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Goldman Sachs Die Dealmacher

1990 ist ein besonderes Jahr: Die beiden Teile Deutschlands finden wieder zusammen. Tausende Menschen feiern in der Nacht zum 3. Oktober vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die Wiedervereinigung. Für Goldman Sachs gibt es im gleichen Monat ebenfalls Grund zum Feiern. Die US-Investmentbank eröffnet ihre Niederlassung in Frankfurt. Vom 21. Stock des Frankfurter Messeturms aus spinnt sie ihre Fäden in Corporate Germany. Goldman wittert ein großes Geschäft nach dem Fall der Mauer.

HB FRANKFURT. Der Erfolg gibt Goldman Sachs recht. Heute fliegt der ehemalige Spitzen-Footballspieler (Spitzname: Hammer) und heutige Konzernchef Henry Paulson regelmäßig an den Main, um von hier aus die wichtigsten Kunden zu besuchen. Aus gutem Grund zeigt „Hank“ Flagge: Für ihn „haben viele deutsche Unternehmen die letzten Jahre genutzt und sind wettbewerbsfähiger geworden, was ihren Investitionen im Inland zugute kommen wird“. Das verspricht attraktive Deals mit Daimler-Chrysler, Deutsche Telekom & Co.

Bereits in diesem Jahr erwartet Marco Illy, Deutschlandchef von Credit Suisse First Boston, einen Gebührentopf von rund zwei Mrd. Euro, der unter den Investmentbanken verteilt wird. Daraus löffelt sich Goldman Sachs Jahr für Jahr seinen Teller randvoll. Denn bei den weit beachteten Rennlisten der Banken zu Fusionen (Mergers & Akquisitions, M&A) und Übernahmen sowie Aktienemissionen kommt es regelmäßig zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der deutschen Macht am Main – der Deutschen Bank.

Dass Deutschland auch im innersten Führungszirkel von Goldman Sachs einen hohen Stellenwert hat, zeigt die Anzahl der Partner mit deutscher Staatsbürgerschaft. Während es jahrelang nur einer war, machen sich heute neun unter den 320 Partnern weltweit breit. Und viele deutsche Talente wie Anna-Lena Wetzel oder André Kelleners besitzen gute Chancen, ins Machtzentrum aufzusteigen. Sie arbeiten als Associate oder Vice-President in unterschiedlichen Bereichen des Instituts. Alle Wetzels und Kelleners’ haben den ehemaligen Vorstandschef Sidney Weinberg vor Augen: Er wurde Anfang des Jahrhunderts als Hilfe des Portiers eingestellt. Mit harter Arbeit schaffte es Weinberg bis an die Spitze bei Goldman Sachs.

Aber auch die vielen Talente können nicht über den harten Wettbewerb in Deutschland hinwegtäuschen. „Das Endspiel unter den Investmentbanken in Europa ist zwar angepfiffen, aber noch lange nicht entschieden“, sagt Alexander Dibelius, Chef von Goldman Sachs in Frankfurt. Das gelte insbesondere für Deutschland. Bei prestigeträchtigen Mandaten von Unternehmen sind deshalb einzelne Banken bereit, für nicht kostendeckende Gebühren zu arbeiten. Die Geschäfte links liegen zu lassen, kann sich kein Institut leisten, da das Investment-Banking immer noch die Basis für viele weitere Transaktionen ist. Deshalb rüsten Banken wie Lehman Brothers und Merrill Lynch in Deutschland auf. Sie werben immer wieder hochkarätige Banker von Goldman Sachs ab, was das Institut bislang gut wegsteckte. Das gilt etwa für Christian Meisner und Jerry McConnell oder aber Holger Bross. Sie sind bei Goldman groß geworden und lenken heute die Geschicke von Lehman Brothers und Merrill Lynch.

Fast vergessen ist das Krisenjahr 2002, als es Dibelius nur durch seinen guten Draht zur mächtigen Goldman-Zentrale in New York gelang, tiefe Einschnitte in Frankfurt zu verhindern, während viele andere Investmentbanken massiv Personal abbauten. Heute arbeiten wieder 350 Mitarbeiter bei Goldman Sachs. Außerdem gelang Dibelius das Kunststück, die Selbstständigkeit Frankfurts gegenüber den Kollegen in der Finanzmetropole London zu behaupten.

Ein Glück für Goldman, denn Dibelius, der Liebhaber rasanter Autos, gibt auch geschäftlich ordentlich Gas. Inzwischen steht Deutschland als wichtigster Markt für die Investmentbank in der Poleposition in Europa – vor Großbritannien. Das verschafft den Frankfurtern Spielraum – einen Spielraum, den sie als Versuchslabor für die Gruppe weidlich ausnutzen. Das jüngste Beispiel: In Deutschland legte die Bank Aktien-, Anleihegeschäft und gleichzeitig die Führung mit den Partnern Philip Holzer und Peter Hollmann zusammen. Durch die breitere Produktpalette aus einer Hand erhoffen sich die Goldmänner noch mehr Geschäft.

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