Gründershow „Höhle der Löwen“ Carsten Maschmeyer investiert Rekordsumme in das Fintech Dwins

Das Fintech Dwins räumt in der Gründershow „Höhle der Löwen“ ab: Carsten Maschmeyer beteiligt sich mit einer Million Euro an der Finanzapp.
Update: 02.10.2018 - 23:48 Uhr Kommentieren
Die Gründerzwillinge Benjamin (l.) und Alexander (r.) Michel haben nun nach kurzer Zeit den zweiten bekannten Investor für ihr Unternehmen gefunden.
Dwins bei der „Höhle der Löwen“

Die Gründerzwillinge Benjamin (l.) und Alexander (r.) Michel haben nun nach kurzer Zeit den zweiten bekannten Investor für ihr Unternehmen gefunden.

FrankfurtAls Carsten Maschmeyer, Juror der Vox-Gründershow „Höhe der Löwen“ sagt: „Sie brauchen einen Mentor“, können Alexander und Benjamin Michel ihr Grinsen kaum unterdrücken. Minutenlang hat Maschmeyer die Gründer der App Finanzguru davor gegrillt, nach Details und Wachstumsplänen gefragt („Für ne Million darf man ja schon ein paar Fragen stellen“), bevor er Interesse an einer Beteiligung zeigt. Alle anderen Juroren haben da schon abgewunken. Danach wird noch um Anteile gefeilscht. Die Gründer wollen für die eine Million Euro nur 10 Prozent hergeben, Maschmeyer fordert das Doppelte. Am Ende trifft man sich in der Mitte bei 15 Prozent.

Zwei Fliegen mit einer Klappe wollten die Gründer des jungen Finanztechnologieunternehmens Dwins mit ihrem Auftritt schlagen, der bereits im April aufgezeichnet wurde: sich einem Millionenpublikum vorstellen und einen neuen Geldgeber gewinnen. Geglückt ist am Ende beides. Carsten Maschmeyer investiert in die Finanzanwendung, mit der Kunden einen Überblick über ihre Finanzen gewinnen und ihre Verträge verwalten können, mit einer Million Euro die größte Summe, die je ein einzelner Löwen-Juror auf den Tisch gelegt hat. Höher war nur eine Co-Investition von Maschmeyer mit Juror-Kollegen Ralf Dümmel, die gemeinsam 1,5 Millionen Euro für den Hersteller eines neuen Schlaftrunks ausgaben – und davon waren eine Million Euro der Gegenwert für Marketing.

Man werde in der laufenden Staffel „die spannendsten Innovationen und höchsten Investments sehen“, die es in der Sendung je gegeben habe, hatte Maschmeyer vor kurzem noch auf einer Veranstaltung des Handelsblatt-Wirtschaftsclubs gesagt. Nun weiß man, wie er das gemeint hat.

Für die Gründerzwillinge Alexander und Benjamin Michel ist das der zweite große Coup innerhalb eines Jahres: Denn im vergangenen Oktober hatte sich die Deutsche Bank bereits mit einer ähnlich großen Summe an dem Fintech beteiligt - für 24,99 Prozent. Entsprechend erfreut zeigten sich die beiden Gründer: „Wir freuen uns sehr, dass Carsten Maschmeyer bei uns eingestiegen ist“, sagte Benjamin Michel dem Handelsblatt. Ihr Unternehmen ist nun deutlich wertvoller geworden. Nach dem Einstieg der Deutschen Bank lag der Wert noch bei knapp vier Millionen Euro. Durch die Beteiligung von Maschmeyer ist dieser Wert nun auf 6,7 Millionen Euro gestiegen. Die zweieiigen Zwillinge halten nach dem Einstieg des früheren Gründers und Chefs des Finanzvertriebs AWD zusammen noch 44,6 Prozent an dem Unternehmen. Der Anteil der Deutschen Bank liegt nun bei 21 Prozent.

Beide Michel-Brüder hatten auf Maschmeyer als Investor gehofft. Sie kennen Gründer, bei denen er schon früher eingestiegen ist. „Deshalb wissen wir, dass er Start-ups sehr stark unterstützt und sein Netzwerk auch einbringt“, sagt Benjamin Michel.

Wer wissen will, warum Maschmeyer ein wertvoller Verbündeter für Dwins sein kann, muss sich mit dem Geschäftsmodell der Finanz-App beschäftigen: Der „Finanzguru“ ist für seine Nutzer kostenlos. Er bietet ihnen einen guten Überblick über die Finanzen, indem er ihre Kontodaten analysiert. Mithilfe dieser Daten gibt die Finanz-App auch Tipps, wie sich Geld sparen lässt. „Der Finanzguru erkennt, ob ein Kunde überdurchschnittlich viel für seinen Stromtarif ausgibt und schlägt günstigere Alternativen vor“, sagt Alexander Michel. Wechselt der Kunde dann zu einem neuen Stromanbieter, erhält Dwins von dem Stromanbieter eine Provision.

Das Konzept kann nach Einschätzung von Matthias Dörge, Fintech-Experte des Beratungsunternehmens zeb, funktionieren. „Nicht nur das Einsparpotenzial für Kunden, sondern auch die Provisionen, die der neue Anbieter an den Vermittler zahlt, sind enorm. Es kann also von einer klassischen „Win-Win-Situation“ gesprochen werden“, sagt er. Gleichzeitig sei das Angebot ohne Weiteres skalierbar, das heißt man kann es ohne großen Aufwand vergrößert werden, sei es durch neue Angebote für die bestehenden Nutzer, sei es durch Kundenwachstum.

Bislang kann man über den Finanzguru aber nur Stromtarife vergleichen oder die Nebenkostenabrechnung prüfen lassen. Damit das Geschäftsmodell funktioniert, benötigt Dwins weitere Kooperationspartner, die ihre Produkte anbieten. „Als nächste Ausbaustufe möchten wir das Thema Versicherungen angehen“, erklärt Benjamin Michel. Da könnte Maschmeyer helfen. „Er ist extrem gut im Finanz- und Versicherungsbereich vernetzt“, erklärt Benjamin Michel. Vor seiner Zeit als Start-up-Investor war Maschmeyer einmal Chef des Finanzvertriebs AWD, der Finanzprodukte verkaufte.

Nicht weniger wertvoll dürfte für die Dwins-Gründer allein schon der Auftritt in der Gründershow gewesen sein. Der Finanzguru ist eine Art Marktplatz. „Das Modell lebt davon, dass Kooperationspartner über uns Kunden finden“, erklärt Alexander Michel.

Das Unternehmen sei für eine Kooperation aber nur dann interessant, wenn es viele Nutzer habe. Deshalb will Dwins das Wachstum auch forcieren. „Das ist einer der Gründe dafür, dass wir diesen unkonventionellen Weg gewählt haben, um einen Investor zu finden“, so Michel.

Der Finanzguru ist aber auch eine Art intelligentes Haushaltsbuch, das sein Geld als Vertragsmanager seiner Kunden verdient. Diese Kombination hält Dirk Schiereck, der an der TU Darmstadt als Professor Unternehmensfinanzierung lehrt, für besonders. Im Vergleich zu anderen Plattformen hält er den Finanzguru für überlegen. „Die Frage wird sein, wie schnell die App nachgebaut werden kann und wie überlegen dann noch der Kundennutzen gegenüber Alternativen ist“, sagt er.

Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie treffsicher die Vorschläge des Finanzgurus am Ende sind. „Ein Vorteil ist sicherlich ein großer Kontenbestand, mit dem die Künstliche Intelligenz weiter trainiert werden könnte“, sagt er.

Wachstum ist für das Unternehmen Dwins auch aus einem weiteren Grund wichtig. Digitale Vertragsmanager mögen noch nicht so häufig sein, aber anders sieht es mit der Haushaltsbuch-Funktion aus, mit der die Nutzer angelockt werden. „Der Markt für Personal Finance Manager hat sich in den letzten Monaten stark entwickelt“, beobachtet Christopher Schmitz, der Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young ist. Wer hier aktiv sei, positioniere sich in einem „sehr kompetitiven Umfeld“.

Wer in diesem Bereich als Dienstleister für Banken agiert, die nur die technische Lösung kaufen und selbst ihren zahlreichen Kunden anbieten (B2B-Geschäft, Business to Business), dessen Erfolgsaussichten stuft Schmitz als „gut“ ein. Dwins tritt mit seiner App aber direkt an die Nutzer heran. In diesem sogenannten B2C (Business to Consumer)-Geschäft ist es deutlich schwerer, neue Kunden zu akquirieren. „Die Kosten der Kunden-Akquisition sind auch in der digitalen Welt beachtlich“, warnt Schmitz. Seit Februar können die Kunden aller deutschen Banken den Finanzguru nutzen. Die Zahl der verwalteten Kontrakte ist seither von 10.000 auf mehr als 350.000 Verträge angewachsen. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, ist aber noch viel mehr nötig.

Die Dwins hoffen, dass ihnen ihr Auftritt dabei geholfen hat. „Über die Höhle der Löwen erreichen wir ein Millionenpublikum“, sagt Alexander Michel. Angst, dass die Nutzerzahlen nun so stark hochschnellen, dass die IT-Systeme in die Knie gehen, haben die Gründerzwillinge aber nicht.

„Wir haben eine Art Warteschlange gebaut, falls zu viele Nutzer auf einmal die App herunterladen und mit ihrem Konto koppeln sollten“, sagt Benjamin Michel. Damit werde sichergestellt, dass alle eingehenden Anfragen ordentlich abgearbeitet werden könnten.

Wie nötig diese Vorsichtsmaßnahmen waren, zeigte sich direkt nach Ausstrahlung der Sendung. Auf Twitter berichteten Nutzer schon kurze Zeit nach der Show, sie hätten noch 15.000, 55.000, sogar 62.000 Anträge vor sich und stundenlange Wartezeiten. Die Systeme mag die Warteschlange also geschützt haben - dafür hatte der Finanzguru alle Mühe, ungeduldige Nutzer zu besänftigen.

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