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Großaktionär HNA Befreiende Scheidung – was der HNA-Ausstieg für die Deutsche Bank bedeutet

Der chinesische Konzern HNA plant den Ausstieg beim deutschen Geldhaus. Aufseher und Analysten glauben, dass dies sogar mehr Stabilität bringen kann.
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Bei der Deutschen Bank ist man von den HNA-Plänen überrascht. Quelle: dpa
Zentrale der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank ist man von den HNA-Plänen überrascht.

(Foto: dpa)

Peking, Frankfurt Gerade in schwierigen Zeiten braucht man Partner, auf die man bauen kann. Deshalb stimmte Christian Sewing am vergangenen Freitag eine Eloge auf das Emirat Katar an. Die Mitglieder der Herrscherfamilie seien seit ihrem Einstieg beim größten heimischen Geldhaus vor rund vier Jahren immer ein verlässlicher Partner und Investor gewesen, der für Vertrauen und Stabilität gesorgt habe, sagte der Vorstandschef der Deutschen Bank auf einer deutsch-katarischen Konferenz in Berlin. Sewings Worte sind umso bemerkenswerter, weil am selben Tag bekannt wurde, dass ein anderer Großaktionär dem Frankfurter Geldhaus wohl abhandenkommen wird.

Nach Informationen des Handelsblatts will das chinesische Konglomerat HNA in den nächsten Monaten seinen Anteil von zuletzt 7,6 Prozent an der Deutschen Bank abstoßen. Der Staat und die Gläubiger der hochverschuldeten HNA hatten zuletzt den Druck erhöht, sich wieder auf das alte Kerngeschäft Luftfahrt und Tourismus zu konzentrieren.

Sprecher von Deutscher Bank und HNA wollten keinen Kommentar zu den Verkaufsplänen abgeben. Ein Mitarbeiter von HNA bestätigte allerdings, dass der Konzern mit dem Verkauf des Anteils beweise, dass er die Botschaft der kommunistischen Führung verstanden habe. Die Deutsche Bank sei keine schlechte Anlage, aber die Vorgaben aus Peking müssten erfüllt werden. HNA habe festgestellt, dass man zu optimistisch gewesen sei, was den Abbau der eigenen Schulden angehe.

Aufseher und Analysten glauben nicht, dass der Ausstieg des Ankeraktionärs die Sanierungsaufgabe von Vorstandschef Sewing noch schwieriger machen wird. Im Gegenteil, einige Experten gehen sogar davon aus, dass ein Exit von HNA das Frankfurter Geldhaus ein Stück weit stabiler machen würde. Eine ähnliche Einschätzung ist aus Kreisen der Bundesregierung zu hören.

Europäische Aufsichtsbehörden sehen die Beteiligung von HNA an der Deutschen Bank seit Längerem kritisch. Zu intransparent und fragwürdig konstruiert sei die Beteiligung. Dass die Chinesen ihren Anteil größtenteils über eine komplexe Derivate-Struktur finanziert hätten, habe „schon für Erstaunen gesorgt“, heißt es aus europäischen Aufsichtskreisen. Auch über den nun geplanten Ausstieg habe der chinesische Investor die Behörden nicht vorab informiert.

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Dementsprechend zurückhaltend fällt nun die Reaktion aus: „Ein Ausstieg würde natürlich kurzfristig erst einmal Unruhe stiften, aber man kann ja auch nicht sagen, dass HNA als Ankerinvestor für die Bank immer förderlich gewesen ist“, heißt es. Es habe sich längst abgezeichnet, dass HNA kein Großinvestor sei, der die Bank strategisch und kapitalmäßig habe begleiten können. Würde ein anderer, stabilerer Ankeraktionär in HNAs Fußstapfen treten, sei dies sogar „eher positiv“.

„Natürlich würde durch einen Verkauf des HNA-Anteils ein gewisser Verkaufsdruck entstehen“, warnt Analyst Thomas Hallett von Keefe, Bruyette & Woods. Allerdings sei es positiv, dass mit dem Verkaufsplan ein Schlussstrich unter „die belastete Beziehung zwischen der Bank und einem ihrer großen Aktionäre gezogen wird“. Hallett geht davon aus, dass die Investoren die Klarheit begrüßten und die Aktien nun auf einer „stabileren Basis“ gehandelt werden können.

Verhältnis gilt als belastet

Die Chinesen hatten ihre Beteiligung an der Deutschen Bank im Februar 2017 gemeldet, als der Kurs bei rund 16 Euro stand. „Wir haben vollstes Vertrauen in das Management der Bank“, erklärte der Konzern damals. HNA sehe das Geldhaus als „sehr attraktives Investment und möchte das Management dabei unterstützen, dass sich die nach wie vor hervorragende DNA und die starke Marke der Bank auch wieder in Gewinn und Aktienkurs widerspiegeln“. Auch in den Frankfurter Zwillingstürmen waren nach der tiefen Vertrauenskrise im Herbst 2016 zunächst viele froh über den Vertrauensbeweis aus Fernost.

Das Verhältnis zwischen dem neuen Großaktionär und der Bank galt dennoch schnell als belastet. Lange Zeit hatte der bis April 2018 amtierende Deutsche-Bank-Chef John Cryan ein Treffen mit Adam Tan, dem Vorstandschef von HNA, vermieden. In Finanzkreisen heißt es, dass Cryan dem größten Aktionär der Bank die kalte Schulter gezeigt habe, weil er das Engagement der Chinesen für spekulativ hielt.

„HNAs Ausstieg bei der Deutschen Bank ist nicht negativ“

Misstrauisch machte Beobachter etwa die komplizierte Beteiligungsstruktur mit zahlreichen Absicherungsgeschäften. Seither hat HNA seine Beteiligung von ursprünglich 9,9 Prozent in mehreren Schritten bereits auf 7,6 Prozent reduziert, im April allerdings versichert, dass man sich von keinen weiteren Anteilen trennen will.

Die Chinesen halten die Deutsche-Bank-Aktien über die österreichische Fondsgesellschaft C-Quadrat. Nach Informationen aus Finanzkreisen wurden sowohl die Bank als auch C-Quadrat von der Nachricht aus China überrascht. Für die Beteiligung hatte sich HNA Milliarden geliehen und sie über eine hochkomplexe Derivatestruktur mithilfe der Schweizer Großbank UBS gegen zu hohe Kursverluste abgesichert.

Wohl noch keine Verkaufsorder

Dieses Konstrukt führt dazu, dass die UBS bei Verlusten der Deutsche-Bank-Aktie entgegengesetzte Absicherungsgeschäfte auflösen muss. Diese würden sich dann auf den Aktienkurs tendenziell stützend auswirken. Allerdings gehen Fachleute davon aus, dass es bei einem Verkauf des gesamten Anteils trotzdem unter dem Strich einen – leicht – negativen Effekt auf die Aktie geben dürfte. Am Freitag fiel der Kurs der Deutschen Bank um 1,5 Prozent auf 9,62 Euro.

In Finanzkreisen hieß es, HNA habe noch keine Verkaufsorder an C-Quadrat gegeben. Das könne entweder bedeuten, dass HNA eine Erholung des schwächelnden Aktienkurses abwarten wolle. Oder aber, HNA und die chinesische Regierung erwägen, den Anteil an einen anderen chinesischen Großaktionär zu verkaufen, wie in Investorenkreisen spekuliert wird. Ein solcher Großinvestor könnte beispielsweise eine chinesische Staatsbank sein. Die Beteiligung an der Deutschen Bank war in HNA-Kreisen in der Vergangenheit immer wieder auch als politisch bedeutsame Investition bezeichnet worden.

Alexander Schütz, der Chef von C-Quadrat, sitzt auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er gilt als aktives und kritisches Mitglied im Kontrollgremium, und seine Amtszeit wurde gerade erst für fünf Jahre verlängert. Juristisch kann ihm niemand dieses Amt streitig machen, dennoch vermuten einige Großinvestoren, dass Schütz früher ausscheiden könnte, wenn HNA schnell aus der Deutschen Bank aussteigt.

Durch einen Anteilsverkauf würde „die Wahrscheinlichkeit steigen, dass auch der HNA-Vertreter im Aufsichtsrat vorzeitig seinen Hut nimmt“, heißt es bei einem Großaktionär. Dadurch würde sich der ohnehin schon rege Wechsel im Kontrollgremium weiter beschleunigen. Diese Unruhe sei nicht gut für die Bank.

Nach einem Ausstieg von HNA blieben als strategische Großaktionäre die Herrscherfamilie des Scheichtums Katar, die direkt und indirekt über Derivate knapp zehn Prozent der Aktien kontrolliert, außerdem der US-Finanzinvestor Cerberus. Im Herbst 2017 war Cerberus mit mindestens drei Prozent bei den Frankfurtern eingestiegen. Weil die Amerikaner die Deutsche Bank auch bei der Umsetzung ihrer Strategie beraten, ist ihr Anteil derzeit eingefroren, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Außerdem hält die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock laut dem Informationsdienst Bloomberg 4,4 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Dabei handelt es sich allerdings größtenteils um automatisch getätigte Investitionen von Blackrock-Fonds, die passiv Wertpapier-Indizes nachbilden, in denen die Deutsche Bank vertreten ist.

Mitarbeit: Jan Hildebrand

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