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Großbanken Deutsche und Coba geben Druck aus Berlin nach – Vorstände sprechen über Fusion

Die Geldhäuser sondieren offiziell einen Zusammenschluss. Von Gewerkschaften gibt es Kritik. Sie fürchten den Wegfall von rund 30.000 Stellen.
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Durch eine Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde das drittgrößte Institut der Euro-Zone. Quelle: dpa
Skyline von Frankfurt

Durch eine Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde das drittgrößte Institut der Euro-Zone.

(Foto: dpa)

Frankfurt, BerlinChristian Sewing hat lange gezögert. Der Vorstandschef der Deutschen Bank wollte sich eigentlich nicht von der Bundesregierung in eine Fusion mit der Commerzbank hineinreden lassen. Noch im Herbst betonte er, seine Bank wolle in den nächsten zwölf bis 18 Monaten zuerst Hausaufgaben abarbeiten, bevor sie fusionswillig sei.

Doch der politische Druck wurde immer größer. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) betonte mehrfach die Bedeutung einer starken deutschen Großbank und sagte zuletzt sogar, dass die Regierung ein „fairer Begleiter“ von Fusionsgesprächen sei. Und auch hinter den Kulissen haben er und sein Staatssekretär Jörg Kukies (SPD) wiederholt klargemacht, dass sie eine Fusion befürworten.

Jetzt hat sich Sewing diesem Druck gebeugt – und nimmt erstmals offiziell Fusionsgespräche mit dem kleineren Frankfurter Rivalen auf. Allerdings lässt sich Sewing nur deshalb darauf ein, weil die Berliner Regierung seine Bedingungen akzeptiert hat.

Und die lauteten: Eine Übernahme der Commerzbank muss wirtschaftlich sinnvoll sein und zu ebenso zügigen wie harten Kosteneinsparungen führen. Schließlich befürchtete der Vorstandschef, die Politik könnte den vermutlich notwendigen Abbau Zehntausender Stellen zu verhindern suchen.

Diese Sorge ist Sewing vor wenigen Tagen genommen worden: Nach Angaben aus Finanzkreisen signalisierte die Regierung am Samstag, dass sie einer harten Restrukturierung und einem umfangreichen Stellenabbau nicht im Wege stehen würde. Kein Kommentar, heißt es dazu aus dem Finanzministerium.

Blick in die Bilanzen

Daraufhin ging alles ganz schnell: Noch am Samstagnachmittag luden Sewing und Commerzbank-Boss Martin Zielke ihre Vorstände für Sonntagmorgen zu separaten Sitzungen ein. Nach wenigen Stunden stand fest: Sewing und Zielke werden Sondierungsgespräche über eine Fusion führen – und tief in die Bilanzen des jeweils anderen blicken.

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Laut Insidern geben sich die Bankchefs vier bis sechs Wochen, um sich grundsätzlich für oder gegen eine Fusion zu entscheiden. Die Chancen, dass es zum Zusammenschluss kommt, taxieren diese Insider auf 50 Prozent. Beide Seiten betonen auch in ihren offiziellen Stellungnahmen den „ergebnisoffenen“ Charakter der Sondierungen.

Besonders Sewing will den Eindruck aufrechterhalten, sein Haus habe andere strategische Optionen – inklusive des ursprünglichen Plans, die Bank aus eigener Kraft flottzumachen. „Wir werden ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Optionen verfolgen, mit denen wir an unsere Fortschritte von 2018 anknüpfen können“, schrieb Sewing am Sonntag in einer Nachricht an die Mitarbeiter des Dax-Konzerns. „Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird.“ Die Erfahrungen zeigten, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben könne, die einem solchen Schritt entgegenstehen könnten.

Von Gewerkschaften und Politikern gibt es bereits Kritik. CDU-Haushaltspolitiker Eckhardt Rehberg etwa warnte Scholz vor einer Einflussnahme auf die Gespräche. „Ich fordere Finanzminister Scholz zur Zurückhaltung auf“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. „Eine Fusion der beiden Banken muss nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien Sinn ergeben.“

Der Vorsitzende der Bankengewerkschaft DBV, Stephan Szukalski, bekräftigte am Sonntag ebenfalls seine Kritik an der Fusion. „Unsere Einschätzung, dass eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank zum jetzigen Zeitpunkt ein großer Fehler wäre, ist unverändert“, sagte er dem Handelsblatt. Auch die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten beider Banken haben deutlich gemacht, dass sie einen Zusammenschluss ablehnen.

„In der Abwägung von Nutzen und Risiken einer möglichen Fusion kommen wir zu keinem positiven Ergebnis. Deshalb stehen wir einem solchen Vorhaben aus heutiger Sicht ablehnend gegenüber und werden uns auch in den beiden Aufsichtsräten entsprechend positionieren“, sagte Jan Duscheck, der Verdi-Bundesfachgruppenleiter für das Bankgewerbe, der auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt. „Wir lehnen eine mögliche Fusion beider Häuser mit Blick auf die Gefährdung von Zehntausenden Arbeitsplätzen ab“, so Duscheck weiter. Mit einer Fusion würden zusätzliche Risiken und Probleme auf beide Banken zukommen.

Sewings Problem: Die Gewerkschaften haben nicht nur starke Worte zu bieten, sondern echtes Drohpotenzial. Und das heißt Postbank. Bis zum Sommer sollen die Gespräche über eine Integration der Bonner Filialbank abgeschlossen sein. Im Verlauf dieser Woche sei ein Spitzengespräch zur Postbank-Integration mit Gewerkschaften, Betriebsräten und dem Vorstand der Bank geplant, hieß es.

Dort könnte es dann zum Schwur kommen: Die Bankengewerkschaft DBV hatte vergangene Woche bereits relativ offen damit gedroht, die Verhandlungen auszusetzen. In der Bank rechnet man zwar bislang nicht mit einem so radikalen Schritt. Schlimmstenfalls aber wäre die Postbank nur halbwegs integriert, obwohl mit der Commerzbank die nächste Zusammenlegung bevorstünde.

Aus einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde das mit Abstand führende deutsche Geldhaus. Anfangs hätte die „Deutsche Commerz“ 140 .000 Beschäftigte, eine Bilanzsumme von mehr als 1,8 Billionen Euro und 38 Millionen Privat- und Firmenkunden. Analysten schätzen, dass bis zu 40 Prozent der Kosten der Commerzbank wegfallen könnten – und um die 30.000 Arbeitsplätze.

Die SPD-Politiker Scholz und Kukies drängen auf eine Fusion, weil sie sich um den Zustand der Deutschen Bank sorgen. Diese hat zwar nach drei Verlustjahren 2018 einen kleinen Gewinn ausgewiesen, leidet jedoch unter hohen Refinanzierungskosten und einer schwächelnden Investmentbank.

Zudem sind manche in Berlin der Ansicht, dass durch die Digitalisierung ohnehin viele Stellen wegfallen werden. Eine Fusion könne daher die Chance erhöhen, den digitalen Wandel gut zu überstehen, heißt es in Regierungskreisen.

In Berlin wird eine solche Fusion auch als Vorbereitung für eine europäische Konsolidierung in zwei bis drei Jahren gesehen. Gemeinsam, so die Hoffnung, würde das dann nach Bilanzsumme drittgrößte Institut der Euro-Zone genug Gewicht auf die Waage bringen, um grenzüberschreitende Übernahmen planen zu können.

Dazu muss allerdings erst einmal die äußerst verzwickte Fusion im Heimatmarkt gelingen.

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1 Kommentar zu "Großbanken: Deutsche und Coba geben Druck aus Berlin nach – Vorstände sprechen über Fusion"

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  • Sanierungsprofis versus Kapitalverzehrer

    Nahezu 30 Mrd. hat der Volkswagenkonzern Mittlerweile für den selbsterzeugten Dieselskandal aufgewendet, wurde gleichzeitig mit dem WLTP Verfahren konfrontiert und muss ohne Verzögerung die Geschäftsmodelle aufgrund der extrem verschärften CO2 der EU umstellen. Trotzdem, die VW Bank macht ca. 2 Mrd. Gewinne und statt Kapitalerhöhungen, die logisch wären, gibt’s normale Dividenden.

    Die eigentlichen „Finanzprofis“ der deutschen Wirtschaft begnügen sich im Vergleich dazu mit dem Trostpreis.
    Die Deutsche Bank und die Commerzbank zeigten durch die Finanzkriese ihre Fähigkeit, sich selbst zu zerstören. Sie schafften auch nach 10 Jahren keine echte Sanierung und machten ihre langfristigen Aktionäre in dieser Zeit mit jeder ihrer zahlreichen Kapitalerhöhungen zu dummen Verlierern.
    Es ist für mich komplett absurd und aus der Zeit gefallen, wenn jetzt die Arbeitgeberseite des Aufsichtsrates sich auch noch mit Blockade- und Verhinderungsstrategien einbringt.
    Der jetzige Zustand der Banken ist dem langjährigen Zutun oder Nichtstun der Aufsichtsräte zu verdanken. Es ist Zeit, dass sich etwas verbessert.