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Günther Thallinger im Interview Allianz-Vorstand: „Wir haben jetzt eine dreimal so hohe Marktmacht“

Der Allianz-Vorstand spricht im Interview über die „Net Zero Asset Owners Group“ und das Bestreben der Allianz, ihre Anlagen klimaneutral zu gestalten.
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Der 47-Jährige muss das Allianz-Portfolio klimaneutral ausrichten. Quelle: picture alliance / SvenSimon
Günther Thallinger

Der 47-Jährige muss das Allianz-Portfolio klimaneutral ausrichten.

(Foto: picture alliance / SvenSimon)

Günther Thallinger hat derzeit einen der schwierigsten Jobs bei der Allianz. Der 47-jährige Österreicher muss das gewaltige Portfolio der Allianz so umbauen, dass es in drei Jahrzehnten klimaneutral ausgerichtet ist. Dabei geht es um rund 800 Milliarden Dollar.

Seinen Chef Oliver Bäte begleitet der promovierte Mathematiker am Montag nach New York. Dort stellt Bäte die neue Gruppierung „Net Zero Asset Owner Alliance“ vor, einen Zusammenschluss von zwölf weltweit agierenden Großinvestoren, die allesamt ihr Portfolio bis zum Jahr 2050 klimaneutral ausgerichtet haben wollen.

Herr Thallinger, was ändert sich mit der „Net Zero Asset Owner Alliance“ gegenüber dem Status Quo bei der Allianz? Dass dort bis 2050 Klimaneutralität für alle Asset-Klassen erreicht werden soll, ist seit längerem bekannt.
Neu ist, dass sich jetzt eine Gruppe von zwölf Investoren dieser Idee verpflichtet. So wie es das auf Staatenebene seit 2015 mit dem Pariser Klimaabkommen gibt. Ein solcher Prozess ist sehr aufwändig, wenn ihn jeder für sich unternimmt. So aber haben wir als Investorengruppe eine dreimal so hohe Marktmacht wie die Allianz allein. Zum anderen haben die Aktiengesellschaften in ihrem Bestreben nach mehr Umweltfreundlichkeit einen gemeinsamen Ansprechpartner.

Es liegt nun in ihrer Verantwortung, allein die 800 Milliarden Dollar an Anlagen der Allianz klimaneutral zu verändern. Wie soll das in der Praxis gehen?
Dieser Idee haben wir uns bereits im vergangenen Jahr verpflichtet. Wichtig ist dabei, dass sich das Portfolio entwickelt. Dazu bedarf es des Engagements der Unternehmen, in die wir investiert haben. Es wird deswegen künftig einen noch intensiveren Austausch geben. Dort werden wir ganz klar unsere Vorstellungen kommunizieren.

Nun lässt sich heute bereits vorhersagen, dass manche Branchen aufgrund ihrer hohen Energieintensität nie klimaneutral agieren werden können. Werfen Sie diese Aktien dann aus dem Portfolio?
Ganz klar, ein Zementhersteller wird niemals das Ziel der Klimaneutralität erreichen. Aber wir müssen erreichen, dass auch er seine Emissionen deutlich reduziert. Auf der Gegenseite brauchen wir für diese Aktien dann klimanegative Investments, so dass das Gesamtportfolio bei Null ist.

Was sind klimanegative Investments?
Zum Beispiel Wald. Hier müssten wir nach aktuellem Stand eine ansehnliche Position aufbauen. Das ist eine Herausforderung, aber nicht unvorstellbar.

Wo liegen weitere Herausforderungen in der Praxis?
Wir müssen als Gruppe sauber definieren, wie wir die Emissionen eines Investments messen. Das ist bei Aktien relativ einfach. Wenn wir 0,3 Prozent an einem Unternehmen halten, dann nehmen wir dessen Ausstoß mal 0,3, so kennen wir unseren Anteil. Bei Anleihen ist das schwieriger, hier müssen wir mit unseren Partnern eine Basis finden.

Die Gruppe besteht jetzt aus einem Dutzend Investoren mit einer Marktmacht von 2,3 Billionen Dollar. Wie soll es weitergehen?
Unser Ziel ist es, dass schon bald weitere Mitglieder dazustoßen und wir dann fünf Billionen und irgendwann zehn Billionen Dollar vereinigen. Das wäre ein Fünftel der weltweiten Investments. Dann wäre die Marktmacht ausreichend groß. Aber schon jetzt ist es ein großer Erfolg, dass namhafte Investoren aus Nordamerika dabei sind, die bisher bei diesen Zielen noch nicht so weit waren. Womöglich könnten bald auch Gesellschaften aus Japan hinzustoßen, dort ist man noch in der Abstimmung.

Welche Rolle spielen die Schaltstellen der internationalen Politik in diesem Prozess?
Die „Asset Owners Alliance“ hat sich unter dem Dach der Vereinten Nationen ergeben. Die UN-Generalversammlung will die Gruppe auch erweitern. Wichtig für deren Erfolg wird es sein, dass sie extrem nahe an den Regierungen und den Schaltstellen der Politik bleibt.
Herr Thallinger, ich danke für das Gespräch.

Mehr: Unter dem Namen „Net Zero Asset Owner Alliance“ verpflichten sich ein Dutzend globale Investmenthäuser, ihre Portfolios bis 2050 klimaneutral umzubauen. Lesen Sie hier mehr.

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