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Griechenland Die Bankensanierung ist für Athen komplizierter als gedacht

Die griechische Regierung ist unsicher, wie sie die angeschlagenen Institute stützen soll. Es muss aber schnell gehen. Die Zeit drängt.
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Die Anleger fürchten, dass die Bereinigung der Kreditbücher die ohnehin schmalen Gewinne aufzehrt und neue Kapitalspritzen erfordert. Quelle: obs
Akropolis in Athen

Die Anleger fürchten, dass die Bereinigung der Kreditbücher die ohnehin schmalen Gewinne aufzehrt und neue Kapitalspritzen erfordert.

(Foto: obs)

Athen„Noch ist es ein kleines Feuer, aber wenn wir es nicht rasch löschen, könnte daraus ein Flächenbrand werden.“ So beschreibt ein griechischer Banker die Situation seiner Branche. Nicht nur in den Chefetagen der Geldinstitute herrscht Nervosität, auch die Anleger sind verunsichert.

Sie werfen griechische Bankaktien in großem Stil aus den Depots. Der Athener Bankenindex FTSEB verlor in den vergangenen vier Wochen 18 Prozent. Der Branchenführer Piraeus Bank erlitt sogar einen Kursverlust von 40 Prozent. Grund des Ausverkaufs: Sorgen wegen immenser Kreditrisiken – und die Furcht der Anleger, dass die Bereinigung der Kreditbücher die ohnehin schmalen Gewinne aufzehrt und neue Kapitalspritzen erfordert.

Die griechische Regierung kündigte zwar vor zwei Wochen nach einem Krisentreffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras einen „Interventionsplan“ zur Stützung der Banken an, hüllt sich aber seither in Schweigen. Experten des staatlichen Banken-Stabilitätsfonds HFSF arbeiten an einem Rettungskonzept, heißt es in der Branche. „Aber die Rechtslage ist komplizierter und die Abstimmung mit den europäischen Institutionen zeitraubender, als die Regierung zunächst angenommen hatte“, sagt ein Banker.

Ein Berg fauler Kredite

Die Institute stehen nach achtjähriger Rezession vor einem Riesenberg fauler Kredite. Fast 48 Prozent aller ausgereichten Darlehen werden nicht mehr bedient oder gelten als ausfallgefährdet. Nur etwa die Hälfte dieser notleidenden Forderungen (NPEs) ist durch Rückstellungen gedeckt.

Mit der Euro-Bankenaufsicht SSM arbeiten die Institute jetzt an Plänen für einen beschleunigten Abbau der Problemkredite. Sie wollen mit Abschreibungen, Zwangsversteigerungen und Verkäufen notleidender Darlehen die NPEs bis Ende 2021 um rund 60 Prozent reduzieren. Offen ist, wie viel Eigenkapital die Banken dafür verbrennen müssen.

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Die Ertragslage der Institute ist schlecht. Sie geben wegen der Liquiditätsprobleme kaum neue Darlehen aus und verdienen deshalb im Zinsgeschäft immer weniger. Das bremst die Konjunktur und erschwert den Abbau der Problemkredite – ein Teufelskreis.

Zwar sind die vier systemischen Banken mit Kernkapitalquoten (Tier 1) von im Schnitt knapp 16 Prozent auf den ersten Blick gut kapitalisiert. Jedoch entfällt ein Großteil dieses Eigenkapitals auf Steuergutschriften aus Verlustvorträgen – eine von der Europäischen Zentralbank geduldete, nicht unumstrittene Praxis. Bei der Alpha Bank machen diese Steuergutschriften 53 Prozent des Eigenkapitals aus, bei Piraeus sogar 99 Prozent.

Seit Beginn der Krise wurden die vier großen Banken bereits dreimal rekapitalisiert, zuletzt Ende 2015 mit 13,7 Milliarden Euro. 8,4 Milliarden Euro kamen vom Stabilitätsfonds HFSF, 5,3 Milliarden von privaten Investoren. Sie stehen vor massiven Buchverlusten: Seit der letzten Rekapitalisierung hat der Bankenindex bereits wieder rund 80 Prozent verloren.

Ob private Investoren vor diesem Hintergrund erneut Kapital nachschießen, ist fraglich. Auch die Regierung möchte eine Kapitalerhöhung vermeiden. Sie würde das Narrativ vom „sauberen Exit“ aus dem Hilfsprogramm stören, Investoren verunsichern und die Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt erschweren.

Der HFSF sucht daher nach Wegen, den Banken beim beschleunigten Abbau der Problemkredite zu helfen. Im Gespräch sind staatliche Garantien, die die Institute bei der Verbriefung notleidender Kredite unterstützen könnten. So würden die Bilanzen entlastet.

Dafür ist allerdings die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter erforderlich, die prüfen müssen, ob es sich dabei um unzulässige Staatshilfen handelt. Das ist nicht die einzige Hürde. Für die Bürgschaften könnte der Staat auf den Liquiditätspuffer des Finanzministers zurückgreifen.

Das wirft aber neue Probleme auf. Diese Rücklage in Höhe von rund 24 Milliarden Euro soll dazu dienen, Griechenland nach dem Ende des Hilfsprogramms eine Refinanzierung zu ermöglichen, auch wenn das Land – wie derzeit – noch keinen Zugang zum Kapitalmarkt hat. Über diese Reserve, die größtenteils aus Hilfskrediten gebildet wurde, kann die Regierung allerdings nur in Absprache mit dem Euro-Stabilitätsfonds ESM verfügen. Das erfordert die Zustimmung der Euro-Finanzminister als oberste Aufseher des ESM.

Selbst wenn sie zustimmen, wäre ein Rückgriff auf das Liquiditätspolster für die Bankenstützung problematisch. Erstens ist fraglich, was solche Bürgschaften des Staates für faule Bankkredite aus Sicht der Finanzmärkte überhaupt wert wären, wo doch Griechenlands Bonität tief im Ramschbereich angesiedelt ist. Zweitens dürfte es die Rückkehr an den Markt erschweren, wenn die Regierung nun Mittel aus der Rücklage anderweitig bindet.

Ohnehin läuft der Ausstieg aus dem Hilfsprogramm keineswegs so reibungslos, wie sich Premier Tsipras das vorgestellt hatte. Noch im Januar lag die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe mit 3,64 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Während des jüngsten Ausverkaufs der Bankaktien stieg die Rendite zeitweilig auf fast 4,7 Prozent. Das zeigt: Geraten die Banken an der Akropolis ins Wanken, wird die griechische Staatsschuldenkrise wieder virulent.

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