Hans-Günter Henneke „Eine Sparkasse sollte lieber in Filialen investieren, als Geld an die Kommune auszuschütten“

Der Hauptgeschäftsführer des Landkreistages mahnt die Sparkassen zur Vorsicht bei Filialschließungen und warnt vor den Folgen zu vieler Fusionen.
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Interview: Hans-Günter Henneke zu Filialschließung bei Sparkassen Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Hans-Günter Henneke

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages warnt davor, dass sehr große Sparkassen wie die Kreissparkasse Köln durch Fusionen noch mehr wachsen.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtHans-Günter Henneke, seit 2002 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Landkreistages, hat die deutschen Sparkassen genau im Blick. Schließlich sind die Kommunen, also die Landkreise sowie Städte, Träger und somit quasi die Eigentümer der Sparkassen. Dem Deutschen Landkreistag gehören 294 Landkreise an. Derzeit gibt es 385 Sparkassen.

Herr Professor Henneke, im Landkreis Göttingen wollen voraussichtlich vier Sparkassen fusionieren, darunter auch die bisher kleinste Sparkasse, die Stadtsparkasse Bad Sachsa. Ist das ein Zeichen dafür, dass weitere kleine Sparkassen sich mit größeren zusammenschließen?
Nein, das kann man so nicht sagen. An der Entwicklung rund um die Stadtsparkasse Bad Sachsa ist rein gar nichts dramatisch. Es ist nämlich der Normalfall, dass ein Landkreis eine Sparkasse trägt. Insofern ist eher ungewöhnlich, dass es neben der Sparkasse Göttingen künftig eine weitere – durch Zusammenschluss der vier Institute – geben soll. Aus unserer Sicht sollte die Grundregel „ein Träger, eine Sparkasse“ gelten, wobei die Strukturen im Landkreis Göttingen natürlich historisch erklärbar sind.

Rechnen Sie dann nicht mit weiteren Fusionen unter Sparkassen, die unter der zunehmenden Regulierung und den niedrigen Zinsen ächzen?
Doch, es wird weitere Zusammenschlüsse geben. Das ist an sich auch kein Problem. Selbst wenn es nur noch 325 Sparkassen gäbe, wäre das nicht schlimm.

Warum ausgerechnet 325 Sparkassen?
Eine punktgenaue Zahl kann man selbstverständlich nicht nennen. Bis zu dieser Zahl wären aber die Grundstrukturen der Trägerschaft von Kreisen und kreisfreien Städten ohne Weiteres beizubehalten. Gleiches gilt für die bestehenden Zweckverbände insbesondere im Badischen und Westfälischen. Diese historisch gewachsenen Strukturen sollte man respektieren.

Ich sehe aber etwas anderes kritisch: Wenn sehr große Sparkassen, die bereits mehrere Landkreise in ihrem Geschäftsgebiet vereinen, durch Fusionen über weitere Landkreise hinweg noch größer werden. Das gilt vor allem für die Kreissparkasse Köln und die Mittelbrandenburgische Sparkasse aus Potsdam. Sie haben Größenordnungen erreicht, die sie nicht weiter ausdehnen sollten.

Was ist denn das Problem, wenn diese Sparkassen noch größer würden?
Es geht immer um die Überschaubarkeit des Raumes. Ein Sparkassenvorstand sollte den Wirtschaftsraum, in dem er tätig ist, noch genau kennen und die Kunden sollten sich mit der Sparkasse identifizieren können. Gleiches gilt für die Landkreise als Sparkassenträger: Sie wirken seit jeher ebenfalls innerhalb der Kreisgrenzen. Man könnte das auch Verantwortung für die eigene Heimat nennen.

Sie haben die Sparkassen auch schon gewarnt, nicht zu viele Filialen zu schließen. Sie müssen doch aber sparen, und in manche Filialen kommen einfach kaum mehr Kunden.
Natürlich muss eine Sparkasse eine Filiale nicht aufrechterhalten, wenn dort pro Tag nur drei Kunden vorbeikommen. Aber eine Sparkasse muss als kommunale Einrichtung sichtbar sein – und das gelingt in erster Linie durch Filialen. Ich kann nur wiederholen: Man sollte nicht den Rückzug aus der Fläche propagieren. Sparkassen sollten vielmehr überlegen, ob sie Filialen mit anderen teilen können, mit einem Bäcker oder einem Metzger zum Beispiel. Mein Appell ist, dass eine Sparkasse lieber in das Bestehen von Filialen investieren sollte, als Geld an die Kommune auszuschütten. Denn das ist eine Investition in die Infrastruktur und das Dienstleistungsangebot vor Ort, die wahrgenommen wird.

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