Giovanni Liverani im Interview Generali-Deutschland-Chef – „Unsere Lösung ist eine Blaupause für den gesamten Markt“

Der Generali-Deutschland-Chef über den Verkauf der Lebensversicherungs-Policen, die Prüfung der Bafin und warum der Deal so lange gedauert hat.
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Generali-Deutschland-Chef: „Unsere Lösung ist eine Blaupause für den gesamten Markt“
Giovanni Liverani

Der 53-jährige ist Chef des zweitgrößten Erstversicherers in Deutschland.

FrankfurtGiovanni Liverani kann mit Druck umgehen. Der 53-jährige heutige Chef des zweitgrößten Erstversicherers in Deutschland ist Ex-Leichtathlet. Dennoch ist dem Italiener die Erleichterung darüber anzumerken, dass er am Donnerstag nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung mit dem Abwickler Viridium verkünden kann. Mit dem Handelsblatt sprach er über die Konsequenzen des Deals für den Versicherer und für die Kunden.

Herr Liverani, ein Jahr lang hat Generali die Optionen für die Lebensversicherungssparte in Deutschland geprüft. Warum hat die Entscheidung für den Verkauf so lange gedauert?
Weil wir es uns nicht leicht mit dieser Entscheidung gemacht haben. Tatsächlich haben die Gespräche über die Zukunft der Generali Leben sogar 22 Monate gedauert. Aber wir wollten eine Lösung, welche strategisch sowohl für uns, aber auch für unsere Kunden, Investoren und Arbeitnehmer richtig war. Wir wissen, dass es ein wichtiger Schritt ist, denn der Verkauf ist die größte Transaktion dieser Art in Europa in den letzten Jahren. Aber wir glauben, dass die jetzt gefundene Einigung allen hilft.

In Deutschland wird der Verkauf großer Bestände gerade in der Politik jedoch skeptisch beäugt. Stellen Sie sich auf eine kontroverse Debatte in den kommenden Tagen ein?
Wir haben die letzten 20 Monate viele Gespräche mit Politiker, Verbraucherschützern und Gewerkschaften geführt. Wir hören da genau zu, weil wir um die Emotionalität der Entscheidung wissen. Gerade in der Politik und bei den Aufsehern hat die Mehrheit jedoch verstanden, dass ein Run Off sowie der Verkauf von alten Beständen kein Teufelszeug ist, sondern letztlich auch für die Kunden von Vorteil sein kann.
Wir begrüßen es deshalb, dass die Finanzaufsicht Bafin sich den Deal genau ansehen wird. Denn wir kennen die Vorbehalte und möchte diese ausräumen. Keinem Kunden und keinem Mitarbeiter werden durch den Verkauf Einbußen entstehen.

Dennoch sind viele Verbraucher besorgt, weil Ihre Altersvorsorge in die Hände eines Finanzinvestors gerät. Fürchten Sie keinen Imageschaden?
Nein, wir haben dieses Thema sorgsam geprüft. Aber seit mehr als einem Jahr gibt es nunmehr Spekulationen darüber, dass die Generali Deutschland sich von ihrem alten Lebensversicherungs-Bestand trennen könnte. Doch uns hat in dieser Zeit kein einziger besorgter Anruf erreicht. Die Kunden fragten vielleicht nach dem Stand ihres Garantiezinses oder ähnliches. Aber der mögliche Verkauf hat keinen Kunden umgetrieben.

Sie wollen mit 10,1 Prozent an Generali Leben beteiligt bleiben und haben eine Option, bis zu 10 Prozent an Viridium zu übernehmen. Warum haben Sie sich gegen eine komplette Trennung entschieden?
Das Zauberwort heißt Begleitung. Wir wollen die Entwicklung des Geschäfts bei Generali Leben weiter begleiten und haben deshalb auch eine Option, uns mit zehn Prozent an Viridium zu beteiligen. Ich bin überzeugt, dass wenn wir uns das Thema rational ansehen, wir es hier mit einer Win-Win-Situation zu haben. Denn bei großen Abwicklungsplattformen sind viele Altbestände auf mittlere und lange Sicht einfach besser aufgehoben. So glauben wir, dass wir mit der Beteiligung an Viridium auf lange Sicht auch von einem wachsenden Markt profitieren werden.

Die Policen haben bisher hohe Kapitalanforderungen der Bafin nötig gemacht. Wie viel Kapital setzen Sie durch den Verkauf frei und welche Folgen hat das für Ihre Solvenzquote?
Nun, für uns ist das ein fundamentaler Schritt bei der strategischen Neuausrichtung. Die Lebensversicherungs-Altverträge – unter anderem von der ehemaligen Volksfürsorge und Deutscher Lloyd – haben die Bilanz sehr belastet. Unsere Solvenzquote wird durch den Verkauf nun insgesamt um 43 Prozent steigen. Zudem setzen erhalten wir durch den Deal bis zu einer Milliarde Euro von Viridium. Dazu löst die Abwicklungsplattform Kredite von rund 900 Millionen Euro bei Generali Leben ab. Insgesamt setzen wir so also rund 1,9 Milliarden Euro an neuen Mitteln frei, die wir jetzt in neue, attraktive Geschäfte stecken können. Denn Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt. Wir sind hier der zweitgrößte Erstversicherer – und wir wollen diese Position in den nächsten Jahren ausbauen.

Die Bafin hat betont, dass sie den Deal intensiv prüfen wird. Kann der Deal noch kippen?
Nein, das glaube ich nicht. Ich bin mir sicher, dass wir Bedenken der Bafin, wenn es diese geben sollte, ausräumen können. Und wir begrüßen es, dass die Bafin sich den Verkauf genau ansieht. Wie gesagt, wir wissen, dass dies ein emotionales Thema ist. Wir wollen deshalb zuhören und mit allen Beteiligten so lange sprechen, bis sie überzeugt sind. Aber ich glaube, dass unsere Lösung eine Blaupause für den gesamten Markt werden könnte. Denn das Problem von sinkenden Prämienvolumen und steigenden Verwaltungsgebühren haben viele Versicherer in Deutschland.

Bis wann erwarten Sie ein Fixing?
Ich glaube, das wird dauern. Wir denken, dass sich die Bafin sicherlich einige Monate Zeit nehmen wird, um diesen Verkauf zu prüfen. Aber das ist für uns völlig in Ordnung.

Herr Liverani, vielen Dank für das Gespräch.

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