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Olaf Scholz (l.) und Peter Altmaier

Das Verhalten der Bundesregierung stößt bei Investoren auf wachsende Kritik.

(Foto: dpa)

Großbanken Berlin wirbt für Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank – und verärgert so deren Investoren

Die Bundesregierung spricht sich für ein Zusammengehen der Geldhäuser aus. Investoren sehen dadurch jedoch ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet.
1 Kommentar

FrankfurtBundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhöht in Sachen Fusionsgespräche den Druck auf Deutsche Bank und Commerzbank. „Es gibt Beratungen über die Situation, wie sie ist. Die Bundesregierung ist ein fairer Begleiter von privatwirtschaftlichen Diskussionen“, sagte Scholz am Montag am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel. „Mehr gibt es da gegenwärtig nicht zu sagen.“

Deutlicher als der SPD-Minister kann man ein potenzielles Brautpaar allerdings auch nicht dazu drängen, sich endlich zu erklären. Denn je mehr Puzzleteile über informelle Gespräche bekannt werden, desto größer wird der Druck auf die Banken, sich zu ihren Kontakten zu äußern und zeitnah eine Entscheidung für oder gegen eine Fusion zu treffen.

Das zeigt auch die Reaktion eines institutionellen Investors: „Die Banken müssen die Aktionäre nicht über alle informellen Gespräche informieren, die sie führen. Aber natürlich hätten wir gerne mehr Klarheit – über das Thema wird schließlich seit Monaten spekuliert“, sagte er. Am Montag blieben Commerzbank und Deutsche Bank stumm.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Vorstand der Deutschen Bank ein Mandat für informelle Gespräche mit der Commerzbank erteilt hatte. Die Aktie der Deutschen Bank stieg daraufhin am Montag um mehr als fünf Prozent, die der Commerzbank um gut sieben Prozent.

Das Verhalten der Bundesregierung, die mit 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt ist, stößt bei Investoren aber auf wachsende Kritik. „Die aktive Rolle des Bundes sehe ich kritisch, und sie ist auch nicht im Interesse der Aktionäre der beiden Banken“, sagt etwa Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Auch ein Investor, der an beiden Instituten beteiligt ist, bemängelt: „Der Druck aus der Politik ist groß, und uns kommt es so vor, als ob der Aktionär dabei nicht unbedingt im Vordergrund steht.“ Die Regierung und die Aktionäre hätten unterschiedliche Interessen. „Die Politik möchte ein Institut, das deutsche Unternehmen begleitet. Es geht ihr nicht darum, eine möglichst profitable Bank zu formen“, sagte er.

„Mir wäre es lieber, wenn beide Banken ihren eigenen Umbau weiter vorantreiben und dann in ein oder zwei Jahren noch mal über eine Fusion nachdenken.“ Mehr Zeit wäre auch anderen wichtigen Investoren recht.

Wirtschaftlich fragwürdig

Doch das könnte Wunschdenken bleiben: Immer wieder wird kolportiert, dass Berlin die Banken zu einer Fusion dränge. In Berlin wiederum wird betont, man wolle zwar in absehbarer Zeit ein Ergebnis, aber wie das ausfalle, sei Sache der Banken. Doch dass Vertreter der Bundesregierung mit einer Fusion sympathisieren, ist offenkundig. So redete Scholz mehrfach einem nationalen Bank-Champion für die deutsche Exportwirtschaft das Wort.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nahm die Deutsche Bank in die Liste der Firmen auf, deren Wohlergehen aus seiner Sicht für Deutschland wichtig ist. Am Montag zeigte sich der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, in einem Reuters-Interview offen für eine Fusion.

Mittelständler bräuchten „in ihren Auslandsmärkten zwingend einen starken Partner, einen globalen Player als Finanzinstitut an ihrer Seite“, der sie verstehe und ihre Sprache spreche.

Aus industriepolitischer Sicht mag das plausibel sein. „Wirtschaftlich wäre so ein Projekt aber unsinnig“, moniert Aktionärsschützer Nieding. Beide Institute wären für die nächsten drei bis fünf Jahre mit sich selbst beschäftigt. Schon die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und die sich hinziehende Integration der Postbank in die Deutsche Bank hätten gezeigt, wie langwierig solche Prozesse sein könnten.

Für Eile gibt es aus Sicht von Michael Hünseler, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Assenagon, ohnehin keinen Grund. „Zum jetzigen Zeitpunkt macht weder die Kapitalausstattung noch die Liquiditätssituation der beiden Banken ein übereiltes Eingreifen erforderlich“, sagt er. Strategisch berge eine Fusion zudem viele Risiken, Vorteile böten sich dagegen vor allem auf der Kostenseite.

„Sollte sich die Lage unerwartet und erheblich verschlechtern, könnte für manche Aktionäre vielleicht eine Aufspaltung der Deutschen Bank in eine Privatkunden- und eine Investmentbank die interessantere Alternative darstellen“, meint Hünseler. Aus seiner Sicht würde sich das bei der Deutschen Bank anbieten, „da kaum große Synergien zwischen den Geschäftsbereichen mit Privat- und großen Firmenkunden auszumachen sind“.

Wie groß der Handlungsdruck bei der Deutschen Bank tatsächlich ist, dürfte der Geschäftsbericht zeigen, den die Bank kommende Woche veröffentlicht. Muss sich die Bank dann von ihren bisherigen Renditeprognosen für das laufende Jahr verabschieden, dürften die Zweifel daran wachsen, dass sie auch ohne Fusion eine Wende schaffen kann.

Gewerkschaften schweigen

Viel hängt vom Verlauf des ersten Quartals ab. „Im vierten Quartal lief es für keine Investmentbank gut, aber im ersten Quartal 2019 wird sich wohl die Spreu vom Weizen trennen“, meint Hünseler. Erweise sich die Deutsche Bank in ihren Kernmärkten als wettbewerbsfähig, wäre der Zeitpunkt für eine Fusion aus Sicht der Investoren angesichts der niedrigen Kurse für Aktien und Anleihen der Deutschen Bank „verfrüht“.

Auffallend still blieben am Montag die Arbeitnehmervertreter. Weder Gewerkschafter noch Betriebsräte wollten zu den Berichten Stellung nehmen, wonach sich Deutsche-Bank-Chef Sewing informelle Gespräche mit der Commerzbank durch ein Vorstandsmandat hatte absegnen lassen.

Arbeitnehmervertreter hatten sich allerdings bereits in der Vergangenheit kritisch geäußert – aus gutem Grund. Investoren schätzen, dass im Fusionsfall 30.000 bis 40.000 Jobs gefährdet wären.

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1 Kommentar zu "Großbanken: Berlin wirbt für Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank – und verärgert so deren Investoren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist unbegreiflich wie die Deutsche Bank, diese Ikone deutscher Wirtschaftsgeschichte als globaler Champion derart degenerieren konnte, auf festem Boden, in einem Land mit dem Titel des Exportweltmeisters. 12 Jahre Abwärtstrend ohne wirkliches Fremdverschulden und ohne sich zu erholen, das muss man erst schaffen.
    Die Deutsche Bank der letzten 15 Jahre, so zeigt es sich, war ein Finanzunternehmen mit einem absurden Bonussystem, ohne Skrupel und Anstand über viele Jahre. Im Rausch dieser kuriosen, kurzorientierten Fehlanreize bewies das Institut die Fähigkeit sich selbst zu zerstören, forderte dann von den Aktionären seit 2008 in sechs Kapitalerhöhungen 33 Mrd. zusätzliches Kapital und machte dabei jedes Mal die Aktionäre zu dummen Verlierern.
    Der Aktienkurs, seit 12 Jahren im Abwärtstrend pulverisierte dann bis Ende 2018 ca. 75 Mrd. Marktkapitalisierung. Übrig bleibt im wahrsten Sinne des Wortes ein peinlicher Aktienkurs und eine homöopathische Dividende.
    Die logischerweise dürftige Kompetenz des Aufsichtsrates ist hauptverantwortlich für diesen rekordverdächtigen langjährigen Niedergang der Bank. Als oberste Machtebene hat dieses Gremium in der Aufsicht und Strategie versagt und ist gesamtverantwortlich für diesen unwürdigen Zustand, während fast alle internationalen Bankkonzerne sich längst erholt haben.
    Das Motiv einer übereilten Fusionsdiskussion ist mir unklar, aber vermutlich soll es Argumente bieten für eine weitere Kapitalerhöhung, mit der dann weitere Altlasten aufgefangen werden.
    „Mir wäre es lieber, wenn beide Banken ihren eigenen Umbau weiter vorantreiben und dann in ein oder zwei Jahren noch mal über eine Fusion nachdenken.“ .. dem kann ich mich nur anschließen.