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Hauptversammlung Allianz überzeugt ihre Aktionäre mit Klimaschutz und Dividendenrendite

Europas größter Versicherer kündigt beim Aktionärstreffen ehrgeizige Klimaziele an. Für Allianz-Chef Oliver Bäte gibt es viel Lob – und leise Kritik.
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Allianz überzeugt Aktionäre mit Klimaschutz und Dividendenrendite Quelle: dpa
Allianz-Chef Oliver Bäte beim Aktionärstreffen in München

Die Allianz will ihr dreistelliges Milliardenvermögen bis 2050 klimaneutral anlegen.

(Foto: dpa)

München Das Bekenntnis war klar und deutlich. „Ab sofort verzichtet die Allianz auf die Einzelversicherung von Kohlekraftwerken und Kohleabbau“, kündigte Vorstandschef Oliver Bäte im Mai vergangenen Jahres an. Bis 2040 solle es „keine Art von Kohlerisiko“ mehr geben. Auch der Versicherungskonzern selbst will bis zu diesem Zeitpunkt klimaneutral wirtschaften, etwa was den CO2-Ausstoß bei Dienstreisen der Mitarbeiter oder die Gebäudeheizung betrifft.

Ein Jahr später kündigt Europas größter Versicherungskonzern mit rund 140.000 Mitarbeitern nun die ersten konkrete Schritte auf diesem Weg an. „Wir haben uns beim Klimaschutz jetzt neue Ziele gesetzt“, ruft Oliver Bäte auf der Hauptversammlung des Dax-30-Konzerns in München den rund 3600 anwesenden Aktionären zu. So will der Konzern sein dreistelliges Milliardenvermögen bis 2050 in Gänze „klimaneutral“ anlegen.

Außerdem will Europas größter Versicherer bis 2023 den gesamten Stromverbrauch des in mehr als 70 Ländern aktiven Konzerns aus erneuerbaren Energien decken. „Es ist uns sehr ernst mit diesem Thema“, sagte Bäte. „Klimaneutral“ bedeutet, dass die Allianz ihr Kapital nicht mehr in Firmen anlegen will, die klimaschädliche Geschäfte betreiben.

Der Allianz-Chef will den Konzern zu einem Vorzeigeunternehmen beim Klimaschutz machen und forciert im Schatten der öffentlichen Debatte über Klimaschutz seinen Umbau zu einem klimaschonenderen Unternehmen weiter. Die anhaltenden Proteste von Schülern bei den „Fridays-for-Future“-Demonstrationen haben die Diskussion in der Politik und Wirtschaft darüber neu entfacht, wie der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids stärker zurückgefahren werden kann. Eine Debatte, die auch Bäte in seiner Rede aufnimmt.

„Wir wollen, dass unser unternehmerisches Handeln auch für Gesellschaft und Umwelt gut ist“, versprach Konzernchef. „Und wir wollen weiterhin einen starken Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.“

Bereits jetzt sieht sich die Allianz als Vorreiter im nachhaltigen Wirtschaften. Zum zweiten Mal in Folge sei die Allianz im Dow Jones Sustainability Index die Nummer eins unter den Versicherern weltweit gewesen, betonte Bäte.

Die Analysten des US-Finanzdienstleisters MSCI hätten dem Konzern zudem das höchste Nachhaltigkeits-Ranking „AAA“ verliehen. Auch bei einer jüngst veröffentlichten Analyse des unabhängigen Analysehauses Zielke Research Consult, das die Nachhaltigkeitsberichte der deutschen Versicherer überprüfte, schnitt die Allianz mit sieben von maximal 16 möglichen Punkten am besten in der Branche in Deutschland ab.

Dennoch sind Umweltschützer nicht gänzlich zufrieden mit dem Kurs des Konzerns. „Die Allianz hat vergangenes Jahr einen vorbildlichen Schritt für den Klimaschutz getan“, sagte Kathrin Petz von der Umweltschutzgruppe Urgewalt anlässlich der Hauptversammlung. Die Einschränkungen für Kohle-Investitionen würden jedoch nicht für Anlagen gelten, die sie für Dritte verwaltet. Die Allianz müsse jedoch „ihre Bemühungen um den Klimaschutz auf den ganzen Konzern ausweiten“, forderte die Aktivistin.  

Doch insgesamt gehen die Aktionäre recht freundlich mit dem Vorstand um. „Wir Aktionäre können uns nicht wirklich beschweren, sondern freuen uns über ein ‘Weiter so‘“, sagte Fondsmanager Hendrik Schmidt von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS in München. „Sie, Herr Bäte, haben gezeigt, dass Sie, was Sie sich vornehmen, auch liefern können.“

Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fand vor allem lobende Worte. „Die Allianz strotzt vor Kraft, Liquidität und Selbstbewusstsein“, betonte die Aktionärsvertreterin. Die Aktionäre könnten zufrieden sein. „Das muss Ihnen erst einmal einer nachmachen, dass wir eine Dividendenrendite von 4,8 Prozent bekommen.“

Es sei vom Management gute Arbeit geleistet worden, sagte auch Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). Die Allianz habe sich in einem schwierigen Umfeld gut geschlagen. Der Konzern dürfe sich aber nicht auf dem Erreichten ausruhen, mahnte der Aktionärsvertreter.

Operatives Geschäft läuft rund

Die Anleger wissen, dass Bäte operativ kaum etwas vorzuwerfen ist. Die Aktie des Dax-30-Konzerns notiert dieses Jahr auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren, und bei praktisch allen wichtigen Kennziffern liegen die Münchener vor dem französischen Rivalen Axa, der Nummer zwei in Europa. So erlaubt es die gute wirtschaftliche Verfassung des Konzerns, die Aktionäre mit einer großzügigen Ausschüttung von neun Euro pro Aktie bei Laune zu halten.

Mit seinem neuen Drei-Jahres-Plan unter dem Titel „Einfachheit gewinnt“ will die Allianz nun die nächste Stufe beim Umbau des Versicherers zünden. Um die Profitabilität zu erhöhen und der befürchteten Konkurrenz durch große Internet-Plattformen und kleine Start-ups vorzubeugen, will Bäte die Vielzahl der verschiedenen Policen reduzieren.

Zudem verordnet er den ziemlich eigenständigen 70 Ländergesellschaften weltweit standardisierte Produkte. „Wir müssen lernen, noch praktischer zu denken“, kündigte Bäte an. Der Konzern brauche mehr Mut. „Auch den Mut, Dinge abzuschalten.“ Erst dann schaffe die Allianz grundlegende Veränderungen. So soll das neue Allianz-Kundenmodell bis 2021 flächendeckend eingeführt sein.

Der erste Schritt dazu ist ein europaweiter Direktversicherer, der ab Ende 2019 als „Allianz Direct“ auftreten soll. Sie soll bis Ende 2019 mit Kfz-Policen in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien starten. Weitere Länder sollen folgen. „Die digitalaffine Kundengruppe ist ein Wachstumsmarkt“, betonte Bäte. Sie werde von traditionellen Vertriebskanälen kaum erreicht.

Den Anlegern verspricht Bäte in den kommenden Jahren ein kontinuierliches Gewinnwachstum von bis zu fünf Prozent pro Jahr – auch ohne Zukäufe. In den vergangenen drei Jahren waren es im Schnitt 7,1 Prozent.

Im laufenden Jahr gebe es zwar eine ganze „Lastwagenladung“ an Unsicherheiten in Weltpolitik und Weltwirtschaft. „Insgesamt rechnen wir mit einem operativen Ergebnis von 11,5 Milliarden Euro“, sagte Bäte und erneuerte damit die Jahresprognose. Das Ergebnis könnte um 500 Millionen ins Plus oder Minus schwanken.

Das Traditionsunternehmen soll künftig bei wichtigen Kennziffern besser als die Konkurrenz abschneiden. So will der Allianz-Chef auch die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden erhöhen.

Wohin die Reise geht, das machte Bäte bereits auf der Bilanzpressekonferenz im Februar klar. „Wenn Sie nach Skandinavien gehen, da sind Versicherer richtig beliebt“, schwärmte Bäte damals. „Kann man sich gar nicht vorstellen, ist aber so, weil die einen super Kundenservice machen.“ Es ist diese Popularität, die Bäte nun mit der Allianz auch im Rest der Welt anstrebt.

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