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Hausbanken Kunden können Kosten für Girokonten bald besser vergleichen

Eine gesetzliche Transparenzoffensive wird die Vergleichsmöglichkeiten der Verbraucher verbessern. Bald könnten mehr Kunden ihr Konto wechseln.
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Bald können Kunden die Leistungen der Banken besser überschauen. Quelle: Fotosearch/Getty Images
Vergleichsmöglichkeiten

Bald können Kunden die Leistungen der Banken besser überschauen.

(Foto: Fotosearch/Getty Images)

BerlinDie Deutschen wechseln ihre Bankverbindung bisher nur ungern. Die meisten bleiben ihrer Hausbank treu – und das, obwohl sie dort häufig mehr zahlen. Doch das könnte sich bald ändern – denn die Vergleichsmöglichkeiten für die Verbraucher werden sich nun deutlich verbessern.

Ab 2019 sind die Kreditinstitute verpflichtet, ihren Kunden einmal jährlich eine Auflistung der Girokonto-Kosten zur Verfügung zu stellen. Mit einem Blick auf entsprechende Vergleichsportale können Kunden bald wesentlich leichter als bisher sehen, wie gut sich „ihre“ Bank im Wettbewerb schlägt – und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen.

Trau, schau, wem? In Zeiten der Dauerniedrigzinsen haben sich die Banken zuletzt als erfinderisch erwiesen, ihre Provisionseinnahmen zu steigern. Fast alle Kreditinstitute drehten an der Gebührenschraube für unterschiedliche Dienstleistungen, um wegfallende Zinseinnahmen zu kompensieren.

„Die Kosten für Konten sind in letzter Zeit erheblich gestiegen“, moniert Frank Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Trotz bestehender Vergleichsportale wusste der einzelne Verbraucher bisher häufig nicht, wie teuer seine Bank im Vergleich zu anderen ist und ob diese Portale zuverlässig, objektiv und transparent sind.

Künftig wird dieses Urteil deutlich erleichtert. Dafür sorgt die EU-Zahlungskontenrichtlinie aus dem Jahr 2014, die die Bundesregierung im April 2016 mit dem Zahlungskontengesetz umgesetzt hat. Die Richtlinie schreibt allen Mitgliedstaaten vor, bis zum 31.10.2018 sicherzustellen, dass Verbraucher einen entgeltfreien Zugang zu mindestens einer Website haben, die einen Vergleich der Entgelte für Zahlungskonten ermöglicht.

Damit keine Zweifel bestehen, welche Entgelte für welche Dienstleistungen gemeint sind, hat die Finanzaufsicht Bafin 18 verschiedene aufgelistet. So müssen Banken beispielsweise die Kosten für die Kontoführung angeben, für Überweisungen, Daueraufträge, Lastschriften, für die Ausgabe einer Debit- und Kreditkarte, Bargeldein- oder -auszahlungen am Schalter und Automat oder für die eingeräumte und geduldete Kontoüberziehung.

Neue Vergleichswebsites kommen

Der deutsche Gesetzgeber hat mit der Verabschiedung der sogenannten Vergleichswebsitesverordnung im Sommer 2018 die Voraussetzungen geschaffen, um die EU-Richtlinie jetzt pünktlich umzusetzen. Dabei wurde die ursprüngliche Idee verworfen, ein zentrales Portal zur Umsetzung der Richtlinie zu schaffen.

Die Wahl fiel auf eine marktwirtschaftliche Lösung – es dürfte in Zukunft also mehrere Websites geben, die die Ansprüche erfüllen. Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, ist vom Erfolg überzeugt. „Die neue Verordnung ist ein Novum. Mit ihr müssen Websites unabhängig betrieben werden, Provisionen dürfen das Ergebnis nicht beeinflussen, und alle Zahlungsdienstleister sind gleich zu behandeln“, sagte Billen dem Handelsblatt.

Betreiber von Websites, die Angebote von Zahlungskonten vergleichen, können nun die Erteilung eines Zertifikats beantragen bei sogenannten Konformitätsbewertungsstellen, also beispielsweise Tüvs. Das Zertifikat bestätigt, dass die Vergleichswebsite die Anforderungen des Gesetzes an eine solche Website erfüllt.

Diese Konformitätsbewertungsstellen müssen wiederum die Anforderungen der Deutschen Akkreditierungsstelle (Dakks) erfüllen. „Wir sind sozusagen die Prüfer der Prüfer“, bringt der Leiter der Grundsatzabteilung bei Dakks, Raoul Kirmes, seine Aufgabe auf den Punkt.

Diesen etwas umständlichen Weg begründet Kirmes mit dem Anspruch, dass Verbraucher sich sicher sein müssten, dass die zertifizierten Vergleichswebsites unabhängig und vertrauenswürdig sind. Hat die Dakks geprüft, dass die entsprechenden Konformitätsbewertungsstellen unabhängig und kompetent sind, können sie ihrer Aufgabe nachgehen.

Dabei verweist Staatssekretär Billen auf einen großen Fortschritt: „Gegenüber den Konformitätsstellen muss der Betreiber einer Vergleichswebsite den vollständigen Programmcode für die Berechnung des Vergleichsergebnisses offenlegen.“ Damit sei der Vergleichsalgorithmus „keine Blackbox“ mehr. Angesichts der großen Bedeutung von Vergleichsportalen in der digitalen Welt können diese Neuerungen ein Vorbild für andere Vergleichsportale sein, glaubt Billen.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Zweifel gegeben, nach welchen Kriterien Anbieter bei Vergleichsportalen weit oben landen konnten. Eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) zur „Bewertung des Rankings von Vergleichsportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte“ aus dem Jahr 2017 stellte etliche Mängel fest.

So wurden bei drei von fünf untersuchten Vergleichsportalen Produkte von Anbietern, die nicht über das Portal abgeschlossen werden konnten, in der Voreinstellung herausgefiltert. Vertriebsorientierte Interessen dominierten hier offensichtlich die Verbraucherbelange und sorgten für Interessenkonflikte. Zudem war das Ranking aus Sicht des iff nicht nachvollziehbar. Bei dem Produkt Girokonto benannte nur ein Portal die Rankingkriterien, aber auch dieses eine führte nicht aus, wie diese zueinander gewichtet wurden.

Kritische Verbraucherschützer

Auch bei den aktuellen Vorgaben hat Verbraucherschützer Pauli Zweifel, ob Provisionsinteressen ausgeschaltet werden können und man durch die neuen Websites wirklich einen vollständigen und objektiven Überblick erhalten wird. „Werden auch Angebote von Banken berücksichtigt, die kein Marketingbudget haben, um auf Vergleichsportalen zu erscheinen, aber vielleicht deswegen viel attraktivere Konditionen haben?“, fragt sich Pauli.

Im Idealfall erhält der Verbraucher einen guten Marktüberblick über die Kontokosten von Banken und kann diese dann mit den Kosten seiner Hausbank vergleichen. Daher halten Verbraucherschützer die jährliche Gebührenaufstellung auch für sehr wichtig. „Die schafft eine Transparenz, die die meisten Verbraucher so noch nicht gehabt haben“, urteilt Pauli.

Wenn die Preis- und Produktgestaltung für Zahlungskontendienste künftig besser vergleichbar ist, dürfte auch ein wesentliches Hindernis für die Wechselbereitschaft der Verbraucher fallen. Und wenn der Verbraucher feststellen sollte, dass er mit einem Bankwechsel mehrere Hundert Euro im Jahr sparen kann, ist der nächste Schritt bereits gesetzlich geregelt.

Nach dem Zahlungskontengesetz müssen die Kreditinstitute bei einem Kontowechsel kooperieren und auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden die Zahlungsdaten für Daueraufträge, Lastschriften, Überweisungen und Gutschriften austauschen. Der vollständige Kontowechsel soll innerhalb von zwölf Tagen vollzogen sein. Noch kennen nach einer Umfrage des Marktwächters Finanzen knapp zwei Drittel der Befragten die gesetzliche Kontohilfe nicht, und nur zwei Prozent der Befragten hätten ihr Konto gewechselt. „Das wird sich ändern“, ist sich Pauli sicher.

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