vitamin B ja wichtiger ist als Arbeit.

    Liebe Schwarzgeld-Gewinnler, nicht nur Berge habe ihre Tücken.

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