Handelsblatt testet Das sind die besten Kreditkarten für den Urlaub

Im Inland nutzen die Deutschen ihre Kreditkarten kaum, auf Reisen dafür umso ausgiebiger. Wo es die besten Konditionen gibt.
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Direktbanken kassieren fürs Geldabheben – doch für ihre Kunden gibt es eine Alternative

KölnWer Ende Mai mit einer Kreditkarte von Visa bezahlen wollte, erlebte unter Umständen eine böse Überraschung. Über mehrere Stunden hinweg sorgte eine Störung bei dem Kartenanbieter dafür, dass in ganz Europa viele Visa-Transaktionen nicht funktionierten.

Grund für den Ausfall war dem Unternehmen zufolge ein Hardware-Fehler. Dieser war zwar rasch wieder behoben. Vor allem betroffene Urlauber dürften aber einen Schreck bekommen haben: ohne funktionierende Kreditkarte in einem fremden Land – ein Horrorszenario.

In Deutschland ist das Bezahlen per Kreditkarte nicht sehr weit verbreitet. Im vergangenen Jahr kam es bei gerade einmal 1,6 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz, zeigt eine Untersuchung der Deutschen Bundesbank. Bei rund drei Vierteln aller Zahlungen wechselte dagegen Bargeld den Besitzer.

Dabei haben inzwischen mehr als ein Drittel der Deutschen eine Kreditkarte im Portemonnaie. Der Grund für diese Diskrepanz: Bei Zahlungen im Inland ist die Kreditkarte zwar nicht das Mittel der Wahl. Im Ausland aber schon.

„Ohne Kreditkarte hat man außerhalb Europas ein Problem“, sagt Hugo Godschalk, Geschäftsführer der Beratung Paysys, die auf bargeldlosen Zahlungsverkehr spezialisiert ist. Viele deutsche Bankkarten funktionierten höchstens noch im europäischen Ausland. In exotischeren Ländern, etwa in Asien, werde es schwierig. „Wer außerhalb Europas reist, benötigt eine international akzeptierte Kreditkarte wie die Visa- oder Mastercard“, sagt Godschalk.

Dazu passt die Kartenmarkt-Statistik von Paysys. Sie zeigt: Bei Kreditkarten entfällt im Schnitt fast die Hälfte des jährlichen Umsatzes auf Transaktionen im Ausland. Bei herkömmlichen Bankkarten haben Auslandstransaktionen gerade einmal einen Umsatzanteil von zwei Prozent.

Die FMH-Finanzberatung hat für das Handelsblatt 47 Kreditkarten getestet. Der Schwerpunkt lag auf den Konditionen für den Einsatz im Ausland. Mehrere der Karten sind eigentlich Debitkarten. Das heißt: Im Gegensatz zu echten Kreditkarten wird das Konto nach dem Einsatz sofort belastet. Für die Verwendung im Ausland spielt das bei ausreichender Kontodeckung keine Rolle.

Wichtig ist, vor Vertragsabschluss die Konditionen zu vergleichen. Die FMH-Untersuchung zeigt: Sowohl die Kosten fürs Bezahlen außerhalb des Euro-Raums als auch die Gebühren fürs Bargeldabheben an ausländischen Automaten unterscheiden sich deutlich.

Bei Kreditkarten ohne angeschlossenes Girokonto treffen Kunden mit der 1plus Visa Card von Santander eine besonders gute Wahl. Für diese Karte fallen keine fixen Gebühren an, und sowohl das Bezahlen als auch das Geldabheben im Ausland sind kostenlos. Gerade Letzteres ist keineswegs selbstverständlich, berichtet FMH-Chef Max Herbst. „Fremdwährungstransaktionen sind nicht mehr so häufig kostenfrei wie noch vor einigen Jahren“, sagt er.

So zahlen Kunden beispielsweise mit der Barclaycard New Visa 1,99 Prozent je Transaktion an Gebühren, wenn sie außerhalb des Euro-Raums Rechnungen begleichen oder am Geldautomaten Scheine in einer fremden Währung ziehen.

Damit zahlen die Deutschen am liebsten
Platz 6: Sonstige, z.B. mobiles Bezahlen
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Der Umsatzanteil von Zahlungsarten wie dem Bezahlen per Smartphone lag 2015 im stationären Einzelhandel bei nur 0,6 Prozent. Auf marktreife mobile Bezahllösungen wartet der Handel noch immer. Die Voraussetzungen dafür hat er allerdings größtenteils geschaffen. So ist kontaktloses Bezahlen bereits in der Hälfte der großen Unternehmen möglich. Bis zum Jahresende wird sogar erwartet, dass er auf gut 60 Prozent steigen wird. Das hat eine aktuelle Studie des EHI Retail Institute für Handel ergeben.

Platz 5: Rechnung
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Nur an vorletzter Stelle befindet sich das Bezahlen per Rechnung auf der Beliebtheitsskala der Deutschen. Der Anteil am Umsatz des stationären Einzelhandels beträgt hier nur 2,5 Prozent.

Platz 4: Kreditkarte
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Im Dezember 2015 wurden EU-weit die InterChange-Gebühren auf 0,3 Prozent für Kredit- und 0,2 Prozent für Debitkarten gedeckelt. Die Folge ist, dass nun auch Discounter wie Aldi und Lidl und große Unternehmen anderer Branchen wie Media-Saturn flächendeckend Kreditkarten akzeptieren. Das hat zu einem Anstieg der Kreditkartenumsätze auf 22,9 Milliarden Euro geführt. Das Institut EHI geht davon aus, dass sich dieser Effekt im laufenden Jahr weiter verstärken und für Kreditkarten einen weiteren Zuwachs auf 6,2 Prozent bringen wird. Im Moment liegt der Umsatzanteil bei Zahlungen per Kreditkarte im Einzelhandel bei 5,7 Prozent.

Platz 4: Kreditkarte
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Beschwerden gibt es allerdings über neue zusätzliche Systemgebühren, die MasterCard entwickelt hat. Es wird dabei vermutet, dass so die Erleichterungen für den Handel umgangen werden. Unzufriedenheit herrscht außerdem über die unterschiedliche Gebührenbelastung für private Kunden einerseits und für die erstaunlich hohe Zahl von Business Cards andererseits, die nicht von der Regulierung erfasst wurden.

Platz 3: EC-Lastschrift
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Das EC-Lastschriftverfahren wurde eigentlich schon vielfach totgesagt. Doch 2015 stieg der Umsatzanteil um 0,8 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent. 77,7 Prozent aller großen Handelsunternehmen setzen auf das EC-Lastschriftverfahren – vor allem in Kombination mit dem Electronic-Cash/Girocard-System.

Platz 2: Girocard / EC-Cash
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Am zweitliebsten zahlen die Deutschen mit der Girokarte. 2015 lag der Umsatzanteil der Zahlung per EC-Cash im stationären Einzelhandel bei 23,2 Prozent. Von der Regulierung profitiert hat das System jedoch nicht. Zum ersten Mal seit der Einführung 1990/1991 hat es an Anteil verloren – und zwar um 0,5 Prozentpunkte. Es liegt nahe, dass die Ursache hierfür die Einführung und der Ausbau der Kreditkartenakzeptanz im Einzelhandel ist.

Platz 1: Bargeld
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Am liebsten zahlen die Deutschen noch immer mit Bargeld. Der Umsatzanteil im stationären Einzelhandel lag hier 2015 bei 52,4 Prozent. Trotzdem wird immer wieder über eine Bargeldobergrenze diskutiert. Befürworter führen vor allem ein vereinfachtes Handling an der Kasse und geringere Kosten der Geldversorgung an, insbesondere dann, wenn Ein-Cent- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden würden. Kritiker fürchten hingegen, dass viele Kunden dafür wenig Verständnis hätten - zumal Preise abgeändert und Kassen neu programmiert werden müssten.

Unter den untersuchten Kreditkarten in Verbindung mit einem Girokonto liegt die DKB Visa Card der Direktbank DKB vorn. Wie bei Santander werden weder Kosten noch Gebühren fällig – wenn auf dem dazugehörigen Girokonto mindestens 700 Euro pro Monat eingehen.

Lenken Kunden ihre Zahlungsströme entsprechend, kommen sie bei DKB günstiger davon als etwa bei der Volkswagen-Bank. Bei der Volkswagen Visa Card fallen für Transaktionen in Fremdwährungen 1,75 Prozent der Rechnungs- oder Abhebesumme als Gebühr an, zuzüglich zu einer jährlichen Kreditkartengebühr in Höhe von 33 Euro.

Versicherungsschutz nicht optimal

Ein Sonderfall sind Kreditkarten, die Versicherungen enthalten. In der Regel handelt es sich dabei um sogenannte Gold- oder Platin-Karten. Die FMH-Experten haben solche Angebote separat getestet. Auf den ersten Blick kann es sich für Vielreisende lohnen, Gebühren für eine Gold-Karte zu zahlen, wenn sie im Gegenzug umfassenden Reiseversicherungsschutz bekommen.

So kostet schon allein eine Reiserücktritts- inklusive Reiseabbruchversicherung für einen 3000 Euro teuren Urlaub im Schnitt rund 100 Euro pro Person, zeigen Zahlen von FMH. Zum Vergleich: Die Eurowings Kreditkarte Gold vom Anbieter Barclaycard, die in der FMH-Auswertung den zweiten Platz belegt, ist im ersten Jahr gratis und kostet danach 69 Euro pro Jahr.

Verbraucherschützer sehen Kreditkarten mit eingebautem Versicherungsschutz trotzdem kritisch. Sie weisen darauf hin, dass Urlauber oft doppelt versichert sind, nicht immer alle Versicherungen tatsächlich benötigen – und dass man in der Regel die Reise mit der Kreditkarte bezahlt haben muss, damit der Versicherungsschutz im Schadenfall greift.

Insbesondere bei vermeintlich günstigen Angeboten ist Vorsicht geboten. So hat es die Mastercard der luxemburgischen Advanzia-Bank in der FMH-Auswertung auf Platz eins der Kreditkarten mit integrierter Versicherungsleistung geschafft, weil Nutzer weder eine Jahresgebühr noch Gebühren für Auslandstransaktionen zahlen müssen.

Auch die enthaltenen Versicherungen sind großzügig: Reiserücktritt, Reisekranken-, Gepäckversicherung, Auslandshaftpflicht, Flug- und Verspätungsversicherung. Aber die Sache hat einen gefährlichen Haken: Wer mit der Kreditkarte Bargeld abhebt, zahlt ab dem Abhebungstag satte 22,9 Prozent Effektivzins. Und zwar so lange, bis der Rechnungsbetrag an die Advanzia-Bank zurücküberwiesen wurde.

Bye Bye Bargeld – So bezahlen wir in der Zukunft

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