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Handelsblatt-Konferenz Bankentechnologie So wollen Europas Banken die digitale Aufholjagd starten

Wie wichtig ist Digitalisierung in der Finanzbranche? Bei der Handelsblatt-Konferenz Bankentechnologie gab es Anwendungsbeispiele bis hin zur KI.
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Die Deutsche Bank kämpft derzeit gleich an mehreren Fronten mit dem Thema Geldwäsche. Quelle:  Willi Nothers für Euroforum
Rede von Deutsche-Bank-COO Frank Kuhnke

Die Deutsche Bank kämpft derzeit gleich an mehreren Fronten mit dem Thema Geldwäsche.

(Foto:  Willi Nothers für Euroforum)

FrankfurtDie Diagnose ist für Markus Pertlwieser klar: Der Weg in Richtung Plattformökonomie wird die gesamte Bankenlandschaft umwälzen. Die Therapie liefert der Digitalchef des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank gleich mit: Das größte heimische Geldhaus soll sich zum Portal für alle Bedürfnisse rund um das Thema Finanzen weiterentwickeln, ähnlich wie es Amazon beim Thema Onlineshopping gelungen ist.

Die Zeit drängt für die Banken, wie der Blick auf andere Branchen zeigt, die der digitale Wandel innerhalb kürzester Zeit umgekrempelt hat. So verkaufen Fluggesellschaften heute viele Flüge nicht mehr direkt, stattdessen läuft der Vertrieb über Plattformen wie Opodo oder Kayak.

Eine ähnliche Entwicklung ist in der Bankenbranche nach Meinung von Pertlwieser schon in vollem Gange. „Im Privatkundengeschäft ist die Plattformökonomie bereits angekommen“, sagte er auf der Handelsblatt-Konferenz Bankentechnologie in Frankfurt. Daten der Unternehmensberatung Roland Berger stützen diese Aussage. Bei Produkten für Privatkunden verfügen Plattformen demnach bereits über signifikante Marktanteile, die in Summe mehr als 30 Prozent des Neugeschäfts ausmachen – mit schnell wachsender Tendenz.

Einig sind sich die Experten, dass eine Bank allein nicht alle Finanzbedürfnisse ihrer Kunden abdecken kann. Erfolgreiche Plattformen müssen deshalb Angebote von Drittanbietern integrieren. So hat die Deutsche Bank eine neue App namens Yunar gestartet, über die Kunden verschiedene Bonusprogramme verwalten können. Beim hauseigenen Zinsmarkt können Anleger Festgeldangebote anderer Anbieter nutzen. Und an das Ende Juli gestartete Firmenkundenportal Blueport sind mehrere Finanz-Start-ups angebunden.

Auf dieses Prinzip setzt auch Diane Zetzmann-Krien, die Chefin von Trumpf Financial Services. Der Maschinenbauer hat bereits 2014 eine Bank gegründet, mit ihr finanziert Trumpf aber nicht nur den Absatz der eigenen Maschinen. „Unser Ziel ist es, Finanzlösungen aus einer Hand anzubieten“, betonte Zetzmann-Krien auf der Konferenz. Deshalb finanziert Trumpf Financial auch Maschinen anderer Hersteller und hilft seinen Kunden sowohl bei der Einkaufsfinanzierung als auch bei der Absatzfinanzierung. Dabei arbeitet die Bank mit anderen Anbietern zusammen, darunter Südleasing und Unicredit, aber auch Fintechs wie Entrafin und Billie.

Vorteil für die Tech-Konzerne

Das größte Problem, das sich für die Banken beim Weg in die Plattformökonomie stellt: Viele verfolgen diese Strategie, aber längst nicht alle werden ihr Ziel auch erreichen. Weil Effizienzgewinne vor allem über Skaleneffekte laufen, droht ein harter Ausleseprozess.

Das wissen die Institute auch selbst. Eine Umfrage der Beratungsfirma Sopra Steria Consulting unter 109 Topbankern ergab, dass 54 Prozent davon ausgehen, dass künftig wenige große Banking-Plattformen den Markt beherrschen werden. Ebenfalls mehr als die Hälfte rechnet damit, dass die Plattformen „große Marktanteile zulasten von Filial- und Direktbanken“ gewinnen werden.

Künstliche Intelligenz und Big Data sollen den Geldhäusern nicht nur den Weg in die Plattformökonomie ebnen. Quelle:  Willi Nothers für Euroforum
Handelsblatt-Konferenz zur Bankentechnologie

Künstliche Intelligenz und Big Data sollen den Geldhäusern nicht nur den Weg in die Plattformökonomie ebnen.

(Foto:  Willi Nothers für Euroforum)

Deutsche-Bank-Digitalexperte Pertlwieser ist der Meinung, dass dieser Ausleseprozess erst einmal auf den nationalen Märkten stattfinden wird. In Spanien sieht er beispielsweise die Großbank BBVA gut positioniert, in Frankreich BNP Paribas, und auch die niederländische ING ist nach Ansicht des Bankers bereits weit auf dem Weg in Richtung Plattformökonomie vorangekommen.

Aber es sind nicht nur die Banken, die um die Gunst der Kunden rangeln. Für Bernd Wittkamp, den Chef von Star Finanz, dem Unternehmen für Online- und Mobile-Lösungen der Sparkassen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Internetkonzerne wie Google, Apple, Facebook oder Amazon noch weiter ins Bankgeschäft vordringen werden.

Dabei haben die Tech-Riesen nach Wittkamps Meinung einen großen Vorteil: „Eigentlich interessiert sie Banking gar nicht“ – will heißen, die Internetkonzerne hoffen durch ihre Finanzangebote vor allem auf zusätzliche Daten über ihre Kunden, auf deren Basis sie neue gewinnträchtige Produkte entwickeln können. Anders als die Banken sind Apple, Google und Co. nicht darauf angewiesen, dass die Finanzgeschäfte selbst Profite abwerfen.

KI gegen kriminelles Verhalten

Künstliche Intelligenz und Big Data sollen den Geldhäusern nicht nur den Weg in die Plattformökonomie ebnen, sie sollen auch beim Kampf gegen Finanzkriminalität helfen. Frank Kuhnke, der neue Chief Operating Officer der Deutschen Bank, setzt dabei auch auf eine neue Initiative mit dem Namen Enterprise Analytics, die vom bankeigenen Datenlabor in Dublin geführt wird.

Die Experten durchforsten mit ihren Programmen historische Daten nach Trends, Mustern und Ausnahmefällen. Es geht darum, kriminelles Verhalten gezielter aufzuspüren, egal, ob es um betrügerische Kreditanträge, Datenmissbrauch oder Geldwäsche geht.

Die Deutsche Bank kämpft derzeit gleich an mehreren Fronten mit dem Thema Geldwäsche. Das Institut hat Zahlungen der Danske Bank weitergeleitet, die in den bislang größten europäischen Geldwäscheskandal verwickelt ist. Außerdem haben Staatsanwälte die Bank in der vergangenen Woche durchsucht.

Dabei ging es um den Verdacht, dass das Institut Verdachtsfälle bei möglicherweise illegalen Transaktionen über Briefkastenfirmen nicht gemeldet hat. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat bereits im September einen Sonderbeauftragten in die Bank entsandt, weil sie mit den Sicherheits- und Vorbeugemaßnahmen nicht zufrieden war.

Eine Bank allein kann die Finanzbedürfnisse ihrer Kunden nicht mehr abdecken. Quelle:  Willi Nothers für Euroforum
Teilnehmer an der Handelsblatt-Konferenz Bankentechnologie

Eine Bank allein kann die Finanzbedürfnisse ihrer Kunden nicht mehr abdecken.

(Foto:  Willi Nothers für Euroforum)
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