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Gleichberechtigung Warum Frauen noch immer keine Karriere in der Finanzbranche machen

Nur wenigen Frauen schaffen es an die Spitze großer Finanzkonzerne. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie eine Studie zeigt.
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Berufsanfängerinnen gibt es viele. Allerdings schaffen es nur wenige in Führungspositionen. Quelle: dpa
Ungleichgewicht

Berufsanfängerinnen gibt es viele. Allerdings schaffen es nur wenige in Führungspositionen.

(Foto: dpa)

Evi Vogel, Petra Pflaum und Britta Weidenbach sind Ausnahmen. Die Deutschlandchefin des französischen Fondsanbieters Amundi und die Co-Chefinnen für europäische Aktien bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS gehören zu den wenigen weiblichen Führungskräften in der männerdominierten Branche der Vermögensverwalter in Deutschland.

Generell gelangen in der Fondsbranche noch immer kaum Frauen in Kern- und Führungspositionen. Eine Umfrage unter 17 deutschen und internationalen Fondsanbietern, durchgeführt von KPMG und dem Karrierenetzwerk Fondsfrauen, forscht nach den Gründen dafür. Ergebnis: Es mangelt nicht an geeigneten weiblichen Bewerbern. Das Problem sind mangelnde Förderung und alte Vorurteile gegen Frauen in der Finanzbranche.

Dabei stellen Frauen inzwischen einen recht hohen Anteil der Berufsanfänger bei den Fondsgesellschaften. Doch irgendwann bricht die Karriere bei vielen ab. Der Umfrage zufolge machen Frauen immerhin knapp 44 Prozent aller Berufsanfänger aus, und das obwohl zwei Drittel der Bewerber Männer sind.

In der Geschäftsführung der Fonds liegt der Frauenanteil allerdings bislang immer noch bei mageren 16 Prozent, was aber immer noch fünf Prozentpunkte mehr sind als noch vor drei Jahren. „Es geht in die richtige Richtung, reicht aber längst nicht aus“, lautet denn auch das Fazit von Anne Connelly, Gründerin der Initiative Fondsfrauen.

Weltweites Problem

Das Thema betrifft die gesamte Finanzbranche, nicht nur in Deutschland: Auch in den US-Finanzhäusern sind Frauen an der Unternehmensspitze deutlich unterrepräsentiert: Nur 19 Prozent der Vorstände sind weiblich. In der Branche generell sind es 22 Prozent, wie aus einer Studie von McKinsey und LeanIn hervorgeht, für die 39 globale Finanzfirmen aus den USA analysiert wurden. Frauen würden auf allen Stufen seltener befördert als Männer.

Unter den befragten Mitarbeiterinnen glaubt über die Hälfte, wegen ihres Geschlechts im Laufe ihrer Karriere schlechtere Chancen gehabt zu haben. Bei den Männern denken dies dagegen nur zehn Prozent. „Eine Karriere im Finanzbereich fühlt sich für Frauen nicht gut an“, stellt Margo Cook vom Vermögensverwalter Nuveen klar.

„Das Thema ist nicht neu, und dennoch wird es noch eine ganze Weile brauchen, bis Frauen in der Finanzindustrie vermehrt in Führungspositionen rücken“, sagt Marie-Claude Nadeau, Partnerin und eine der Autorinnen der Studie. Fast alle der befragten Institute hätten das klar formulierte Ziel, Diversität zu fördern. Doch nur jeder zweite Mitarbeiter würde dem auch tatsächlich zustimmen. Dabei sei der geschäftliche Anreiz eigentlich längst klar. „Studien haben gezeigt, dass gemischte Teams besser performen als jene, in denen es keine Diversität gibt“, stellt Nadeau klar.

Die Branche müsse Wege finden, um höhere Positionen für weibliche Mitarbeiter attraktiv zu machen. Nur 26 Prozent der Frauen würden eine Position im Topmanagement anstreben, heißt es in der McKinsey-Studie. Bei Männern liegt der Anteil dagegen bei 40 Prozent.

Es ist ein bekanntes Phänomen. Hinter solchen Befunden steckt laut KPMG nicht die mangelnde Qualifikation von Frauen, auch wenn einige Firmen dies immer wieder angeben.

Die Umfrage zeige, dass „Frauen, die wollen, schon in die Firmen hineinkommen, dann aber offenbar nicht gefördert werden“, meint KPMG-Experte Elmar Schobel. Antworten aus der Umfrage, es gebe „Kulturunterschiede“ und „die Frauen“ hätten offenbar „andere Karriereambitionen“, interpretiert Schobel so, dass in manchen Firmen Frauen „als homogene Gruppe und nicht in ihrer Individualität“ wahrgenommen würden.

Frauen arbeiten eher im Hintergrund

Helfen könne, den Begriff Qualifikation zu „weiten“ und etwa gezielt Führungskompetenz, Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsfreudigkeit von Frauen zu fördern, meint der Berater. An fachlicher Kompetenz fehle es dagegen nicht. Die KPMG-Umfrage wirft ein Schlaglicht auf ein wichtiges Hindernis auf der Karriereleiter: In den Kernsparten der Fondsbranche sind Frauen deutlich unterrepräsentiert.

Im Handel arbeiten gerade einmal 17 Prozent Frauen, im Vertrieb, im Fondsmanagement und in der IT rund ein Viertel. In den Bereichen, die „Katalysator für Karrieren sein können“, seien wenige Frauen, moniert Schobel. Die weiblichen Mitarbeiter arbeiteten eher im Hintergrund, zum Beispiel in Bereichen wie Personal, Marketing, Buchhaltung oder Controlling.

Insgesamt erkennt KPMG zwar eine „neue Intensität“ in der Debatte um Gleichstellung, Repräsentation und Frauenrechte. Doch an der Umsetzung hapert es offenbar: 2017 stellte die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock bei sich in Großbritannien eine Gehaltslücke von Frauen gegenüber Männern von mehr als einem Fünftel fest. Bei den Boni lag das Gefälle sogar bei über 60 Prozent.

Dabei könnten es sich die Firmen eigentlich „nicht leisten, auf das Potenzial von Frauen zu verzichten“, resümiert KPMG-Experte Schobel. Untersuchungen zeigen, dass sich der Aktienkurs von Unternehmen mit einer nach Geschlechtern ausgewogenen Mitarbeiterstruktur messbar besser entwickelt.

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