Goldman Sachs

Die Steuerreform von US-Präsident Trump treibt die Zahlen der Wall-Street-Größe in die rote Zone.

(Foto: Reuters)

Goldman Sachs und Bank of America US-Steuerreform sorgt für Milliardenverluste

Die US-Geldhäuser bekommen die Auswirkungen der Steuerreform zu spüren. Goldman Sachs macht Verluste, die Bank of Amerika meldet einen Gewinneinbruch. Doch das sind nur Einmaleffekte, die starke Ergebnisse verwässern.
Update: 17.01.2018 - 20:16 Uhr Kommentieren

New YorkGoldman Sachs kehrt zurück zu den Wurzeln. Das klassische Investmentbanking-Geschäft lief im vierten Quartal so gut wie lange nicht mehr. Die Erträge stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 44 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Das Geschäft wurde vor allem von Beratungen rund um Fusionen und Übernahmen getrieben, Anleiheemissionen und Sekundärplatzierungen von Aktien. Das Geschäft mit Börsengängen, vor allem aus dem Silicon Valley, auf das Goldman große Hoffnungen gesetzt hatte, blieb dagegen eher mau. Aufs Jahr gesehen erzielte Goldman einen Ertrag von 7,4 Milliarden Dollar in dieser Sparte – die zweithöchsten der Unternehmensgeschichte, wie die Bank am Donnerstag bekanntgab.

Doch die Ergebnisse zeigen auch eine tiefe Diskrepanz bei der erfolgsverwöhnten Bank. Denn die wichtigen Umsätze aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen brachen von Oktober bis Dezember um 50 Prozent auf eine Milliarde Dollar ein. Das ist der tiefste Stand seit der Finanzkrise und auch ein deutlich größerer Rückgang als bei den anderen Großbanken. „Das wirft die Frage auf, ob es hier ein strukturelles Problem gibt“, sagte Bankenanalyst Gerard Cassidy von RBC Capital Markets.

Bei der Bank of America lag der Rückgang im Anleihehandel bei 13 Prozent. Die Investmentbank Morgan Stanley legt am Donnerstag ihre Zahlen vor. Der Rohstoff-Handel hatte Chavez zufolge ein besonders schlechtes Quartal und ist bei Goldman noch stärker ausgeprägt als bei der Konkurrenz. Alle Banken leiden unter der schwachen Volatilität. Der Vergleich zum vierten Quartal 2016 ist zudem besonders hart, da die Märkte damals nach der US-Präsidentschaftswahl besonders unruhig waren.

Der Anleihe-Handel war einst die Gewinnmaschine der New Yorker Bank. Goldman hat in der Vergangenheit bereits die Zahl der Händler reduziert und Boni gestutzt. Die Bank habe eine große Initiative gestartet, um das Geschäft zu beleben, versicherte Finanzchef Martin Chavez. Lange habe sich die Bank beim Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen vor allem auf Hedgefonds-Kunden konzentriert. Nun baut Goldman auch verstärkt Beziehungen zu Vermögensverwaltern, Banken und Versicherungen auf. „Das Feedback der Kunden ist positiv“, betonte Chavez.

Analysen sind jedoch skeptisch. „Goldman hat offensichtlich beste Drähte zu den CEOs und zum Top-Management, sonst wäre das Investmentbanking nicht so stark“, sagte Wells-Fargo-Analyst Mike Mayo. „Warum schafft es die Bank nicht, diese Beziehungen für ihr Handelsgeschäft zu nutzen?“ Analyst Cassidy gibt zu bedenken, dass es lange dauern wird, um neue Kunden von anderen Instituten abzuwerben.

Steuerreform vermiest Bank of Amerika einen Rekordgewinn

Goldman hat im vergangenen Jahr einen Zukunftsplan vorgelegt, um zusätzlich Erträge in Höhe von fünf Milliarden Dollar zu generieren. Ein Teil davon ist auch die Online-Bank Marcus, die Verbrauchern unkompliziert Kredite vermittelt und für Einlagen höhere Zinsen bietet als viele anderen Banken. Marcus wächst stetig. 2017 vergab die Einheit mehr als zwei Milliarden Dollar an Krediten und hält Einlagen von mehr als fünf Milliarden Dollar.

Insgesamt meldete die Goldman Sachs einen Quartalsverlust von 1,9 Milliarden Dollar. Doch wegen der Steuerreform waren Belastungen von 4,4 Milliarden Dollar fällig. Ohne die Steuerreform, so rechnete das New Yorker Geldhaus am Mittwoch vor, wäre das Ergebnis in etwa stabil geblieben. Immerhin: Die Bank meldete für das Gesamtjahr ein Ertragsplus von fünf Prozent auf 32,1 Milliarden Dollar. Der Gewinn bröckelte von 7,4 Milliarden auf 4,3 Milliarden Dollar ab.

Die Steuerreform von US-Präsident Trump treibt die Zahlen der Wall-Street-Größe in die rote Zone. Quelle: Reuters
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Die Steuerreform von US-Präsident Trump treibt die Zahlen der Wall-Street-Größe in die rote Zone.

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Die Bank of America musste im vierten Quartal einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte auf 2,4 Milliarden Dollar verbuchen. Auch hier ist der Rückgang auf die Steuerreform zurückzuführen, die die Banken in diesem Quartal auf zwei Arten belastete. Zum einen müssen Verlustvorträge nach unten angepasst werden. Zum anderen werden ausländische Gewinne einmalig besteuert. Für die Bank aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina lag die Belastung durch die Reform bei 2,9 Milliarden Dollar.

Vor allem das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung hatten ein gutes Quartal. Die Erträge lagen bei 20,4 Milliarden Dollar, leicht höher als ein Jahr zuvor. Doch sowohl Goldman als auch die Bank of America mussten Kredite des deutsch-südafrikanischen Möbelherstellers Steinhoff abschreiben. Bei Goldman waren es 130 Millionen Dollar, bei der Bank of America waren es 292 Millionen Dollar. Für das Jahr 2017 hätte die Bank of Amerika ohne die Steuerreform sogar einen Rekordgewinn von 21,1 Milliarden Dollar verbuchen können, der auf dem gleichen Niveau mit dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2006 gelegen hätte.

Deswegen hat Bankchef Brian Moynihan hat bereits Ende Dezember einen Sonderbonus von 1000 Dollar für rund 150.000 Mitarbeiter angekündigt. Alle künftigen Ersparnisse durch die Steuerreform sollen nun den Aktionären zu Gute kommen, vor allem in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden. Die Bank hatte nach der Finanzkrise lange Zeit mit den Aufräumarbeiten und den damit verbundenen Rechtskosten zu tun. Nun scheint das zweitgrößte Finanzinstitut des Landes jedoch weitgehend Ordnung geschafft zu haben. Doch die Aktionäre zeigten sich nach der Offenlegung der Zahlen skeptisch: Die Goldman-Aktie lag im frühen New Yorker Handel rund drei Prozent im Minus, während die Aktie der Bank of America um gut zwei Prozent nachgab.

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