Handelsblatt-Tagung Das Banken-Beben hat gerade erst begonnen

Die Finanzbranche steht vor großen Veränderungen. Urs Rohner, Verwaltungsratschef der Credit Suisse, spricht gar von "tektonischen Verschiebungen". Die verschärfte Regulierung stellt die Banken vor Herausforderungen.
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Bankenbranche steht am Wendepunkt

FrankfurtZwei Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers dämmert der Finanzindustrie langsam, dass die Erschütterungen, die dieses Bebens ausgelöst hat, noch lange nicht verebbt sind. „Die jüngsten Marktentwicklungen und die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit darauf sind eine Mahnung, dass die bisherigen Reformschritte nicht ausreichen, um das nötige Vertrauen in unsere Branche zu gewährleisten“, warnte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. Es seien erst die gröbsten Übertreibungen beseitigt.

Wenn überhaupt. Urs Rohner, Verwaltungsratschef der Credit Suisse, fürchtet gar, dass der eigentliche Umbruch bei den Banken gerade erst begonnen hat. "Wir erleben derzeit tektonische Verschiebungen", beschreibt er das Ausmaß der Veränderung. Der Grund dafür seien die Globalisierung und die verschärfte Regulierung für die Finanzkonzerne als Reaktion auf die Finanzkrise, sagte Rohner bei der Handelsblatt-Tagung.

Diese beiden Entwicklungen markierten einen Wendepunkt für das Banking. Die goldenen Zeiten seien vorerst vorbei. Die Kreditinstitute müssten sich künftig mit deutlich weniger Eigenkapitalrendite zufrieden geben als in früheren Jahren. Besonders hart treffe die Branche die neuen Anforderungen der Finanzaufsicht, insbesondere die neuen Eigenkapitalregeln nach Basel III. Dies werde sich aber nicht nur auf die Banken auswirken, sondern auch negativ auf die Gesamtwirtschaft in Europa.

Das hänge damit zusammen, sagte Rohner, dass in Europa ein Großteil der Unternehmen Kredite nachfragten, um sich zu finanzieren, statt den Kapitalmarkt anzuzapfen. Dummerweise wird es künftig sehr viel schwerer für Unternehmen, an Kredite zu kommen, weil die Banken ihr Geld beisammen halten würden wegen der Anforderungen der Regulierer.

Basel III sieht im Kern schärfere Eigenkapitalanforderungen für Banken vor, damit die Institute künftige Finanzkrisen besser überstehen können. Den vorherigen Regelrahmen Basel II hatten beispielsweise die USA bis zum Ausbruch der jüngsten Finanzkrise Mitte 2007, noch nicht ratifiziert. Basel III soll in den kommenden Jahren schrittweise eingeführt werden, um die Institute nicht zu überfordern.

Angst vor den Auswirkungen der schärferen Regulierung haben insbesondere die kleineren Institute. Die Sparkassen und andere kleine Geldinstitute sollten deswegen nach Vorstellung von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis von den neuen verschärften Regulierungsvorschriften (Basel III) ausgenommen werden. Die neue Regulierung sei „nach den Bedürfnissen international tätiger Großbanken gestaltet“, kritisierte Haasis am Montag. Dagegen entziehe sie „den stabilen kleinen, kundenorientierten Kreditinstituten durch zusätzliche Kosten und immer mehr Komplexität Stück für Stück den Boden“.

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9 Kommentare zu "Handelsblatt-Tagung: Das Banken-Beben hat gerade erst begonnen"

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  • Da werden wohl einige langsam wach. Das große Beben kommt- besser wäre es , wenn das große Beben in den Gehirnen der Masse losginge.
    @Beobachter:
    Zitat:Es ist nirgends in dem Artikel ein Problem auf Lösung hin beschrieben, geschweige denn eine Lösung skizziert.-
    ----
    die Lösungen haben in erster Linie diejenigen zu bieten die dafür bezahlt werden.
    Die Fachleute- die Politiker- wozu haben die denn einen riesigen Beraterstaab. Sind die dazu nicht in der Lage, da sollen sie ihren Posten aufgeben.
    Der Journalist hat in erster Linie aufzuklären und die Missstände aufzudecken.

  • Wir haben wohl wenig Einfluss auf diese Bankenmisere. Also, dann wenigstens als Kleinanleger dran profitieren mit ultra short ETFs gegen die Banken wetten. Macht Laune :-)

  • Mir ist auch nach zweimaliger Lektüre dieses Artikels nicht klar geworden, was damit anderes bezweckt ist, außer Unruhe zu stiften, in der Hoffnung, dass irgendwann endlich wieder Panik um sich greift.
    Es ist nirgends in dem Artikel ein Problem auf Lösung hin beschrieben, geschweige denn eine Lösung skizziert.
    Im Grunde ist der Zweck dieses Artikel ebenso profan wie unmoralisch angesichts seiner Folgen, weil er im Feuer spielt: Es geht wohl darum, dass die HB-Redaktion auf eine vom HB veranstaltete Bankentagung aufmerksam machen will.

    Das Bankenwesen (wie überhaupt das gesamte Papiergeldwesen) basiert auf Vertrauen. In keinem Markt ist es leichter, durch gezielte Verunsicherung Panik zu erzeugen, als im Finanzmarkt.

    Ein grauer Donnerhimmel über Finanz-Frankfurt mit dem Schreckenstitel "das Beben steht noch bevor" verdient in Mithaftung der Redakteure genommen zu werden, wenn er tatsächlich auslösen würde, was er ankündigt.

    Solche Marktschreierei verdient einmal danach abgeklopft zu werden, welchen Interessen sie dient!

    Wer klärt uns darüber auf?

  • Klar, die Banken müssen ihre Eigenkapitalbasis stärken (was natürlich die prozentuale Rendite darauf reduzieren würde).

    Das erstaunliche ist, dass bislang kein Vertreter der empörten Ökonomen oder gar der politischen ‘Elite’ in Deutschland oder sonstwo von der Finanzindustrie gefordert hat, ein hartes Austeritätsprogramm aufzulegen, das sie von überschuldeten Ländern ganz selbstverständlich erwartet.

    Ein Beispiel. In 2009 betrug das Durchschnittsgehalt bei der Deutschen Bank knapp 147.000€ (was im Branchenschnitt nicht viel ist, etwa bei Goldman Sachs waren es rund 500.000€).

    Mal 77.053 Beschäftigte gibt rund 11,33 Milliarden Euro an Personalkosten vor Steuerabzug. Wüde man den Durchschnitt auf immer noch hohe 65.000€ reduzieren, könnte die Deutsche Bank irgendwas um 5-6 Milliarden Euro pro Jahr an zusätzlichem Eigenkapital aufbauen, ganz ohne Steuermittel (die sie ja angebliche nieeeee erhalten hat, haha). Das Prinzip gilt natürlich auch für alle anderen Banken.

    Übrigens halte ich die Gehälter bei den Banken für einen Raubzug an deren Aktionären, aber das ist ein anderes Thema…

  • Eine andere utopische Idee vor einigen Wochen Herr Ackermann, diesmal in seiner Funktion als IIF-Präsident: Wir brauchen schnell „ein grenzüberschreitendes System zur Abwicklung von Banken." Die schnelle Umsetzung von Basel III könne laut Herrn Ackermann jedenfalls Wachstum und Arbeitsplätze vernichten. Mir sieht das eher danach aus, als wollte hier jemand Basel III untergraben. Au, Herr Ackermann, Sie haben noch etwas vergessen: In Europa (das ist der Kontinent mit den Banken, die am wenigsten Eigenkapital vorhalten) ist die Deutsche Bank dasjenige Institut mit dem größten Kapitalbedarf zur Erfüllung der Eigenkapitalrichtlinien von Basel III, satte 16 Milliarden Euro. Das lässt sich natürlich nicht mit den Zielen der Eigenkapitalrendite einer leveraged bank vereinbaren!

    Aber nicht alle sind Ackermann’s Meinung zum Thema Basel III und tun dies auch kund, wie kürzlich Fall Ex-Chefökonom des IWF, Simon Johnson, der auf das niedrige Eigenkapital und die implizite Staatsgarantie der Deutschen Bank aufmerksam macht. Beide haben Recht, nur dass Herr Ackermann seinen Investoren einen ROE von 20 bis 25% verspricht, Herr Johnson und der IWF hingegen die Stabilität des Finanzsektors im Blickfeld haben. Dass ein ROE von 25% für eine Bank, die die Realwirtschaft finanziert, nicht notwendig ist, haben Anat R. Admati et al. in einer Studie (Fallacies, Irrelevant Facts, and Myths in the Discussion of Capital Regulation) gezeigt.

    Hier wird meiner Meinung nach einer der Krisenverursacher überhaupt deutlich: Welche Funktion hat der Finanzsektor und hierbei besonders Banken und Großbanken? Die Antwort ist einfach. Die die wir ihnen geben!

  • Zur Zeit aber jammern fast alle Institute über die neuen Eigenkapitalrichtlinien von Basel III, die ein paar Prozent mehr core tier 1 Kapital vorschreiben. Viel zu wenig, wie Experten behaupten, nur in der Schweiz hat man das Problem nicht nur richtig erkannt, sondern setzt sich auch gegen die Lobby der Banker durch und erhöht die Eigenkapitalrichtlinien von Basel III um ein paar Prozent (19% für systemrelevante Institute).
    Deutschlands Banken sind im Schnitt deutlich unterkapitalisiert; und das in einem Land, in dem Unternehmen, insbesondere der Mittelstand am Tropf der Banken hängt. Nicht an dem der Großbanken, eher der klassischen Mittelstandsbanken, und die sind im Zweifel nicht unbedingt TBTF...
    Der Weg von Basel III, der eine schrittweise Erhöhung des core tier 1 Kapitals auf 9 bzw. 10% für systemrelevante Banken bis 2019(!) vorsieht, ist demnach nicht der schlechteste. Derzeit werden in Expertenkreisen zwei Lösungen des Problems erwägt, wie man immer größere Geldhäuser mit immer riskanteren Geschäftsmodellen in den Griff bekommt: Entweder man zerschlägt sie, oder das Eigenkapital wird deutlich erhöht. Ersteres stellt einen ziemlich utopischen Vorschlag dar – ungefähr wie:“ Atommeiler morgen abschalten, alle!“, bleibt vorerst nur der Ausweg die Richtlinien von Basel III möglichst durchzusetzen.

  • Jetzt jammern die Banken wieder auf hohem Niveau um die Politik wieder zu erpressen.


  • "To big to fail" ist ausgemachter Nonsense! "Not big enough to fail" ist korrekt!

  • Das einzige Problem vor dem die Banken noch stehen ist, dass sie endlich die Konkursverschleppung nich noch weiter treiben!

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