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Hauptversammlung Zeitenwende für die Deutsche Bank

Auf der Hauptversammlung verspricht Vorstandschef Christian Sewing den lange erwarteten Umbau im Investmentbanking – und damit das Ende einer Ära.
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Die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank stehen in der Kritik. Quelle: Bloomberg
Christian Sewing (links) und Paul Achleitner

Die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank stehen in der Kritik.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtDie Großaktionäre haben gefordert, und die Deutsche Bank verspricht zu liefern. Auf der Hauptversammlung des größten heimischen Geldhauses hat Vorstandschef Christian Sewing eine harte Sanierung der Investmentbank angekündigt. „Wir sind zu tiefen Einschnitten bereit“, rief der 49-Jährige den Aktionären zu und versicherte: „Wir werden unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden relevant sind. Dafür stehe ich. Darauf können Sie sich verlassen.

„Endlich!“, werden viele Großaktionäre sagen, die seit vielen Monaten auf härtere Schnitte in der Investmentbank und vor allem im Wertpapierhandel drängen. Dabei war die Investmentbank einmal die Vorzeigesparte des Instituts. Doch nach der Finanzkrise und der anschließenden Offensive der Regulierer fand der Bereich nie zu seiner einstigen Stärke zurück. Stattdessen sorgten die Investmentbanker mit Skandalen und Milliardenstrafen für Schlagzeilen.

In den vergangenen beiden Quartalen hat die Sparte sogar Geld verloren und insgesamt einen Verlust vor Steuern von 390 Millionen Euro angehäuft. Verantwortlich dafür war vor allem ein Einbruch im Wertpapierhandel, der einstigen Gewinnmaschine der Bank. Der jetzt versprochene tiefgreifende Umbau wäre eine Zeitenwende.

Aktionäre erwarten mehr

Die Frankfurter würden sich endgültig vom Anspruch verabschieden, in der Topliga globaler Investmentbanken mitzuspielen. Es wäre das Ende einer Strategie, die 1989 mit dem Kauf der Londoner Bank Morgan Grenfell begann. Sewing hat die Bilanz der Investmentbank bereits um rund 100 Milliarden Euro geschrumpft.

Doch das reicht einigen der größten Aktionäre bei Weitem nicht. Sie wünschen sich eine weitaus fokussiertere, unternehmensnahe Investmentbank, mit der Transaktionsbank als Kern. Dieser Bereich zählt zu den stabilsten Ertragsbringern des Geldhauses und verdient sein Geld mit Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen.

Einer der wichtigsten Investoren machte die Frage, ob er Vorstand und Aufsichtsrat entlasten würde, sogar davon abhängig, dass Sewing und Achleitner ein klares Signal für den Umbau der Investmentbank senden. Dieses Signal ist nun gesendet. Details nannte Sewing nicht, aber aus seiner Hauptversammlungsrede lässt sich herauslesen, in welche Richtung er steuern will: „Es geht um eine Bank, deren Geschäftsbereiche klare Renditevorgaben erfüllen – ohne Wenn und Aber“, machte der Vorstandschef klar.

Das Transaction Banking kürte er zum „Herzstück der Deutschen Bank“. „Wir müssen selbstkritisch feststellen: Innerhalb der Unternehmens- und Investmentbank lag häufig zu wenig Fokus auf unserer Transaktionsbank und ihren Wachstumschancen“, betonte Sewing. Das soll sich jetzt unter Führung von Stefan Hoops, einem der Vertrauten des Bankchefs, ändern. Die Sparte soll vor allem in Asien wachsen und enger mit dem Währungs-, Zins- und Kreditgeschäft verbunden werden.

Schon jetzt trägt die Transaktionsbank 30 Prozent zu den Erträgen der Firmenkunden- und Investmentbanking-Sparte bei. Ihre Rendite auf das materielle Eigenkapital liegt ebenso wie bei der DWS bei mehr als zehn Prozent, wie Sewing berichtet. Dagegen kommt die gesamte Investmentbank auf nur knapp ein Prozent Rendite. Analysten gehen seit Langem davon aus, dass der Wertpapierhandel tiefrote Zahlen schreibt.

Während Sewing die Transaktionsbank adelte, stellte er für die anderen Subsparten der Investmentbank zwei harte Bedingungen auf. Erstens: Die Geschäfte müssen den anderen Bereichen der Bank im besonderen Maß dienen. Das gelte zum Beispiel für das Beratungs- und Emissionsgeschäft, auch bekannt als Corporate Finance.

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Strategie bei Staatsanleihen und Aktiengeschäft unklar

Das zweite Kriterium: Die Sparten müssen in sich profitabel sein und die Renditeanforderungen erfüllen, auch ohne Synergien mit anderen Bereichen. Das gelte zum Beispiel für die Währungsplattform, den Handel mit Unternehmensanleihen oder die gewerbliche Immobilienfinanzierung in den USA.

Spannend ist, was bei dieser Aufzählung fehlt: der Handel mit Staatsanleihen und das Aktiengeschäft – genau jene Bereiche, in denen die Investoren den größten Handlungsbedarf sehen und wo sie Einschnitte fordern. Rund 15 Prozent des gesamten Geschäfts der Bank will der Vorstandschef „noch einmal genauer ansehen und entsprechend handeln“. In Finanzkreisen ist zu hören, dass der Plan für den Umbau der Investmentbank bis zum Sommer mit allen Details auf dem Tisch liegen soll.

Umstritten ist vor allem das Engagement in den USA. Die Analysten von JP Morgan schätzten im vergangenen Jahr, dass die Bank sieben Milliarden Euro Eigenkapital freisetzen könnte, wenn sie ihren Ehrgeiz aufgeben würde, mit den Wall-Street-Riesen auf deren Heimatmarkt zu konkurrieren. „Wo bleibt der überfällige Rückbau der US-Investmentbanking-Sparte?“, fragte Fondsmanager Andreas Thomae von der Dekabank auf der Hauptversammlung.

Vor allem das Aktiengeschäft dort müsse deutlicher zurückgefahren werden, forderte er. Denn bis auf den Kredithandel und das Verbriefungsgeschäft im Rentenbereich sei die Bank in den USA nicht konkurrenzfähig und erwirtschafte nur eine Eigenkapitalrendite nahe der Nulllinie.

Aufsichtsratschef in der Kritik

Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, teilt diese Kritik – ebenso wie eine Reihe der wichtigsten Anteilseigner der Bank, zu denen die Herrscherfamilie des Emirats Katar, der US-Fonds Cerberus und der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock gehören. „Eine Anpassung der Investmentbank-Strategie ist überfällig“, machte Annecke klar. „Die Lösung muss hier lauten: Weniger ist mehr.“

Den „Luxus einer Investmentbank in der heutigen breiten Aufstellung“ könne sich die Deutsche Bank schlicht nicht länger leisten. Anneckes frustriertes Fazit zur Lage des gesamten Geldhauses: „Es ist traurig und schockierend, was aus der Deutschen Bank geworden ist.“

Tatsächlich hätte die Ausgangslage für das Aktionärstreffen kaum schwieriger sein können: Der Aktienkurs fiel eine knappe Stunde vor Beginn der Versammlung abermals auf ein Rekordtief, die internationale Konkurrenz ist meilenweit enteilt, und es gibt immer wieder Pannen der internen Kontrollsysteme. Deshalb hatten erstmals beide großen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfohlen, Aufsichtsrat und Vorstand nicht zu entlasten.

Wieder einmal war es vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der sich den Unmut einflussreicher Großinvestoren zugezogen hatte. Die Kritiker werfen dem Österreicher vor, dass die Bank noch immer in der Krise steckt, obwohl er bereits zweimal im Hauruckverfahren den Vorstandschef ausgetauscht hat. Der Österreicher steht seit 2012 an der Spitze des Aufsichtsrats, und unter seiner Ägide brach der Aktienkurs mehr als 70 Prozent ein.

Aus diesen Gründen verweigerte die Dekabank ihm die Entlastung. Einflussreiche Anteilseigner sehen den Chefaufseher zudem als Hindernis für einen entschlosseneren Umbau der Investmentbank. Diesen Eindruck versuchte Achleitner am Donnerstag zu zerstreuen. Er versicherte, dass Sewing die volle „Unterstützung und Rückendeckung“ des Aufsichtsrats für sein Umbaukonzept habe.

Bis Redaktionsschluss standen die Abstimmungsergebnisse über Entlastung oder Nichtentlastung der Führungsspitze noch nicht fest. Die Atmosphäre in der Frankfurter Festhalle sprach dafür, dass das Topmanagement trotz aller Kritik mit einem blauen Auge davongekommen sein könnte. Kleinaktionär Hans Oswald etwa ist dafür bekannt, dass er auf Hauptversammlungen gerne eine Rote Karte zückt.

Doch diesmal stimmt er eine Lobeshymne auf Achleitner an. „Sie werden für alles Schlechte in der Bank verantwortlich gemacht. Für mich ist unverständlich, warum Sie sich das angetan haben“, sagt er. Allgemeines Feixen und Gelächter bei Vorständen und Aufsichtsräten auf der Bühne.

Einige einflussreiche Großaktionäre würden es allerdings gerne sehen, wenn Achleitner sein Amt vorzeitig aufgeben würde. Doch der umstrittene Chefkontrolleur will offenbar an Bord bleiben: „Habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht? Ja, natürlich. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich nicht!“, sagte Achleitner. Er habe nicht vor, Investoren und Kunden im Stich zu lassen. „An einem Denkmal liegt mir nichts, am Wohl der Deutschen Bank aber schon.“ Im Saal bleibt es ruhig. Applaus ist nicht zu hören – aber auch keine Buhrufe wie im vergangenen Jahr.

Achleitner ist nicht der einzige Manager der Bank, der unter Feuer steht. Ein Umbau des Vorstands ist Finanzkreisen zufolge nur noch eine Frage der Zeit. Regulierungschefin Sylvie Matherat und Chefinvestmentbanker Garth Ritchie gelten als Wackelkandidaten. Vor allem der Zustand der Geldwäscheprävention belastet die beiden.

Sewings Umbauarbeiten

Ihnen wird vorgeworfen, dass die deutschen Aufseher dem Institut einen Geldwäsche-Sonderbeauftragten ins Haus schickten. Bei Ritchie kommt noch die Kritik an seinem üppigen Verdienst hinzu. Obwohl er laut Geschäftsbericht 2018 die schwächste Leistung aller Vorstände ablieferte, kassierte er das meiste Geld. Nun baut Sewing Matherats Bereich um und will Teile ihres Bereichs – Compliance und Bekämpfung von Finanzkriminalität – mit der Steuerung nicht finanzieller Risiken fusionieren, für die Risikovorstand Stewart Lewis zuständig ist.

Wer für die neue Einheit zuständig wird, ist noch offen, heißt es. Die internen Wetten stehen aber wohl gegen Matherat. Einen Seitenhieb muss sich auch Privatkundenchef Frank Strauß gefallen lassen. In seinem Bereich sei die Profitabilität zwar „besser, als viele zugestehen würden“. Aber: „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir müssen noch rascher und radikaler umbauen“, machte Sewing klar. Die Privatkundensparte soll ab 2021 „mindestens zwölf Prozent“ Rendite erwirtschaften.

Voll des Lobes ist Sewing dagegen über den hauseigenen Vermögensverwalter DWS, der bereits eine Eigenkapitalrendite von 18 Prozent abliefere. Mit der Fondsgesellschaft „haben wir noch viel vor“, kündigte er an. Ziele sei es, die Tochter zu einem der zehn größten Asset-Manager der Welt zu formen. Dabei solle sich DWS-Chef Asoka Wöhrmann auf das organische Wachstum konzentrieren, aber auch „strategische Optionen nutzen“.

Eines ist Sewing allerdings wichtig: „Auch im Falle einer Fusion wird die DWS weiter zum Kerngeschäft gehören.“ Ein Verkauf kommt also offenbar nicht infrage. Die Frankfurter verhandeln gerade mit der Schweizer UBS über einen Zusammenschluss der Fondssparten. Insidern zufolge stocken die Gespräche aber, weil beide Seiten die Kontrolle über das fusionierte Geschäft behalten wollen.

Sewings Fazit auf der Hauptversammlung, die sich bis in den Abend hinzog: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Doch dieser Weg ist noch weit. Das zeigt der Fakt, dass die Aktie der Deutschen Bank ausgerechnet am Tag des Aktionärstreffens auf ein neues Rekordtief sackte.

Mehr: Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank deutet Vorstandschef Christian Sewing einen radikalen Umbau der Investmentbank an. Jetzt muss er auch handeln – ein Kommentar.

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