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Handelsblatt testet Was die Unfallversicherung leistet und für wen sie sinnvoll ist

Wer bietet die beste Unterstützung bei Invalidität? Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat Anbieter von Unfallversicherungen in Deutschland geprüft.
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Spezielle Policen sollen Absicherung bei Unfällen bieten. Quelle: The Image Bank/Getty Images
Mountainbikerinnen im Gebirge

Spezielle Policen sollen Absicherung bei Unfällen bieten.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

KölnMit sinkenden Temperaturen steigt das Risiko: Bricht der Winter ein, wächst die Gefahr eines Unfalls stark an. Wenn es früh dunkel wird und die Straßen sowie die Gehwege glatt sind, nimmt die Zahl der verunglückten Fußgänger nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Vergleich zum Sommer um rund 50 Prozent zu.

Auch der Wintersport birgt beträchtliche Risiken: 40.000 Skifahrer aus Deutschland müssen sich in jeder Saison laut Erhebungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ärztlich behandeln lassen. Jeder fünfte bei Versicherungen gemeldete Sportunfall geschehe beim Ski- oder Snowboardfahren, hat der Verband herausgefunden.

Für eine Absicherung bei schwerwiegenden Verletzungen soll eine private Unfallpolice sorgen. Sie springt ein, wenn der Unfall dauerhafte körperliche oder geistige Beeinträchtigungen, also eine Invalidität, nach sich zieht. Die Versicherungsleistung soll den zusätzlichen Kapitalbedarf decken: Mit dem Geld kann der Versicherte zum Beispiel eine Haushaltshilfe bezahlen oder seine Wohnung barrierefrei umbauen. Klassisch ist die Einmalzahlung, doch auch monatliche Unterstützung kann vereinbart werden.

Aber welche der mehr als 120 Anbieter von Unfallversicherungen, die der Branchenverband GDV in Deutschland zählt, sind empfehlenswert? Und für welche Zielgruppen kommen ihre Policen in Betracht?

Nicht nur Sportler, auch Hausmänner und Hausfrauen sollten einen Abschluss erwägen. Denn sie verbringen vergleichsweise viel Zeit zu Hause, wo die meisten Unfälle passieren und die gesetzliche Unfallversicherung nicht einspringt. Die Verbraucherzentralen sehen die Unfallpolice im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung nicht als unverzichtbar an, schreiben ihr aber als Zusatzversicherung durchaus Nutzen zu.

Es gibt keine Faustregel, für wen sich eine Police lohnt

Eine eindeutige Faustregel, für wen sich eine Unfallpolice lohnt, gibt es jedoch nicht – die Entscheidung bleibt individuell: „Jeder muss für sich selbst abwägen, wie hoch sein Risiko ist, durch einen Unfall eine dauerhafte körperliche Beeinträchtigung zu erleiden“, erläutert Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter bei der Hannoveraner Ratingagentur Franke und Bornberg.

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Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Unfallversicherungen mit Topschutz untersucht mit Fokus auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. In diese Kategorie fallen Unfallversicherungen, die mit ihren Leistungen über den Grundschutz hinausgehen und zum Beispiel auch kosmetische Operationen finanzieren oder Verletzungen und Infektionen durch Tiere als Unfall anerkennen.

Rund zwei Drittel der 35 untersuchten Versicherungstarife schnitten mit der Note „Sehr gut“ oder „Gut“ ab. Im Ranking von Franke und Bornberg haben es überwiegend kleinere Gesellschaften auf die vorderen Plätze geschafft. Ganz oben auf dem Treppchen landete in diesem Jahr die Gegenseitigkeit Versicherung Oldenburg (GVO) – gefolgt von der Waldenburger Versicherung und dem LBN Versicherungsverein.

Die Positionierung am Markt ist für die Anbieter von Unfallpolicen durchaus knifflig. Gerade für Topschutz-Anbieter sind Zusatzleistungen ein zweischneidiges Schwert. Zunächst lockt eine Assekuranz mit ihnen zwar neue Versicherte. Allerdings verursachen diese Leistungen auch weitere Kosten. „Viele Versicherer gehen an ihre Schmerzgrenze, was die Abwägung des Risikos angeht, um sich im Wettbewerb zu behaupten“, hat Branchenexperte Franke beobachtet.

Die Analyse zeigt zudem: Es zählt auch die Beweglichkeit der Anbieter. „Flexible Versicherer stellen sich schneller auf Kundenbedürfnisse ein“, erläutert Franke. Häufig werden Policen über Makler angeboten, die in der Auswahl der Versicherer frei sind.

Branchenbeobachter sehen dies als zusätzlichen Antrieb, in die Qualität der Tarife zu investieren – um sich so von der Konkurrenz abzuheben. Kleinere Anbieter berichten, die Kommunikation mit Maklergesellschaften sei bei ihnen „Chefsache“ – es gehe auch darum, dass die Führungsetage einen direkten Draht zum Markt behalte. Makler wiederum würden Gesprächspartner auf Augenhöhe schätzen.

Unfallversicherungen im Test

Mit 47 Prozent hat knapp die Hälfte aller Deutschen eine private Unfallversicherung abgeschlossen, berichteten die Meinungsforscher des Instituts Forsa im Oktober vergangenen Jahres laut einer Befragung im Auftrag der Versicherung Cosmos-Direkt. Für den Verbraucher kann es angesichts der Vielzahl und der Breite der Angebote schwierig sein, einen Überblick zu gewinnen.

So muss ein Anbieter, der mit einer besonders hohen Versicherungssumme bei einer hundertprozentigen Invalidität wirbt, nicht automatisch der passende sein. Oft nämlich haben Unfälle weniger gravierende Folgen. Eine vergleichsweise hohe Leistung bei einem geringeren Invaliditätsgrad kann für einen Versicherten deshalb eine geeignetere Lösung sein.

Zu kurz greift auch der Preis als ausschlaggebendes Auswahlkriterium. Experte Franke warnt davor, gleich beim günstigsten Angebot zuzuschlagen. „Der Preis ist nicht allein entscheidend“, erläutert der Rating-Fachmann. „Man sollte eine Unfallversicherung nicht automatisch ausschließen, nur weil sie eine hohe Prämie verlangt. Dahinter stehen oft umfangreiche Zusatzleistungen, die den reinen Unfallschutz ergänzen.“

Assistance-Leistungen sind gefragt

Zu den Extras gehören auch Apps, mit denen Kunden online möglichst mühelos beispielsweise Versicherungs-Bausteine hinzubuchen oder auch die Versicherungssumme erhöhen können. Sie sind in der Gunst spürbar gestiegen, hat Franke beobachtet. Zunehmend nachgefragt werden auch die sogenannten Assistance-Leistungen. Diese können zum Beispiel Geldleistungen für Haushaltshilfen umfassen oder Umschulungsmaßnahmen, wenn ein Unfallopfer seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann.

Die Bayerische, die im Ranking ein „Gut“ erhalten hat, bietet schon seit einigen Jahren solche Assistance-Leistungen an. 5600 Personen seien beim Anbieter mittlerweile mit diesen Extras versichert, sagt Andreas Buhre, Leiter des Portfoliomanagements bei der Bayerischen. Um wie viel die zusätzlichen Leistungen eine Unfallprämie verteuern, will er nicht preisgeben.

Sicher ist Buhre jedoch, dass Assistance-Leistungen kein kurzlebiger Trend sind: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Assistance sich nicht nur in der Unfallversicherung, sondern in allen Sparten stärker entwickeln wird. Dabei steht im Vordergrund, dass Kunden vom Versicherer verstärkt Unterstützung im Leistungsfall – und damit meinen wir nicht nur monetäre Unterstützung – nachfragen werden.“

Doch trotz der erweiterten Leistungen der Unfallversicherer ist die Zahl der verkauften Policen in Deutschland zuletzt zurückgegangen – als einziges Segment innerhalb der Sparte Schaden- und Unfallversicherung. 0,6 Prozent beträgt das Minus des Jahres 2017.

Dass die Unfallversicherung bei Kunden an Attraktivität verloren hat, mag man beim GDV aber nicht aus diesen Zahlen herauslesen: „Der leichte Rückgang der Vertragsstückzahlen in der Unfallversicherung dürfte teilweise darauf zurückzuführen sein, dass Einzelrisiken zunehmend in Gruppen- oder Familienverträgen zusammengefasst werden“, sagt eine Sprecherin.

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