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Griechenland „Projekt Herkules“ soll griechische Banken stärken

Die neue Regierung in Athen will mit staatlichen Garantien die Verbriefung fauler Kredite erleichtern und das Eigenkapital der Banken schonen.
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Die National Bank of Greece plant eine Reduzierung der faulen Kredite von 13,7 auf 4,3 Milliarden. Quelle: Reuters
Bank of Greece

Die National Bank of Greece plant eine Reduzierung der faulen Kredite von 13,7 auf 4,3 Milliarden.

(Foto: Reuters)

Athen Es war keine appetitliche Aufgabe, die König Eurystheus seinem Neffen Herkules stellte: Er sollte die seit drei Jahrzehnten nicht mehr gereinigten Rinderställe des Augias ausmisten – binnen eines einzigen Tages. Der Sagenheld entledigte sich des Auftrags, indem er kurzerhand den Fluss Alphios durch die Rinderbehausung leitete und so die Augiasställe säuberte.

„Projekt Herkules“ taufte der griechische Finanzminister Christos Staikouras jetzt jenen Plan, mit dem der Staat den Banken helfen will, ihre Bilanzen zu bereinigen. Die Institute sitzen als Folge der achtjährigen Rezession auf einem riesen Berg fauler Kredite. Die Summe der nicht mehr bedienten und akut ausfallgefährdeten Forderungen (NPE) belief sich Ende Juni auf 78,8 Milliarden Euro. Das entsprach 43 Prozent aller ausgereichten Kredite. Der Abbau der Kreditrisiken gilt als Voraussetzung für die Stabilisierung der vier systemischen griechischen Banken und als Schlüssel für die Rückkehr der griechischen Wirtschaft zu einem nachhaltigen Wachstum. „Unser Ziel ist, die Banken erneut als Wachstumsinstrumente zu etablieren, die Haushalte und Unternehmen finanzieren“, erklärte Finanzminister Staikouras kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt.

Dabei, so Staikouras, soll eine „systemische Lösung zum Abbau der Problemkredite“ helfen. Den Plan hat Vize-Finanzminister Giorgos Zavvos in enger Zusammenarbeit mit den Banken, dem griechischen Bankenrettungsfonds HFSF, der europäischen Bankenaufsicht SSM und der EU-Wettbewerbsbehörde (DG Comp) ausgearbeitet. Er sieht vor, dass die Banken notleidende Forderungen verbriefen und in ein sogenanntes Asset Protection Scheme (APS) überführen.

Das APS fungiert als eine Art Risikoabsicherung. Dazu stellt der Staat Bürgschaften bereit, um einen Teil der verbrieften Forderungen, nämlich die vorrangigen Papiere, zu unterlegen. Im Gespräch ist eine Garantiesumme in der Größenordnung von zehn Milliarden Euro. Die staatlich garantierten Forderungen könnten auf diese Weise in den Bank-Bilanzen verbleiben. Damit soll die Kapitalisierung der Institute gestärkt werden. Für die Bürgschaften kann der Staat auf einen Kapitalpuffer von nahezu 40 Milliarden Euro zurückgreifen, der im vergangenen Jahr zum Abschluss des Hilfsprogramms aus nicht abgerufenen Hilfskrediten und eigenen Rücklagen gebildet wurde.

Der „Herkules“-Plan ähnelt dem Verfahren, mit dem die italienischen Banken in den vergangenen Jahren ihre Kreditrisiken erfolgreich reduzieren konnten. Das Konzept liegt nun den EU-Wettbewerbshütern zur Prüfung vor. Sie müssen entscheiden, ob es sich bei den Bürgschaften um verbotene Staatshilfen handelt, oder ob sie den Plan durchwinken.

Die seit Anfang Juli amtierende Regierung des konservativ-liberalen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis will bei der Bankensanierung Tempo machen. Offiziell werden noch keine Zahlen genannt, aber in Finanzkreisen erwartet man, dass jetzt NPEs im Volumen von 30 Milliarden Euro in das Asset Protection Scheme transferiert werden könnten. Das ginge erheblich über die noch unter der Vorgängerregierung diskutierten Pläne hinaus. Damals war von 15, später von 20 Milliarden die Rede.

Auch die Institute selbst haben ambitionierte Ziele. Innerhalb eines Tages, wie beim Sagenhelden Herkules, wird die Bereinigung der Bilanzen zwar nicht umzusetzen sein. Aber bis Ende 2021 soll die Summe der NPEs von jetzt 78,8 auf 26,5 Milliarden Euro um zwei Drittel reduziert werden. Die Eurobank will in diesem Zeitraum die faulen Kredite sogar um 76 Prozent abbauen, nämlich von 14,3 auf 3,4 Milliarden. Die National Bank of Greece plant eine Reduzierung von 13,7 auf 4,3 Milliarden, die Alpha Bank hat sich einen Abbau von 24,7 auf 7,4 Milliarden vorgenommen, was jeweils rund 70 Prozent entspricht.

Das größte Geldinstitut des Landes, die Piraeus Bank, will die notleidenden Forderungen von aktuell 26,1 Milliarden Euro bis Ende 2021 auf 11,3 Milliarden zurückführen. Die vier systemischen Banken haben in den vergangenen drei Jahren den Bestand notleidender Forderungen bereits um rund 30 Milliarden Euro reduziert. Aber Rückstellungen, Abschreibungen und der Verkauf von Forderungen an Kreditverwerter zehren am Eigenkapital. Wichtigstes Ziel des jetzt geplanten Asset Protection Scheme ist es, die Bilanzen der Banken schnell zu bereinigen, ohne dass neuer Kapitalbedarf entsteht. Die Institute mussten in den Krisenjahren 2013 bis 2015 dreimal mit insgesamt fast 51 Milliarden Euro rekapitalisiert werden.

Mehr: In Griechenland gibt es ein Ende der Kapitalkontrollen: Die griechische Regierung versucht die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren. Dafür fallen einige Beschränkungen weg – politisch ändert sich jedoch noch mehr.

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