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Großbank Lauschaffäre überschattet Gewinnsprung der spanischen BBVA

Die zweitgrößte Bank Spaniens zeigt gute Geschäftsperformance. Allerdings steht die aktuelle Bilanzpräsentation im Schatten eines echten Skandals.
Update: 01.02.2019 - 20:59 Uhr Kommentieren
Das Gebäude der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) in der spanischen Hauptstadt Madrid. Quelle: dpa
BBVA

Das Gebäude der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) in der spanischen Hauptstadt Madrid.

(Foto: dpa)

MadridEs war das erste Mal, dass der frisch gekürte Verwaltungsratschef von Spaniens Großbank BBVA die Jahreszahlen präsentiert hat. Doch dieser Auftakt dürfte ganz und gar nicht nach dem Geschmack von Carlos Torres gewesen sein. Die an sich guten Geschäftszahlen wurden auf der Bilanzpressekonferenz von Fragen zu einer Affäre überschattet, die sich für die Bank zu einem Image-Desaster auszuweiten droht.

Laut spanischen Medienberichten soll Torres' Vorgänger, der langjährige BBVA-Chef Francisco González, 2004 und 2005 mithilfe eines Polizeikommissars und dessen privater Detektei Tausende von Telefonaten abgehört haben. Darunter waren demnach die Nummern von Mitarbeitern der spanischen Regierung, bis hin zur Börsenaufsicht. Das Ziel sei gewesen, eine drohende Übernahme von BBVA abzuwehren.

Anfang Januar wurden die Vorwürfe bekannt. Die Bank hatte bereits im Juni zuvor die Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers (PWC) beauftragt, die Geschäfte mit der Detektei zu untersuchen. Damals kam heraus, dass BBVA zu deren Kunden gehört. Der betreffende Kommissar sitzt wegen anderer Vorfälle seit 2017 in Untersuchungshaft.

Torres warnte am Freitag vor einer Vorverurteilung seines Ziehvaters González. „Bis zum heutigen Tag haben sie sich noch nicht als richtig herausgestellt“, sagte er. „Jetzt ist die Zeit für Untersuchungen und nicht für Urteile.“ Sollten die Informationen stimmen, handele es sich aber um sehr schwerwiegende Verstöße, die mit „null Toleranz“ geahndet würden.

Der Skandal hat unter anderem die Europäische Zentralbank auf den Plan gerufen. Deren Vizechef, der ehemalige spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos, hat am Dienstag gemahnt, der Fall solle schnellst möglich aufgeklärt werden.

Torres aber machte klar, dass so bald nicht mit einem Ergebnis der Untersuchungen zu rechnen ist. „Da müssen Millionen von Dokumenten untersucht werden“, erklärte er. Es werde wohl noch Monate dauern, bis vollkommen Klarheit darüber herrsche, was passiert ist und wer in der Bank involviert ist.

Der heute 75-jährige González wurde 1996 von dem damaligen konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar zum Chef der damals staatlichen Bank Argentaria ernannt. Die wurde später privatisiert und fusionierte mit BBV zu BBVA. Als dann 2004 die Sozialisten an die Regierung kamen, versuchten sie, mithilfe des finanzstarken Baukonzerns Sacyr die Kontrolle über BBVA zu erhalten und González aus dem Amt zu jagen. Um den Plan zu vereiteln, soll González den Berichten zufolge die private Detektei des Kommissars angeheuert haben, die auf schmutzige Geschäfte spezialisiert war.

Torres erklärte, er habe mit González über die Affäre gesprochen: „Er hat ein ruhiges Gewissen, er weiß nicht, worüber da geredet wird“. Torres, der lange als CEO an der Seite des Verwaltungsratschefs Francisco González gearbeitet hat, stellte sich bewusst hinter den Beschuldigten. „Meine persönliche Meinung über ihn könnte nicht besser sein“, sagte er. „Er hat eine enorme Führungskraft bewiesen, ist integer und anspruchsvoll.“

Strategisch hat González früher als andere Bankiers die Notwendigkeit der Digitalisierung erkannt und die Bank darauf getrimmt. 2018 haben erstmals mehr Kunden digital mit BBVA Geschäfte gemacht als in Filialen – 51 Prozent der Kunden waren digitale Nutzer. Den Nettogewinn steigerte die zweitgrößte spanische Bank ist im vergangenen Jahr um 51 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Grund dafür war vor allem der Verkauf einer Beteiligung in Chile sowie Kostensenkungen.

Stark bleibt das Geschäft in Mexiko, wo der Gewinn 16 Prozent zugelegt hat, belastet hat dagegen die Türkei. Mexiko macht 41 Prozent des Gewinns aus und hat damit in den Augen vieler Analysten ein zu großes Gewicht in der Bilanz, was den Aktienkurs belastet. Verglichen mit dem Bankenindex Stoxx Europe 600 lag der Kurs von BBVA seit 2015 meist darunter.

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