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Halbjahreszahlen Ostdeutsche Sparkassen warnen vor Altersarmut

Der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands sieht die Politik in der Pflicht. Eingesparte Zinsen sollte der Bund für eine Reform der Riester-Rente nutzen.
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Die ostdeutschen Sparkassen fordern eine Reform der Riester-Rente. Und das Wohneigentum soll spürbar gefördert werden. Quelle: dpa
Sparkasse Neubrandenburg

Die ostdeutschen Sparkassen fordern eine Reform der Riester-Rente. Und das Wohneigentum soll spürbar gefördert werden.

(Foto: dpa)

Berlin Die Sparkassen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gehören zu den robusten Instituten in der Republik. Das belegen die Halbjahreszahlen der 45 Mitgliedsinstitute erneut.

Doch am Donnerstag standen weniger die betriebswirtschaftlichen Daten im Vordergrund, sondern die politischen Folgen der Dauerniedrigzinsen. „Viele Menschen laufen bei Nullzinsen in die Altersarmut“, befürchtet Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands. Und da im Osten Deutschlands flächendeckend die niedrigsten Löhne gezahlt werden, woraus geringere Rentenansprüche resultieren, wäre die Gefahr der Altersarmut auch hier am größten.

Die Lage verschärfe sich, da früher bei der Reform der Riester-Rente bei Kapitalanlagen mit Zinssätzen von drei bis vier Prozent gerechnet wurde. „Bei Nullzinsen gehen weder die Riester-Rechnung noch die anderen Altersvorsorgepläne auf“, glaubt Ermrich. Die Armutsgefahr steige.

Der Sparkassenpräsident sieht Berlin in der Pflicht, „aktiv gegenzusteuern“. Nicht zuletzt, um eine „politisch sehr ungesunde“ Entwicklung zu verhindern. In den neuen Ländern ist die als Protestpartei wahrgenommene AfD überdurchschnittlich stark vertreten. Es könne nicht sein, dass die Bundesregierung dreistellige Milliardenbeträge an wegfallenden Zinsausgaben wegen der Niedrigzinsen spare und ansonsten die Hände in den Schoß lege. Ähnlich hatte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis im Handelsblatt-Interview argumentiert.

Ermrich fordert, mit den eingesparten Mitteln die Riester-Rente zu reformieren und das Wohneigentum spürbar zu fördern. Die Miete verzehre in fast jedem zweiten Rentnerhaushalt mehr als 30 Prozent des vorhandenen Einkommens.

Zwar können die ostdeutschen Sparkassen die sinkenden Zinserträge nicht durch steigende Provisionserträge beispielsweise aus Gebührenerhöhungen kompensieren. Aber im bundesdeutschen Vergleich stehen die ostdeutschen Institute gut dar. In diesem Jahr rechnet Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses vor Bewertung von rund elf Prozent auf 1,11 Milliarden Euro.

Beim Thema Negativzinsen wollten die Verbandschefs sich nicht festlegen. „Wir wollen sie nicht“, stellte Zender klar. Aber generell ausschließen kann das auch niemand. Jedenfalls hält Verbandspräsident Ermrich nichts vom Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Strafzinsen auf Guthaben von bis zu 100.000 Euro zu verbieten.

Zender widersprach dem Eindruck, dass die einlagenstarken ostdeutschen Institute im Sparkassenlager den Löwenanteil der Negativzinsen zahlen müssen, den die Europäische Zentralbank für Einlagen kassiert. Immerhin liegt die Differenz in Ostdeutschland zwischen den Einlagen der Sparkassen und vergebenen Krediten bei knapp 48 Milliarden Euro. „Wir profitieren von Liquiditätsvereinbarungen mit den Landesbanken. Natürlich versuchen wir alles zu vermeiden, um das Geld bei der EZB zu parken“, so Zender.

Mehr: Die Zinsdrohung – Sparkassenchef Helmut Schleweis bereitet Kunden auf höhere Kosten vor

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