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Girokonten Mit einer Vergleichsplattform werden hohe Bankkosten leicht entlarvt

Kunden können durch ein Onlineportal Kontogebühren bald besser vergleichen. Das soll ihnen helfen, ein günstiges Girokonto zu finden.
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Onlineportal: Hohe Bankkosten werden leicht entlarvt Quelle: Imago/Westend61
Recherche per Internet

Künftig werden mehr Kunden ihr Konto wechseln, erwarten Fachleute.

(Foto: Imago/Westend61)

Berlin Mit knapp einjähriger Verspätung sollen sie nun kommen: Vergleichsseiten im Internet, auf denen Girokontoinhaber die Gebühren ihres Kreditinstituts mit den Konditionen anderer Banken abgleichen können.

Verbraucherschützer halten dies für sinnvoll, monieren allerdings das komplexe Zulassungsverfahren. Einige große Anbieter von Vergleichsseiten scharren indes schon mit den Hufen. Die Finanzaufsicht Bafin rechnet künftig mit mehr Kontowechseln.

„Wir begrüßen die Möglichkeit, dass Verbraucher künftig über zertifizierte Vergleichswebsites einen Überblick über die von Banken und Sparkassen angebotenen Girokonten erhalten sollen“, sagt Claudio Zeitz von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Im vierten Quartal soll es nach Auskunft der Initiatoren spätestens so weit sein.

Zwar müssen auch Kreditinstitute ihre Kunden regelmäßig über erhobene Gebühren oder Zinsen auf dem Girokonto informieren. Doch ob diese nun im Vergleich hoch oder niedrig sind, erschließt sich naturgemäß nicht.

Gerade in Zeiten, in denen viele Institute die Entgelte hochschrauben, könnten Verbraucher von unabhängigen und umfassenden Vergleichsportalen profitieren, um leichter zu einem günstigeren Konto zu gelangen, erklärt Verbraucherschützer Zeitz. Absehbar ist, dass die Versuchung für Banken in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen und damit sinkender Erträge zunimmt, ihre Einnahmen über höhere Gebühren zu steigern.

Dabei können Banken relativ viele Stellhebel betätigen – und ebendiese können Kunden künftig vergleichen: Es geht um Gebühren für die Kontoführung, Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften, der Ausgabe von Debit- oder Kreditkarten, Bargeldein- und -auszahlungen am Schalter, Bargeldein- und -auszahlungen mit der Debit- oder Kreditkarte an Geldautomaten in Euro oder Fremdwährungen sowie Kosten für die Überziehung des Kontos.

Allerdings sei das Projekt „Vergleichswebsite“ überfällig, stellt Zeitz fest. Eigentlich sollten Verbraucher dieses Instrument bereits seit Ende Oktober 2018 nutzen können. „Der Zeitverzug dürfte auch an dem komplizierten Verfahren liegen, für das sich die Bundesregierung entschieden hatte“, meint der Verbraucherschützer.

Gesetzliche Grundlage für die neuen Vergleichsinternetseiten ist die EU-Zahlungskontenrichtlinie aus dem Jahr 2014. Diese setzt die Bundesregierung mit dem Zahlungskontengesetz und der Vergleichswebsite-Verordnung um. Die EU schreibt den Mitgliedstaaten vor, ihren Bürgern einen entgeltfreien Zugang zu mindestens einer Vergleichswebsite zu verschaffen.

Die Bundesregierung stellt sich hier mehrere Websites vor, die bestimmte Ansprüche erfüllen müssen. Dafür sollen diese Internetseiten zertifiziert werden von einer sogenannten Konformitätsbewertungsstelle. Das können Prüfunternehmen wie der Tüv oder die Dekra sein. Groß war das Interesse von Unternehmen allerdings nicht, Konformitätsstelle zu werden.

Nach Kenntnis der Bundesregierung durchläuft bislang mit dem Tüv Saarland nur eine Institution das Akkreditierungsverfahren. Die Zulassung erteilt die Deutsche Akkreditierungsstelle (Dakks). Die Prüfungen der Dakks stehen nach Informationen des Handelsblatts kurz vor dem Abschluss. Bestandteil des Akkreditierungsverfahrens für eine Konformitätsstelle ist auch der Test eines Pilotkunden.

Große Anbieter bringen sich in Position

Offenlegen müssen die Website-Betreiber gegenüber der Konformitätsstelle dabei den vollständigen Programmcode für die Berechnung des Vergleichsergebnisses. Ist der aufwendige Akkreditierungsprozess geschafft, sollten die neuen Vergleichswebsites dann relativ schnell zertifiziert und genutzt werden können.

Und einige Platzhirsche am Markt für Vergleichsportale bringen sich bereits in Position. „Wir sind interessiert, uns als Vergleichswebsite zertifizieren zu lassen“, sagte ein Sprecher von Check24. Das bestätigt auch Konkurrent Verivox – mit Einschränkungen. „Wir haben aktuell die Vergleichskriterien überprüft, die die Finanzaufsicht Bafin für den Erwerb des Zertifikats vorgegeben hat.

Auf dieser Basis erweitern wir unsere Datenbank um Kriterien wie die Kosten für Überweisungen und Daueraufträge und Angaben zu den Geldautomaten“, sagte ein Sprecher. Ob Verivox allerdings ein Zertifikat erwerbe, hänge davon ab, wie die Vergleichskriterien konkret umzusetzen seien.

„Für uns ist entscheidend, dass ein Rechner für Verbraucher einfach zu bedienen ist und schnell ein übersichtliches Ergebnis auf Basis der wichtigsten Kriterien bringt“, erklärt der Verivox-Sprecher.

Das Portal Finanzcheck hat sich ebenfalls nach eigener Aussage noch nicht entschieden, ob es sich zertifizieren lässt.

Unterm Strich hofft die Bundesregierung, dass dieses Angebot es Verbrauchern leichter macht, ein für sie passendes Girokonto zu finden. „Außerdem werden sie helfen, den Wettbewerb um kundenfreundliche Bankdienstleistungen zusätzlich anzukurbeln“, ist man im Verbraucherministerium überzeugt.

Denn die entsprechenden Voraussetzungen für einen problemlosen Kontowechsel hat der Gesetzgeber bereits geschaffen. Der vollständige Kontowechsel muss innerhalb von zwölf Tagen vollzogen sein. Sofern der Kunde grünes Licht gibt, müssen die Banken die entsprechenden Zahlungsdaten austauschen.

Bislang gilt die Wechselbereitschaft der Bankkunden aber als übersichtlich. Aus Sicht der Bafin ist das verständlich: „Wie soll ich herausfinden, welches Zahlungskonto am besten für mich geeignet ist, wenn ich mir keinen Überblick über den Markt verschaffen kann?“

Transparenz über die Kosten sei daher entscheidend für die Wechselbereitschaft. Das, so heißt es bei der Bafin, habe man auch schon im Telekommunikations- und Energiemarkt gesehen.

Mehr: Gebühren zahlen für die Nutzung eines Girokontos muss nicht sein. Ein Wechsel kann sich lohnen, zeigt eine Auswertung der FMH-Finanzberatung.

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