Lloyd Blankfein Goldman Sachs sucht andere Kunden

Bankchef Lloyd Blankfein räumt ein, dass sein Haus zu abhängig vom Geschäft mit Hedgefonds ist. Jetzt möchte er stärker auf andere Unternehmenskunden zugehen. Ein mehrstufiger Wandel bahnt sich an.
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Die Investmentbank macht derzeit einen mehrstufigen Wandel durch. Quelle: Reuters
Goldman Sachs

Die Investmentbank macht derzeit einen mehrstufigen Wandel durch.

(Foto: Reuters)

New YorkDer Name „Goldman Sachs“ stand lange Zeit für außerordentlichen Erfolg an den Kapitalmärkten. Doch nach den letzten beiden Quartalsergebnissen hat sich das geändert. Der langjährige Bankchef Lloyd Blankfein, der sein Haus sicher durch die Finanzkrise geführt hat, muss in US-Medien Schlagzeilen lesen, nach denen er an den Märkten schlechter abgeschnitten hat als alle wichtigen Konkurrenten. Besonders auffällig war zuletzt ein Einbruch von rund 40 Prozent im wichtigen Bereich Zinspapiere, Rohstoffe und Devisen (abgekürzt FICC).

Die gute Nachricht ist: Blankfein will das Problem mit aller Kraft angehen. „Wir wissen, was wir zu tun haben, und wir tun es“, sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV, das ihn deutlich nervöser zeigt als bei früheren öffentlichen Auftritten. Als wichtigen Grund für das vergleichsweise schlechte Abschneiden nennt er, dass Goldman als Investmentbank relativ viel Geschäft mit Kunden macht, „die sehr aktiv handeln, wie Hedgefonds“. Andere große Banken mit Schwerpunkt auf das traditionelle Bankgeschäft haben dagegen mehr klassische Unternehmenskunden. „Wir hätten verhindern müssen, dass uns das aus der Balance gerät“, sagt Blankfein, und betont: „Wir bringen das in Ordnung.“

Ein anderes, bereits bekanntes Problem bei Goldman ist, dass die Investmentbank nach wie vor stark im Rohstoffbereich engagiert ist, der zurzeit schlecht läuft. Hier möchte Blankfein aber durchhalten. Er sieht Rohstoffe als zyklisches Geschäft, das in Zukunft voraussichtlich wieder besser läuft.

Unabhängig von dem Interview ist zu hören, dass sich die Bank intern intensiv mit ihren Problemen beschäftigt. Dabei spielt offenbar die Frage eine Rolle, wie sie mit ihren Kunden umgeht. Ein Schwenk zu mehr Service, stärkerem Eingehen auf Kundenwünsche bahnt sich offenbar an. Das würde dazu passen, dass Goldman Kunden im Unternehmensbereich außerhalb der Hedgefonds-Szene sucht.

Die Mächtigen von Goldman Sachs
Gary Cohn
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Wer es an die Spitze von Goldman Sachs schafft, hat als Banker kaum noch Luft zur Karriere-Verbesserung. Der nächste logische Schritt? Die Politik. Diesen Weg geht nun Gary Cohn, die Vize-Chef der US-Investmentbank. Donald Trump hat ihn zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater ernannt. Cohn wird fortan den Nationalen Wirtschaftsrat („National Economic Council”) leiten. Übrigens ist er nicht der einzige Goldjunge, dem Donald Trump die Türen in die Politik öffnete.

Steve Mnuchin
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Der designierte Finanzminister der Trump-Regierung ist Steve Mnuchin. Er arbeitete 17 Jahre lang bei Goldman Sachs. Anschließend leitete er einen Hedgefonds. Die Investmentbank scheint ein solides Karrieretreppchen für künftige Finanzminister zu sein – Mnuchin ist der dritte Goldjunge, der seit den Neunzigern für den Job berufen wurde. Bill Clinton hatte Robert Rubin berufen, George W. Bush sich für Hank Paulson entschieden.

Steve Bannon
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Als rechter Hardliner machte sich Steve Bannon einen Namen. Seine Internetseite „Breitbart” gibt Ultrarechten eine Meinungsplattform. Sein Kommunikationstalent kam dem ehemaligen Goldman-Banker zugute – als Wahlkampfstratege verhalf er Trump zum Sieg. Im Januar 2917 wurde er Chef-Berater Trumps, hat seitdem aber mit einigem Machtverlust zu kämpfen.

Jose Manuel Barroso
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Ein Wechsel geht auch in die umgekehrte Richtung, wie der Fall des EU-Politikers Jose Manuel Barroso zeigt. Der frühere Präsident der Europäischen Kommission wird „Non-Executive Chairman“ bei der in London sitzenden Tochter Goldman Sachs International. Seine Funktion: Er soll dem Elite-Geldhaus bei der Beratung von Kunden helfen.

Anders Fogh Rasmussen
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Vor Barroso machte ein der hochrangigsten Sicherheitspolitiker des Westens die gleiche berufliche Umorientierung: Anders Fogh Rasmussen. Erst dänischer Regierungschef, dann bis 2014 Generalsekretär der Nato. Auch er ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Personalrochaden bei der amerikanischen Bank in beide Richtungen gehen. Rasmussen arbeitet als Berater für Goldman Sachs.

Robert Zoellick
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Robert Zoellick ist Träger des Bundesverdienstkreuzes: Als Mitarbeiter des US-Außenministeriums war er Chefunterhändler der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung. Später arbeitete er unter anderem im Weißen Haus, bei der staatlichen Immobilienbank Fannie Mae und als Berater für die Investmentbank Goldman Sachs.

Unter US-Präsident George W. Bush kümmerte er sich um die Positionen der Regierung zum Welthandel und trat 2006 wieder in die Dienste von Goldman Sachs. Von Mitte 2007 bis Ende 2012 war er dann Präsident der Weltbank. Im Oktober 2013 gab Goldman Sachs bekannt, dass Zoellick Vorsitzender des internationalen Berater-Direktoriums der Bank werde. Das Gremium sondiere für Goldman-Kunden weltweit Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten.

Mario Draghi
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Als Chef der Europäischen Zentralbank hat der Italiener Mario Draghi den Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Draghi hat eine lange Laufbahn als Geldverwalter hinter sich. Von 2006 bis 2011 war er Chef der italienischen Notenbank Banca d'Italia. Auch bei Goldman Sachs brachte er es weit: Von 2002 bis 2005 war er Vizepräsident bei Goldman Sachs in London. Er war damit Partner und hielt Aktien der Bank.

Letztlich macht die Investmentbank so einen mehrstufigen Wandel durch. Während früher der Eigenhandel am Kapitalmarkt eine große Rolle spielte, ist er nach den Erfahrungen der Finanzkrise und durch die darauffolgenden strengeren Auflagen deutlich eingeschränkt worden. Danach stand offenbar das Geschäft mit Hedgefonds im Mittelpunkt, die zum Teil das Handelsgeschäft übernommen haben, aus dem die Investmentbanken sich zurückzogen. Der nächste Schritt zu einer breiten Unternehmenskundschaft macht Goldman noch ein Stück mehr zu einer traditionellen Bank. Aber in dem Bereich konkurriert Blankfein mit sehr großen Häusern wie JP Morgan oder Bank of America, die eine breite Angebotspalette für Unternehmen und starke Bilanzen haben.

Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting leiden Hedgefonds mit liquiden Anlagen – also solche, die aktiv handeln – besonders stark unter dem Abfluss von Kundengeld. Das strahlt auch auf andere Branchen aus. So ist zum Beispiel zu hören, dass der Informations-Anbieter Bloomberg mit seinen Produkten speziell für Hedgefonds schon im vergangenen Jahr eine schwierige Zeit durchgemacht hat.

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