Commerzbank-Hauptversammlung

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller spricht zu Beginn des Aktionärstreffens.

(Foto: dpa)

Hauptversammlung Für die Führung der Commerzbank gibt es wieder Lob statt Krawall

Stimmungsumschwung bei der Commerzbank: Auf der Hauptversammlung loben die Aktionäre nach der Finanzkrise erstmals wieder die Entwicklung der Bank.
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FrankfurtUngewohnte Töne bei der Commerzbank. Jahrelang haben Aktionäre die Bilanz des Instituts auf Hauptversammlungen scharf kritisiert und ihre Vorstandschefs als Totalversager oder Kapitalvernichter geschmäht. Doch in diesem Jahr überwiegen bei dem Aktionärstreffen erstmals seit der Finanzkrise lobende Worte.

„Die Bank ist durch den Flaschenhals der Transformation größtenteils durch und geht wieder besseren Zeiten entgegen“, sagt Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressen (GfW) am heutigen Dienstag vor gut 1.100 anwesenden Aktionären im Portalhaus der Messe Frankfurt. „Es erscheint wieder Tageslicht am Ende des Tunnels.“

Besonders im Vergleich zur Deutschen Bank sei die Entwicklung der Commerzbank erfreulich, erklärt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Zeiten, in denen die „Blauen“ mit breiter Brust durch Frankfurt zogen und bei den „Gelben“ das große Jammern herrschte, seien vorbei.

Im Gegensatz zur Deutschen Bank hat die Commerzbank im vergangenen Jahr einen Gewinn erwirtschaftet. Auch bei der Digitalisierung und dem Kundenwachstum mache die zweitgrößte deutsche Privatbank Fortschritte, betont Nieding. „Nicht nur in diesen beiden Punkten sind Sie an Ihren ewigen Rivalen von der Taunusanlage vorbeigezogen.“

Besonders viel Lob gibt es für Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der nach der Hauptversammlung nach 52 Jahren in Diensten der Commerzbank abtritt. In Müllers Zeit als Vorstandsboss kaufte die Commerzbank die mittlerweile abgewickelte Eurohypo. Unter ihm als Aufsichtsratschef schluckte das Institut die Dresdner Bank – und wurde wenig später vom Staat vor dem Aus gerettet.

Die Akquisition der Dresdner Bank habe die Aktionäre viel gekostet, aber auch dazu beigetragen, „dass unser Haus heute noch eigenständig als Nummer Zwei in Deutschland existiert“, sagt DSW-Vize Nieding. „Ich danken Ihnen sehr für den Einsatz zum Wohle unserer Bank.“

Raus mit Applaus

Müllers Entscheidungen rückblickend zu kritisieren, sei wohlfeil, findet GfW-Mann Aleff. „Aber zu den eigenen Entscheidungen zu stehen, nicht das Handtuch zu werfen, sondern sich an die Arbeit zu machen, bis das Schiff wieder auf Kurs kommt, das zeichnet den ordentlichen Kaufmann aus.“ Müller habe die Weichen für eine bessere Zukunft der Bank maßgeblich mitgestellt.

„Aus Sicht der Aktionäre würden wir es als angemessene Würdigung ihrer Lebensleistung erachten, wenn der Aufsichtsrat Sie zum Ehrenvorsitzenden ernennen würde – eine Geste der Dankbarkeit an einen Menschen, der über ein halbes Jahrhundert seines Lebens in den Dienst unserer Bank gestellt hat.“

Müller versucht bei seinem letzten Aktionärstreffen als Versammlungsleiter zunächst betont sachlich aufzutreten. Doch natürlich freut er sich über den Applaus der Aktionäre und das überschwänglich Lob vieler Redner. „Nachdem ich im Laufe der letzten Jahre gelernt habe, mit sehr kritischen Kommentaren umzugehen, will ich nicht verhehlen, dass mir ein paar nette Worte auch guttun“, bekennt Müller. „So viele Fans hatte ich in den letzten Jahren nicht.“

Kundenzahl wächst, Ertrag stagniert

Trotz der positiven Grundstimmung machten mehrere Aktionäre und auch Vorstandschef Martin Zielke deutlich, dass es für die Commerzbank in vielen Bereichen noch Luft nach oben gibt. Der Mini-Gewinn von 156 Millionen Euro im vergangenen Jahr mute verglichen mit europäischen Wettbewerben „wie die berühmte schwarze Null an“, monierte Nieding. Die Eigenkapitalrendite betrage magere 0,6 Prozent. Die Erträge seien im vergangenen Jahr gefallen, das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag sei deutlich höher als bei anderen Geldhäusern.

„Sie kriegen das Kundenwachstum ganz offensichtlich nicht auf die Ertragsschiene“, kritisiert auch Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft deutscher Kapitalanleger (SdK). Laut Vorstandschef Zielke hat die Bank im ersten Quartal sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft Kunden dazugewonnen. Dank dieses Wachstums habe das Institut Belastungen durch den Preiswettbewerb im Markt ausgeglichen. „Die Erträge entwickelten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal stabil.“

Auch Zweifel von Aktionären, ob die Bank ihre Ertragsziele für 2020 erreichen kann, wischte Zielke beiseite. „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg.“ Viele Aktionäre sehen das aktuell genauso.

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