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Großinvestor Deutsche Bank hat Ärger mit dem Hedgefonds Cerberus

Das Verhältnis zwischen der Bank und dem Großinvestor wirkt zusehends unterkühlt. Ein Indiz dafür ist die Kritik des US-Fonds an Aufsichtsratschef Achleitner.
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Der Aufsichtsratschef will seinen bis 2022 laufenden Vertrag erfüllen. Quelle: dpa
Paul Achleitner

Der Aufsichtsratschef will seinen bis 2022 laufenden Vertrag erfüllen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Als der renommierte US-Fonds Cerberus vor beinahe zwei Jahren mit rund drei Prozent bei der Deutschen Bank einstieg, freute sich das größte heimische Geldhaus: Man begrüße jeden Investor, „der an das Wertpotenzial der Aktie der Deutschen Bank glaubt“, hieß es. Im Sommer 2018 holte die Bank Cerberus sogar noch als Berater ins Haus.

Inzwischen scheint die Zuneigung zwischen beiden Parteien allerdings deutlich abgekühlt zu sein. Nach Informationen des Handelsblatts ist der nach dem dreiköpfigen Höllenhund aus der griechischen Mythologie benannte US-Fonds unzufrieden mit der Entwicklung der Bank im Allgemeinen und mit der Leistung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner im Besonderen.

Umgekehrt stören sich Finanzkreisen zufolge einige Führungskräfte der Deutschen Bank am selbstbewussten Auftreten des US-Investors, der sich teilweise benehme, als gehöre ihm die Hälfte oder gar die Mehrheit an der Bank. Die Forderungen der Amerikaner passten nicht zu ihrem Status als Eigner weniger Prozente an dem Geldhaus.

Nach Informationen des Handelsblatts hat Cerberus mit anderen Großinvestoren über die Kritik am umstrittenen Aufsichtsratschef gesprochen. Die „Financial Times“ hatte berichtet, dass Cerberus sogar auf die Ablösung Achleitners dränge. Nach Informationen des Handelsblatts trifft das allerdings nicht zu. Cerberus strebe einen geordneten Übergang an der Aufsichtsratsspitze an.

Damit würde sich der US-Fonds auf einer Linie mit anderen einflussreichen Investoren wie der Herrscherfamilie von Katar und dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock befinden. Auch einige diese Großaktionäre sehen Achleitners Rolle zunehmend kritisch, fürchten aber, dass eine abrupte Ablösung die Bank destabilisieren würde.

Achleitner will seinen Vertrag erfüllen

Vorstandschef Christian Sewing hatte im Sommer den größten Umbau in der jüngeren Geschichte der Bank angestoßen, noch aber zweifeln viele Investoren, ob die Sanierung wie geplant funktioniert. „In dieser Situation den Aufsichtsratschef auszuwechseln wäre kontraproduktiv“, hieß es bei einem Großinvestor.

Der Vorstand sei gerade erst umgebaut worden, die Strategie stehe, ein neuer Chefaufseher würde im Moment nur zu neuer Unruhe und Verzögerungen führen, die die Bank in noch größere Schwierigkeiten brächten. Ganz abgesehen davon, dass erst einmal ein geeigneter Kandidat gefunden werden müsste.

Diese Sicht scheint sich nicht grundlegend von der in der Deutschen Bank vorherrschenden Meinung zu unterscheiden. Nach Informationen des Handelsblatts ist Achleitner entschlossen, seinen bis 2022 laufenden Vertrag zu erfüllen. Es sei aber auch klar, dass er keine neue Amtszeit anstrebe, und dass er eher früher als später einen Nachfolgekandidaten aufbauen müsse, um ihm genügend Zeit zur Einarbeitung zu geben. Dieser Kandidat werde aller Voraussicht nach von außen kommen.

Cerberus wollte die Fusion mit der Commerzbank

Der Frust der Investoren ist verständlich. Achleitner werden viele Versäumnisse vorgeworfen: Der Österreicher habe zu lange an Anshu Jain als Vorstandschef festgehalten, der die Skandale der Investmentbank weder aufarbeitete noch unterband. Dann habe er mit Sewings Vorgänger John Cryan jemanden an die Spitze geholt, der die Probleme der Bank zwar brillant analysierte, aber nicht löste. Hinzu kommen mehrere Strategiewechsel, die keine Besserung brachten.

Seit dem Einstieg 2017 hat die Beteiligung von Cerberus an der Deutschen Bank rund 500 Millionen Euro an Wert verloren. Der US-Fonds galt als Anhänger einer Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank. Auch Paul Achleitner gehörte ursprünglich zu den Förderern einer Bankenehe. Als die beiden Geldhäuser die Gespräche aber nach wochenlanger Prüfung im Frühjahr abbrachen, trug Achleitner die Entscheidung mit. Die Bank brachte anschließend die von Vorstandschef Sewing vorbereitete neue Strategie auf den Weg.

Die Deutsche Bank ist derzeit bereits auf der Suche nach einem neuen Aufsichtsratsmitglied. Allerdings geht es dabei nicht um einen Nachfolger für Achleitner, sondern um einen Ersatz für den Ex-UBS-Banker Jürg Zeltner, der im Kontrollgremium die Katarer vertreten sollte, aber an Bedenken der Finanzaufsicht gescheitert war.

Neben all den Personalquerelen gab es am Dienstag aber auch eine positive Nachricht für die Deutsche Bank. Trotz des radikalen Konzernumbaus hat sich die Stimmung in der Belegschaft einer Mitarbeiterbefragung zufolge etwas verbessert. Demnach ist die Hälfte der Beschäftigten weltweit stolz darauf, bei dem Institut zu arbeiten, im Vorjahr waren es 47 Prozent. Die Verbundenheit mit dem Unternehmen verbesserte sich ebenso wie das Gefühl, sich einbringen zu können.

„Zuversichtlich stimmt uns, dass sich die meisten Indikatoren in die richtige Richtung bewegen“, schrieb Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter. „Aber natürlich gibt es noch viel Luft nach oben.“

Mehr: Ein Gericht kassiert die Entlastung von Topmanagern der Deutschen Bank. Grund sind fehlende Details zum Beratervertrag mit dem Finanzinvestor Cerberus.

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1 Kommentar zu "Großinvestor: Deutsche Bank hat Ärger mit dem Hedgefonds Cerberus"

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  • Das einzige was bei der Deutschen ohne Wenn und Aber funktioniert, ist ihr Selbstbedienungs-Boni-System. Ein schadensförderndes, selbstbereicherndes und nach so vielen Jahren selbstverzehrendes System. (Ca. 75 Mrd. Boni in 25 Jahren)
    Ein Werk des unfähigen, bestbezahlten Aufsichtsrates der DAX Familie, der die Aktionäre seit der Finanzkrise mit 32,8 Mrd. zur Kasse bat.
    Mich wundert, dass die Großaktionäre noch immer nicht den Mut finden, zu agieren.