Griechenland Talanx will nicht auf Forderungen verzichten

Der drittgrößte deutsche Versicherer, die Talanx-Gruppe, will sich nicht an dem geplanten Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen. Der Konzern begründet das mit seiner Verantwortung gegenüber den Aktionären und Kunden.
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Talanx-Zentrale in Hannover: Der Konzern will nicht auf Forderungen verzichten. Quelle: dpa

Talanx-Zentrale in Hannover: Der Konzern will nicht auf Forderungen verzichten.

(Foto: dpa)

Hannover„An der jetzt geplanten Gläubigerbeteiligung werden wir uns nicht beteiligen“, sagte Talanx-Chef Herbert Haas im Interview mit der „Welt“ vom Samstag. „Warum sollte ich freiwillig auf etwas verzichten?“ Die EU hatte mit dem Internationalen Bankenverband im Oktober einen Schuldenschnitt vereinbart, der die Pleite Griechenlands verhindern soll. Die privaten Geldgeber sollen demnach „freiwillig“ auf die Hälfte ihrer Forderungen an Griechenland verzichten. Dazu sollen die Gläubiger ihre Anleihen im Januar in neue Anleihen umtauschen. Das entspricht rund 100 Milliarden Euro.

Haas begründete seine Weigerung mit seiner Verantwortung gegenüber Aktionären und Kunden: „Es geht hier ja nicht nur um das Unternehmen und seine Eigentümer, sondern auch um unsere Lebensversicherungs-Kunden.“ Ein freiwilliger Verzicht schmälere die Verzinsung für deren Policen. „Ich würde also auf Geld verzichten, das anderen gehört.“ Er sehe aber einen „politischen Druck“ auf Unternehmen, sich am Schuldenschnitt zu beteiligen.

Talanx gehören etwa der Rückversicherer Hannover Rück oder die Versicherungen HDI-Gerling und Neue Leben. Weltweit hat die Gruppe rund 17.000 Beschäftigte. Griechische Staatsanleihen hat sie nur in einem vergleichsweise geringen Maß gekauft: Die Schuldpapiere haben einen Nominalwert von 15 Millionen Euro. Der Konzern bewertet sie aber nur noch mit sechs Millionen Euro - neun Millionen Euro hat er auf die Anleihen also abgeschrieben.

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9 Kommentare zu "Griechenland: Talanx will nicht auf Forderungen verzichten"

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  • Unsere Wirtschaft, auch und vor allem die Deutsche, ist nur durch die Verschuldung der Länder, auch Deutschlands, so stark geworden.
    Die Wirtschaft konnte nur so wachsen weil wir eine Art Madoff-system haben. In diesem Madoff-System gibt es Schuldner mit Kapitalbedarf und es gibt Gläubiger mit Kapitalüberhang, solange die Gläubiger denken sie bekommen ihr Geld zurück wächst die Wirtschaft.
    Aber zu keiner Zeit waren die Schuldner in der Lage, Deutschland auch nicht, ihre Schulden, ohne Schuldenmachen, zurückzuzahlen. Gerade das aber ist verrückt, weil jetzt Menschen mit Geldüberhang es fast nur an Deutschland leihen wollen. Dazu kommt der Dominoeffekt.
    Das ist als ob, weil es draußen regnet, einer nicht durch die Haupttür raus geht, sondern durch die Hintertür.
    Schon merkwürdig. Pleite, pleiter, am pleitesten!

  • @ Spartakus
    In dr Fankfurte Zeitung gerade gelesen, die Zahl der Selbstmorde in Griechenland soll sich, seit Beginn der Schuldenkrise, beinah um das Dreifach gestiegen sein.

  • Ein Volk wird versklavt!
    Die Exportgier der Industrieländer und deren Großkonzerne, durch Bestechung von korrupten Regierungen und Regierungsmitgliedern Griechenlands und mit der Mittäterschaft von deutschen und französischen Banken, hat zu dieser Überschuldung geführt.
    Jetzt wird ein ganzes Volk versklavt, während die Verantwortliche von Siemens, Mercedes, Krauss-Maffei, Dassault, die korrupte griechische Regierungsmitglieder und unsere Bankmanager, unbestraft, ein Leben in Luxus und Überfluss genießen können.
    Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Russland, in China, in Frankreich, in Italien und auch in der Türkei! Schaut auf dieses Volk und erkennt, daß ihr dieses Land und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt!
    Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

  • Bisweilen erlauben Wirtschaftsstatistiken nüchterne Einblicke, wer unter dem Vorwand "Eurorettung" durchgefüttert wird.
    So meldete die Bank für Int. Zahlungsausgleich (BIZ) noch bis Herbst 2009 rd. 60 Mrd. an Forderungen (scheinbar) von Schweizer Banken gegen Griechenland - bis diese "über Nacht" verschwanden.
    Die Auflösung des rätselhaften Verschwindens:
    Die Forderungen von 60 Mrd USD gegen Griechenland lagen in der Hand einer einzelnen Bank - und diese Bank war weggezogen von Genf nach Luxemburg.
    Bemerkenswert:
    Bei der Bank handelt es sich um die EFG Holding, ein Institut unter der Kontrolle der griechischen Reederfamilie Latsis.
    Beim Umzug von der einen Steueroase in die andere wurde somit ausgerechnet eine griechische Reederbank kurz entlarvt als Hauptkreditdealer des steuerlich geprellten Griechenland.
    Mit dem Wegzug aus der Schweiz entzog sich die EFG Holding der schweizer Bankenaufsicht und rückte in Luxemburg näher an die EU-Subventionstöpfe.
    In Luxemburg arbeitet die Holding ohne Banklizenz, um sich in den o.g. BIZ-Statistiken "unsichtbar" zu machen.
    Bleibt hinzuzufügen, dass zusätzlich eine Tochter der Steuernomaden eine doppelstellige Milliardenforderung gegen griechische Schuldner hält.
    Denken Sie bei der nächsten Schlaglochfahrt daran, wer da mit Ihren Steuern schadlos gehalten wird

  • Nehmen Sie den Kursteil der Zeitung in die Hand. Suchen Sie sich EU-Staatsanleihen mit doppelstelligen Rendite heraus. Sollten Sie selbst mittellos und eine Bank sein, dann klingeln Sie bei der Notenbank an. Tanken Sie dort Wertpapierkredit zu Zinssätzen unterhalb der Inflation. Mit diesem Geld erwerben Sie nun die gewünschten Junk-Bonds. Wenn der dubiose Schuldner zahlt, streichen Sie die lächelnd die geschenkte Marge ein. Fällt der Schuldner aus, schreien Sie "Der Euro fällt auseinander" - das ist der Merkelcode für Ihre Forderung, dass die Allgemeinheit Ihnen und den anderen Gläubigern ohne jeden Abzug Einsatz und Zins erstattet... damit Sie nicht das "Vertrauen" verlieren in die aktuelle Herrschaftsform.

  • Da gebe ich Ihnen Recht, jedoch wäre Aufgabe der Politik gewesen zu verhindern, das die Verluste solidarisiert werden. Aber packen wir uns alle an die eigene Nase, jeder will sein Geld "vermehren", aber keiner will sich an den Risiken beteiligen.

  • Wenn es so einfach wäre.
    Wer in Wertpapiere investiert weiß das es auch zum Verlust kommen kann. In der Vergangenheit sind auch Staaten immer wieder zahlungsunfähig geworden.
    Und jetzt zu sagen, ich habe falsch investiert, aber nehme die Schuld nicht auf mich und meine Mitarbeiter, sondern würde gerne diese Verluste auf die Kunden und den Steuerzahler verteilen, der macht es sich ein bisschen zu einfach.
    Banken und Versicherungen dürften wenn es nach mir geht mit ihrem Geld zocken und nicht mit Kundengeldern, denn die Gewinne werden ja auch nicht an Kunden und den Steuerzahler verteilt sondern als Boni an die eigenen MA ausgeschüttet.
    Das ist kein gerechtes System.

  • Wieso soll ein Konzern auf seine Forderungen verzichten? Damit die ganzen griechischen Beamten auf nichts verzichten müssen? Richtig so! Harte Linie gegen diese Schmarotzer.

  • In erster Linie sollte das Management die Verantwortung dafür übernehmen, das Geld überhaupt falsch investiert zu haben.

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