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Handelsblatt Banken-Gipfel Bafin-Chef Hufeld wütet über Opfer-Mentalität der Banken

Die deutschen Banken stellen sich geschlossen gegen die Niedrigzinspolitik der EZB. Bafin-Chef Hufeld weist die Kritik zurück und bemängelt den Anpassungswillen der Branche.
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Der Bafin-Präsident appellierte an die Bankenbranche, die „Themen an der Wurzel zu packen“. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Felix Hufeld

Der Bafin-Präsident appellierte an die Bankenbranche, die „Themen an der Wurzel zu packen“.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt Die magere Profitabilität der deutschen Banken bereitet dem Präsidenten der Deutschen Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, seit langem Kummer. „Wir sind zunehmend besorgt über das Niveau der Profitabilität“, betonte er auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts. „Wir werden zweifellos noch schärfer und noch deutlicher als bisher gemeinsam darüber nachdenken müssen, welche Möglichkeiten man ergreifen kann und muss, um dieser Erosion der Profitabilität entgegenzuwirken.“

Die Kreditinstitute machen für ihre Ertragsmisere vor allem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich. Doch statt darüber zu jammern, sollten die Institute nach Meinung Hufelds besser nach Lösungen für ihr Profitabilitätsproblem suchen.

Über die Marktbedingungen sei schon viel gesprochen worden, insbesondere über die Geldpolitik, aber auch über die geopolitischen Risiken. „Das Umfeld wird aber niemand von uns weghexen können“, sagte Hufeld. Die Branche müsse damit „in irgendeiner Form leben“.

Auch er sei besorgt über die Rahmenbedingungen für die Finanzbranche. „Ich bin aber auch besorgt, wenn über dieses Thema seitens führender Vertreter der Bankenindustrie primär aus der Attitüde einer Opfermentalität gesprochen wird“, ärgerte sich Hufeld.

Kleinreden will Hufeld die Probleme nicht. „Wir werden nicht schmerzfrei aus der Sache herauskommen. Es wird Konsolidierung geben, es wird Marktaustritte geben, das ist absolut klar“, betont er. Doch die Banken sind aus seiner Sicht nicht die einzige Branche, die mit einer schwierigen Ausgangslage zu kämpfen hat.

„Wenn die deutsche Industrie der Realwirtschaft im Bereich Hightech, im Bereich Automobil, im Bereich Energie angesichts der umwälzenden Herausforderungen, die sie heute und in den letzten 20, 30 Jahren zu bewältigen hatten, mit der Attitüde einer Bankenindustrie herangehen würden, dann sähe es in Deutschland schlimmer aus“, sagte er. „Deswegen wiederhole ich meine Aufforderung: Packt die Themen an, packt sie an der Wurzel an!“

Damit zielt Hufeld vor allem auf die große Abhängigkeit deutscher, aber auch europäischer Banken von Zinserträgen ab. Das Gros der Erträge stammt aus Zinsgeschäften. Deshalb treffen die Negativzinsen der EZB die Branche hart, zumal die Notenbank anders als etwa die Schweizer Nationalbank die zu zahlenden Strafzinsen nicht staffelt.

Europas Banken zahlten der EZB wegen der Negativzinsen jährlich 7,5 Milliarden Euro, 2,3 Milliarden Euro stammten von deutschen Instituten, betonte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Hans-Walter Peters. „Das ist nicht verantwortungsvoll, das kann mir keiner erzählen“, wetterte Peters, der auch die Hamburger Berenberg Bank führt.

Ungünstiger Ertragsmix

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hatte bereits am Mittwoch vorgerechnet, dass europäische Banken im Vergleich zu ihren amerikanischen Konkurrenten im Nachteil seien, weil Europas Institute der EZB Zinsen auf ihre Einlagen zahlen müssten, während die US-Institute von ihrer Notenbank dafür Guthabenzinsen erhielten. Auf rund 40 Milliarden Dollar bezifferte Sewing die Differenz.

Doch aus Sicht des obersten deutschen Finanzaufsehers sind diese Unterschiede nicht der springende Punkt. „Der entscheidende Punkt ist, dass der Ertragsmix der amerikanischen Banken zu über 60 Prozent auf Provisionserträgen beruhen“, sagte Hufeld. Das heißt die US-Geldhäuser seien „signifikant geringer abhängig“ von der „Volatilität marktpolitischer Einflüsse“, also der Geldpolitik.

In Deutschland machen Provisionsüberschüsse etwa ein Viertel der Gesamterträge aus. Überschüsse aus Zinsgeschäften machen dagegen etwa 70 Prozent der Gesamterträge aus, zeigen Daten der Bundesbank.

Der Co-Chef der genossenschaftlichen DZ Bank, Uwe Fröhlich, betonte, die Genossenschaftsbanken hätten auch nach der Finanzkrise gezeigt, dass sie ihre Probleme „aus eigener Kraft“ hätten lösen können. Sie hätten die Krise sogar als Impuls nutzen können, um „einen konsequenten Wachstumskurs“ zu fahren und ihren Marktanteil auszubauen.

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Über die ungünstigen Rahmenbedingungen klagt er dennoch: „Was uns allen weh tut, ist eine Geldpolitik, die bei uns allen für großes Stirnrunzeln sorgt, denn ein Geschäftsmodell Banken oder Versicherungen können Sie bei Null- oder Negativzinsen dauerhaft schlicht nicht betreiben“, warnte Fröhlich.

Doch für Hufeld ist klar, die Banken müssen mit dem schwierigen Umfeld leben. „Ich glaube, dass diese Welt in den nächsten zehn Jahren nicht mehr in dieser Form weiter funktionieren kann“, betont Hufeld. „Wir müssen an die Geschäftsmodelle herangehen.“ Er wisse, das gehe nicht über Nacht – und sofern „regulatorische oder politische Flankierungen“ notwendig seien, sollte man darüber reden.

Ein gesetzliches Verbot von Negativzinsen für Privatkunden passt für Hufeld nicht in das Konzept. In dieser Frage schlägt er sich auf die Seite der Bankenbranche. „Ich würde der Politik nicht empfehlen, dieses Instrument in Erwägung zu ziehen“, sagte Hufeld – und gab damit seinem obersten Dienstherren, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Kontra.

Zuvor hatte sich bereits der für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling gegen ein solches Verbot ausgesprochen. Aus der Sicht der Bankenaufsicht müssten Geldhäuser die Spielräume haben, um ihre Kosten und ihre Erträge in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen, hatte er der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Mit diesen Instrumenten bestimmt die EZB die Geldpolitik in Europa

Scholz bekräftigte auf dem Banken-Gipfel, dass er die Möglichkeiten für den Verbot von Negativzinsen prüfen lässt. Derzeit sei es seiner Einschätzung nach aber ohnehin rechtlich schwer möglich, Kunden Strafzinsen aufzubürden. Aus Sicht von Scholz müsse man das Verhalten der Banken „weiter beobachten und prüfen und handeln“, falls man das müsse. „Aber ich glaube, es besteht genügend Klugheit bei den Vorständen und Geschäftsführern der Banken, um zu wissen, was Negativzinsen auslösen würden.“

Widerspruch kommt unter anderem von der Deutschland-Chefin der US-Bank JP Morgan, Dorothee Blessing. „Es ist eine ganz schwierige Frage, ob man das überhaupt verbieten kann“, sagt sie. „Die Negativzinsen stellen nicht nur für die Banken eine ganz, ganz schwierige Herausforderung dar.“ Man dürfe nicht vergessen, was das für den deutschen Sparer heiße. Schließlich investierten die Deutschen relativ wenig in Aktien.

Mehr: Handelsblatt-Redakteur Michael Maisch meint: Die Banken müssten der EZB eigentlich dankbar sein. Ihr Kurs sorgt dafür, dass sie endlich entschlossen Reformen angehen.

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