Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Großbank Citigroup-Managerin Jane Fraser steht vor ihrem größten Härtetest

Die gebürtige Schottin leitet künftig das Privatkundengeschäft der Großbank und könnte die erste Frau an der Spitze einer Wall-Street-Bank werden.
Update: 27.10.2019 - 15:31 Uhr Kommentieren
Die 52-Jährige leitete bisher das Lateinamerikageschäft der amerikanischen Großbank Citigroup. Quelle: Bloomberg
Jane Fraser

Die 52-Jährige leitete bisher das Lateinamerikageschäft der amerikanischen Großbank Citigroup.

(Foto: Bloomberg)

New York Unerwartet offen spricht Jane Fraser über ihre Selbstzweifel. „Ich fühle mich unsicher, wenn ich mich nicht auf etwas zu 120 Prozent vorbereitet habe“, gestand sie 2016 auf einer Veranstaltung für Managerinnen in Miami. „Ich neige automatisch dazu zu sagen: Ich bin nicht gut genug.“ Dabei hatte die 52-Jährige bereits damals eine beachtliche Karriere hinter sich und leitete das Lateinamerikageschäft der amerikanischen Großbank Citigroup.

Gestartet hat die gebürtige Schottin ihre Karriere bei Goldman Sachs, wurde später Partnerin bei McKinsey und wechselte 2004 schließlich zur Citigroup. In London und in den USA arbeitete sie für die Wall-Street-Bank in verschiedenen leitenden Positionen.

Nun steht Fraser vor ihrem größten Härtetest. Am Donnerstagabend wurde sie zur Nummer zwei der Bank befördert. Sie wird künftig das Privatkundengeschäft der Citigroup leiten und erhält den Titel Präsidentin, der in den USA klar signalisiert, dass sie die besten Chancen auf den Chefposten hat. Fraser könnte damit die erste Frau an der Spitze von Amerikas drittgrößter Bank werden und vielleicht sogar die erste Frau überhaupt, die eines der großen Wall-Street-Institute führen wird.

Die Branche ist nach wie vor von weißen Männern dominiert – doch der Druck aus der Politik, das zu ändern, steigt. Im April mussten die Chefs der sechs großen Banken vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses aussagen und wurden für ihre Schwäche bei der Diversität kritisiert. Zwar haben alle Banken Ziele, um Frauen und andere Minderheiten zu fördern. Doch bis ganz nach oben hat es bislang noch keine geschafft.

Fraser ist nun eine der einflussreichsten Frauen an der Wall Street. Und auch Amerikas größte Bank, JP Morgan Chase, hat Kandidatinnen in Stellung gebracht. Marianne Lake wurde im Mai zur Chefin des Geschäfts mit Konsumentenkrediten befördert. Jennifer Piepszak ist die neue Finanzchefin. Beide haben damit beste Aussichten, Jamie Dimon an der Spitze der Bank zu folgen.

Ich fühle mich unsicher, wenn ich mich nicht auf etwas zu 120 Prozent vorbereitet habe. Jane Fraser, Präsidentin Citigroup

Der Zeitpunkt ist jedoch unklar. Weder Dimon (63) noch Citigroup-Chef Michael Corbat (59) planen, ihre Posten auf absehbare Zeit aufzugeben.

Frasers Beförderung „wird bei Investoren gut ankommen, sobald sie sie besser kennen lernen“, stellte Credit-Suisse-Analystin Susan Roth Katzke in einer E-Mail an Kunden klar.

Frasers Vorteil: Sie hat tiefe Einblicke in verschiedene Bereiche der Bank. Während der Finanzkrise bat sie der damalige Citigroup-CEO Vikram Pandit, ihr bei der massiven Umstrukturierung zu helfen. „Wir haben damals Vermögenswerte von fast einer Billion Dollar verkauft“, erinnert sich Fraser. Sie pendelte zu dieser Zeit zwischen New York und London, wo ihr Mann und ihre zwei Söhne lebten.

Ihr Mann, gebürtiger Kubaner, war früher selbst erfolgreicher Banker. Er leitete das Europageschäft der Bank of America, gab seine Karriere jedoch in der Finanzkrise auf, damit Jane Fraser ihre verfolgen konnte.

Nach der Finanzkrise leitete sie Citis Privatbank, die die vermögendsten Kunden betreut. Später wurde sie nach St. Louis im US-Bundesstaat Missouri versetzt, um das angeschlagene Hypothekengeschäft zu sanieren. Analysten schätzen sie als pragmatisch und vielseitig ein.

Fraser selbst sagt: „Ich habe das Chanel-Kostüm gegen Jeans getauscht und mich an die Arbeit gemacht.“ Wenn sie nicht arbeite, sagt sie, „mache ich mir über ganz alltägliche Dinge Gedanken“. Ein Beispiel: Ihr Sohn brauche eine neue Zahnpasta, die die Mutter nach der Arbeit besorgen müsse. „Wenn ich unterwegs bin, frage ich mich, ob meine drei Jungs zu Hause auch etwas Grünes zu Abend essen – oder ob sie mit Pizza vor dem Fernseher sitzen und Football schauen“, sagt Fraser.

Schon lange engagiert sie sich dafür, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen, und leitet eine entsprechende Gruppe bei der Citigroup. Ihr Rat: Frauen „müssen sich einflussreiche Mentoren suchen, die ihren Namen bei wichtigen Besetzungen ins Spiel bringen“, sagt sie. Fraser will den Weg für andere ebnen, im Idealfall bis ganz nach oben.

Mehr: Sallie Krawcheck gehört zu den wenigen Topmanagerinnen der Wall Street. Nun hilft die Gründerin von Ellevest Frauen bei der Geldanlage – mithilfe von Melinda Gates.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Großbank - Citigroup-Managerin Jane Fraser steht vor ihrem größten Härtetest

0 Kommentare zu "Großbank: Citigroup-Managerin Jane Fraser steht vor ihrem größten Härtetest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.