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Handelsblatt-Tagung EZB ermuntert Banken zu Fusionen

Andrea Enria, der oberste europäische Bankenaufseher, wirbt für mehr Zusammenschlüsse in der Branche. Die Finanzaufsicht Bafin steht Fusionen skeptischer gegenüber.
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Der oberster EZB-Bankenaufseher fordert mehr Fusionen. Quelle: Polaris/laif
Andrea Enria

Der oberster EZB-Bankenaufseher fordert mehr Fusionen.

(Foto: Polaris/laif)

Frankfurt Wenn Andrea Enria mit Bankern spricht, geben diese ihm bisweilen eine Mitschuld dafür, dass es in der Branche seit Jahren keine großen Zusammenschlüsse gegeben hat. Doch der oberste Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) widerspricht energisch. „Es ist ein Mythos“, sagte er am Montag auf der Handelsblatt-Tagung „European Banking Regulation“ in Frankfurt.

Die Einschätzung vieler Banker, dass die Finanzaufsicht nach einem Zusammenschluss pauschal einen höheren Kapitalpuffer von Geldhäusern verlange, sei falsch, beteuerte der Italiener. „Wir behandeln eine fusionierte Bank wie jede andere Bank.“

Aktuell gebe es viele Hürden für große Zusammenschlüsse, räumte Enria ein: Dazu zählten die geringen Bewertungen von Banken und die niedrige Profitabilität vieler Institute. Bei grenzüberschreitenden Fusionen gebe es zudem das Problem, dass in den unterschiedlichen EU-Staaten verschiedene Regeln zu beachten seien.

Dennoch ist Enria überzeugt davon, dass es früher oder später zu Zusammenschlüssen kommen wird. Zudem müssten Banken viel Geld in ihre digitale Transformation investieren und effizienter werden. „Ich sehe nicht, wie dies ohne Konsolidierung und Fusionen gelingen soll.“

Markus Ronner, Vorstand bei der Schweizer Großbank UBS, schätzt die Lage ähnlich ein: „Die reine Verteidigung eigener nationaler Champions ist ein Luxus, den sich die einzelnen Länder in Europa wahrscheinlich in der Zukunft nicht mehr leisten werden können.“ Die Finanzbranche befinde sich in einem tief greifenden technologischen Wandel, betonte Ronner.

Wenn eine Bank ihre Kapitalkosten nicht verdiene, könne sie auch die nötigen Zukunftsinvestitionen nicht tätigen. Ronner plädiert deshalb für die Schaffung starker europäischer Finanzinstitute.

Bafin bleibt skeptisch

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin steht großen Fusionen deutlich skeptischer gegenüber als die EZB. Es gebe nicht nur das Problem, dass Banken zu groß werden könnten, um sie im Fall einer Krise untergehen zu lassen („too big to fail“), sagte der oberste Bafin-Bankenaufseher Raimund Röseler. Finanzinstitute könnten durch Fusionen auch so komplex werden, dass sie für das Management nicht mehr steuerbar seien („too big to manage“).

Man könne durch Zusammenschlüsse Synergieeffekte erzielen und vielleicht auch Freiräume für Investitionen schaffen, sagte Röseler. In den allermeisten Fällen, die er mitbekomme, überträfen die zusätzliche Komplexität und die Transformationsverluste aber die potenziellen Vorteile. „Glaubt jemand ernsthaft, dass sich die grundlegenden Herausforderungen des deutschen Bankensektors ändern würden, wenn wir statt aktuell 1400 Banken vielleicht nur noch 700 oder 500 hätten?“, fragte Röseler rhetorisch.

Die Aufseher der Bafin sind Teil der europäischen Bankenaufsicht, die vor fünf Jahren die Kontrolle der wichtigsten Geldhäuser der Euro-Zone übernommen hat. Die meisten Teilnehmer der Handelsblatt-Tagung zogen insgesamt eine positive Bilanz der neuen Aufsichtswelt – in einzelnen Punkten gab es jedoch scharfe Kritik. Es gebe ein „gutes Gleichgewicht von nationaler Kompetenz und europäischer Perspektive“, sagte Röseler.

Doch einige Dinge stören ihn – beispielsweise bei der Festlegung von Prioritäten. „Man macht alles sehr gründlich, auch Sachen, die weniger risikorelevant sind“, sagte der Bafin-Exekutivdirektor. „Da gibt es sicherlich Potenzial, mal das eine oder andere etwas zu entschlacken.“

Kritik kommt auch vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). „Man hinterfragt manchmal gar nicht, ob das eine Frage ist, die die gesamte Branche betrifft, oder ob es ein eher individuelles Problem ist“, monierte BdB-Aufsichtsexperte Dirk Jäger. Auch das Ziel, dass nationale Befindlichkeiten durch die Übernahme der Bankenaufsicht durch die EZB in den Hintergrund gedrängt werden, wurde nur teilweise erreicht, sagt Bankenaufsichtsexperte Andreas Steck von Linklaters.

Grundsätzlich habe es hier zwar Fortschritte gegeben, sagte Steck. „Aber in Krisensituationen und bei der Rettung beziehungsweise Abwicklung von Banken spielen nationale Interessen nach wie vor häufig eine Rolle.“

Mehr Transparenz

Bafin-Aufseher Röseler stimmt zu, dass es in Krisenfällen nach wie vor eine „politische Komponente“ gebe. Dass nationale Aufseher dann stärker involviert seien, habe jedoch auch Vorteile, sagte Röseler. Schließlich kennen diese die Bank und ihr Umfeld besser und sprechen dieselbe Sprache. „Das gewinnt gerade in Krisenzeiten an Bedeutung.“

Grundsätzlich gebe es aber auch in Krisensituationen in den EZB-Gremien „eine strenge europäische Perspektive“, erklärte Röseler. „Keiner wird auf uns hören, wenn wir etwas wollen, was alle anderen für unnötig halten.“

Der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria betonte, die Banken hätten in den vergangenen Jahren ihre Kapitalpuffer ausgebaut und den Anteil ausfallgefährdeter Kredite reduziert. In anderen Bereichen gebe es jedoch noch Luft nach oben. So müsse die EZB-Aufsicht ihre Entscheidungen gegenüber Banken und Investoren besser erklären.

Zudem sprach sich Enria dafür aus, dass Banken künftig einheitlich an die Märkte kommunizieren, wie hoch die individuellen Kapitalzuschläge sind, die ihnen die Finanzaufsicht vorschreibt.

Mehr: EBA-Chef José Manuel Campa spricht über unnötigen Ballast bei der Regulierung von Geldhäusern – und schlägt eine Neuregelung bei Interessenkonflikten vor.

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