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Hauptversammlung Aktionäre stehen hinter Zielke: Commerzbank-Chef mit 99,8 Prozent entlastet

Der Commerzbank-Chef sieht das Management auf dem richtigen Weg – und hat dabei nahezu alle Aktionäre hinter sich. Auch Aufsichtsratschef Schmittmann kann sich freuen.
Update: 22.05.2019 - 17:28 Uhr Kommentieren
Das Geldhaus will seine Ausrichtung für die nächsten Jahre im Herbst vorlegen, kündigte der Commerzbank-Chef an. Quelle: AFP
Martin Zielke

Das Geldhaus will seine Ausrichtung für die nächsten Jahre im Herbst vorlegen, kündigte der Commerzbank-Chef an.

(Foto: AFP)

FrankfurtDie geplatzten Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank haben bei Martin Zielke nicht auf die Stimmung geschlagen. Im Gegenteil: Gut gelaunt zeigte sich der Vorstandschef am Mittwoch auf der Hauptversammlung von Deutschlands zweitgrößer Privatbank in Wiesbaden.

Im Laufe des Tages dürfte sich Zielkes Stimmung sogar noch verbessert haben. Im Gegensatz zur Spitze der Deutschen Bank, die auf der Hauptversammlung am Donnerstag um ihre Entlastung bangen muss, erhielten Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und Zielke Rückendeckung von den Aktionären. Der Aufsichtsratschef wurde beim Aktionärstreffen mit 99,2 Prozent entlastet, der Vorstandsvorsitzende mit 99,8 Prozent.

Die Verhandlungen mit der Deutschen Bank hätten dem Commerzbank-Management bestätigt, „dass wir bereits sehr vieles richtig machen und die passende Strategie haben“, sagte Zielke. Zudem habe das Geldhaus sehr viel Zuspruch durch ihre Kunden erfahren. „Die Gespräche haben aber auch gezeigt, wo wir möglicherweise unsere Strategie nachschärfen sollten“, erklärte Zielke. Ihre Ausrichtung für die nächsten Jahre wollen die Gelben im Herbst vorlegen.

Die Commerzbank setzt auf Wachstum im Privat- und Firmenkundengeschäft. Doch Zielke hat eingeräumt, dass die Bank damit aktuell in Deutschland keine international wettbewerbsfähigen Renditen erwirtschaften kann. Während der Fusionsgespräche erklärte Zielke, organisches Wachstum habe den Nachteil, dass es Zeit brauche, „um Marktanteile substanziell zu steigern“.

Viele Commerzbank-Mitarbeiter und auch manche Aktionäre hatten nach diesen Aussagen den Eindruck, Zielke rede die eigene Bank schlecht. „Wir haben fast ein bisschen den Eindruck bekommen, dass Sie von einem Wachstumspotenzial ‚stand alone‘ nicht so richtig überzeugt sind und an unser Haus nicht mehr so richtig glauben“, sagte Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), auf der Hauptversammlung.

Der Vorstandschef widersprach in Wiesbaden deutlich. Die im Herbst 2016 vorgelegte Strategie „Commerzbank 4.0“ sei die Grundlage für die Gespräche mit der Deutschen Bank gewesen. „Denn wir müssen alle Optionen prüfen, um die Commerzbank einfacher, besser und schneller zu machen.“

„Kein ausreichender Mehrwert“

Für die Commerzbank sei es in den Fusionsverhandlungen vor allem um drei Fragen gegangen, erklärte Zielke. Kann die Bank ihre Ziele durch einen Zusammenschluss schneller erreichen? Kann sie den Kunden bessere Leistungen bieten? Und kann das Institut für die Aktionäre durch eine Fusion höhere und nachhaltigere Renditen erzielen?

Nach „intensiven und fairen Gesprächen“ seien beide Banken zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Zusammenschluss keinen ausreichenden Mehrwert biete. „Die Risiken der Umsetzung, die Kosten für die Restrukturierung und die Anforderungen an das Kapital wären bei einer solch großen Integration zu hoch gewesen“, sagte Zielke. „Dennoch waren diese Gespräche richtig und wichtig.“

Am Dienstag hatte der Commerzbank-Vorstand dem Aufsichtsrat bereits in einer Sondersitzung Rede und Antwort stehen müssen. Dort musste das Management ausführlich darlegen, warum die deutsche Großbankenhochzeit geplatzt ist und welche strategischen Pläne es nun verfolgt. Große Neuigkeiten gab es dabei Finanzkreisen zufolge jedoch nicht. Der Prozess zur Erarbeitung einer neuen Strategie hat schließlich erst vor wenigen Wochen begonnen.

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank gehen einige Experten davon aus, dass die Commerzbank früher oder später von einem ausländischen Geldhaus geschluckt wird. „Es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, wann die Commerzbank übernommen wird“, sagt beispielsweise Michael Hünseler vom Vermögensverwalter Assenagon. Die italienische Großbank Unicredit und die niederländische ING haben Finanzkreisen zufolge in Berlin bereits vor einiger Zeit grundsätzliches Interesse bekundet. Konkrete Verhandlungen oder Angebote gab es bisher jedoch nicht.

Coba-Finanzchef erwartet kein Bietergefecht

Finanzchef Stephan Engels betonte kürzlich, bisher habe kein ausländischer Kaufinteressent bei der Commerzbank geklopft. Und er machte deutlich, dass der Vorstand in absehbarer Zeit auch kein Bietergefecht um die Commerzbank erwartet. „Im Moment sehe ich das echt nicht kommen.“

Zielke erweckte in seiner Rede auf der Hauptversammlung ebenfalls den Eindruck, die Bank wolle sich nun erst einmal aus eigener Kraft weiterentwickeln. Das Institut habe 2018 und auch im ersten Quartal 2019 zahlreiche neue Kunden gewonnen, sagte er. „Die Richtung stimmt.“

Das große Manko der Commerzbank sind jedoch die mauen Gewinne. Mit einer Eigenkapitalrendite von 3,4 Prozent verdiente das Institut im vergangenen Jahr erneut nicht seine Eigenkapitalkosten. „Mit der erreichten Profitabilität sind wir nicht zufrieden“, räumte Zielke ein. „Hier können und müssen wir mehr erreichen. Diesem Ziel hat sich der Vorstand klar verschrieben.“

Viele Investoren und auch Bafin-Chef Felix Hufeld sind der Ansicht, dass die Commerzbank vor allem ihre Kosten noch deutlicher drücken müsste. Das Verhältnis von Kosten zu Erträgen (Cost-Income-Ratio), das bei der Commerzbank im vergangenen Jahr bei über 80 Prozent lag, sei „im internationalen Bereich nicht wettbewerbsfähig“, kritisierte DSW-Vize Nieding.

Mehr: Die Commerzbank muss sich auf sich selbst konzentrieren und sollte nicht weiter von Fusionen träumen, meint Handelsblatt-Redakteur Andreas Kröner.

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