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Handelsfinanzierung Wie Banken indirekt von Handelskonflikten profitieren

Der Außenhandel wird für deutsche Exportfirmen aufgrund internationaler Handelskonflikte schwieriger. Für Banken bedeutet das mehr Geschäft.
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Höhere Risiken für Exporteure sind gut für die Geschäfte der Banken. Quelle: Moment/Getty Images
Hamburger Hafen

Höhere Risiken für Exporteure sind gut für die Geschäfte der Banken.

(Foto: Moment/Getty Images)

FrankfurtNeue Sanktionen gegen den Iran, eine Wirtschaftskrise in der Türkei und diverse Handelsstreitigkeiten der USA: Für die deutschen Exporteure sind die steigende Zahl an Konflikten und der wachsende Protektionismus eine große Herausforderung. Denn das Umfeld für den weltweiten Handel hat sich dadurch spürbar verschlechtert. „In den letzten drei Jahren sind die globalen Risiken gestiegen“, beobachtet etwa Ludovic Subran, der Chefvolkswirt der Euler-Hermes-Gruppe.

Seit 2015 habe es bei den Länderrisiken mehr Herabstufungen als Verbesserungen gegeben. Insgesamt wurden in dieser Zeit 42 Länder wie etwa China, Indien oder Brasilien schlechter eingestuft, nur bei 35 Ländern, darunter Russland, verbesserte sich die Lage. Für dieses Jahr erwartet Subran einen Anstieg der Insolvenzen, insbesondere in China.

Für Institute wie Deutsche Bank, Unicredit oder Commerzbank, die einen großen Teil des deutschen Außenhandels finanzieren, bedeutet das mehr Geschäft. Die Institute sichern Export- und Importfirmen etwa gegen Währungsrisiken ab oder stellen über Akkreditive sicher, dass ein Unternehmen für seine gelieferte Ware auch bezahlt wird. „Durch die wachsende Unsicherheit steigt der Bedarf an Absicherungen“, sagt Thomas Dusch, Vizechef des globalen Transaction Bankings der Unicredit.

Er sieht einen wachsenden Bedarf etwa in Afrika, dem Nahen Osten und bestimmten Märkten in Zentral- und Osteuropa. „Unternehmen sichern sich vor allem beim Einstieg in neue Märkte oder bei Geschäften mit neuen Partnern ab.“

Hohe Priorität

Das beobachtet auch sein Kollege von der Deutschen Bank. Die Unternehmen in Deutschland zögen sich wegen der steigenden Anzahl an Konflikten nicht aus dem Außenhandel zurück, sagt Daniel Schmand, der das Handelsfinanzierungsgeschäft der Deutschen Bank leitet. „Gerade weil sich die Konjunktur eintrübt und traditionelle Absatzmärkte wegbrechen, müssen Unternehmen verstärkt neue Märkte in anderen Ländern erschließen“, sagte er.

Die Handelsfinanzierung trägt aktuell etwa ein Drittel des Umsatzes der Transaktionsbank des Instituts. „Das Handelsfinanzierungsgeschäft genießt höchste Priorität im Vorstand“, so Schmand. „Wir wollen weiter zwischen zehn und 20 Prozent im Jahr wachsen.“

Auch die Unicredit baut ihr Engagement in dem Feld aus – in Deutschland und gruppenweit. Bei der Commerzbank sind die Erträge in der Handelsfinanzierung 2018 ebenfalls gestiegen und Marktanteile ausgebaut worden. „Auch 2019 erwarten wir eine gute Entwicklung“, sagt Commerzbank-Bereichsvorstand Frank-Oliver Wolf.

Die großen Handelsfinanzierer profitieren davon, dass sich das Geschäft nicht für alle Kreditinstitute lohnt. Der Bedarf an solchen Instrumenten steigt zwar, aber die Zahl der Geldhäuser, die Handelsfinanzierungen insbesondere in Hochrisikoländern anbieten, geht insgesamt zurück. „Für Banken mit wenig Transaktionen in der Handelsfinanzierung lohnt es sich nicht, in allen Weltregionen das mit Kosten und Kontrollen verbundene Korrespondenzbankennetz aufrechtzuerhalten“, erklärt Schmand.

Kleine Banken verzichten

Die verbliebenen Kreditinstitute lassen sich das entsprechend entlohnen: „Die Margen im Geschäft gehen nach oben, weil die Risiken steigen und weil es gerade in Hochrisikoländern weniger Konkurrenz gibt“, sagt Schmand. „Je kleiner und exotischer Länder sind, desto weniger Wettbewerber gibt es in der Regel und desto höher sind die Margen“, sagt Commerzbank-Manager Wolf.

Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen. „Die Kosten und Risiken in der Handelsfinanzierung werden weiter steigen“, prognostiziert Deutschbanker Schmand.

In den vergangenen Jahren haben viele Geldhäuser ihre Kontakte zu Banken in anderen Ländern ausgedünnt: Staatliche Behörden nehmen die Institute beim Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung stärker in die Pflicht und erwarten, dass die Geldhäuser ihre Partnerbanken und internationale Zahlungsströme genau überwachen. Das ist aufwendig – auch für die großen Kreditinstitute.

„Ein breites Korrespondenzbankennetz ist wichtig, um Unternehmen schnelle Zusagen für bestimmte Finanzierungsinstrumente geben zu können“, erklärt Dusch von der Unicredit. Auch sein Geldhaus habe das Netz an Partnerbanken „adjustiert“, habe dabei aber auch genau „analysiert, wo unsere Kunden künftig handeln wollen“.

Die Commerzbank, die einst das breiteste Korrespondenzbankennetz aller deutschen Institute hatte, halbierte ihr Netz in den vergangenen Jahren auf rund 2.500. Anfang dieses Jahres beschloss der Vorstand dann aber, die Zahl der Korrespondenzbanken wieder um zehn Prozent zu erhöhen, wie Firmenkundenvorstand Michael Reuther kürzlich sagte. Das gilt vor allem für Schwellenländer in Asien, Afrika und Südamerika. Die Bank habe nun bessere Kontrollsysteme, und die Mitarbeiter seien besser geschult.

Auch Deutschlands größte Privatbank hat die Risiken aus ihrem Korrespondenzbankennetz „deutlich reduziert“, ohne sich aber in der Handelsfinanzierung aus einzelnen Ländern ganz zu verabschieden. „Wir sind noch immer in 156 Ländern präsent. Wir leisten es uns nur nicht mehr, in Hochrisikoländern gleich mit 30 Partnerbanken zusammenzuarbeiten“, erklärt Deutschbanker Schmand die Entwicklung. „Wir haben in Hochrisikoländern mindestens eine, höchstens aber drei Korrespondenzbanken.“

Mehr: Auch die Deutsche Bank stärkt ihr Geschäft mit der Handelsfinanzierung. Insbesondere in Südasien will sie ihr Netz massiv ausbauen.

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