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Haushaltsstreit in Rom Analysten befürchten Kreditengpässe bei italienischen Banken

Die Geldhäuser in Südeuropa bereiten Investoren zunehmend Sorgen. Besonders die Liquidität der italienischen Banken schürt die Angst vor einer neuen Krise.
Update: 10.10.2018 - 13:48 Uhr Kommentieren
Die Regierung in Rom will die Neuverschuldung im kommenden Jahr auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Quelle: dpa
Italienische Euro-Münze

Die Regierung in Rom will die Neuverschuldung im kommenden Jahr auf 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen.

(Foto: dpa)

BrüsselItaliens Koalitionsregierung von Lega und der Bewegung Fünf Sterne beharrt auf ihrem Defizitziel von 2,4 Prozent, das sie in den Haushaltsentwurf für 2019 geschrieben hat. Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: Vom Internationalen Währungsfonds, der seine Wachstumsprognose für Italien gesenkt hat, der italienischen Notenbank und an den Finanzmärkten hagelt es Kritik an den Ausgabenplänen der Regierung. Nächste Woche muss der Haushalt in Brüssel vorgelegt werden.

Ende des Monats kommt das Urteil der Ratingagenturen Moody’s und S&P über Italien. „Der Haushaltsentwurf ist ein großer Fehler. Er ist ein Glücksspiel mit der langfristigen ökonomischen und fiskalischen Gesundheit Italiens“, sagte am Mittwoch Chefökonom Mark Zandi von Moody‘s Analytics in einem Interview. Die Situation an den Märkten bleibt entsprechend nervös.

Konkret ablesen lässt sich die Vertrauenskrise bei den Banken in Italien, die gerade erst auf Konsolidierungskurs waren, bevor die Populisten im Juni an die Regierung kamen. Seitdem steigen die Risikoaufschläge auf italienische Bonds und an der Börse verlieren die Kreditinstitute an Wert.

„Der Konsolidierungsprozess des Bankensektors schreitet voran, wir sind mittlerweile auf Vor-Krisen-Niveau“, sagt Giovanni Sabatini, Generaldirektor des Bankenverbands ABI, dem Handelsblatt. „Der Anlagenindex wird in den nächsten zwei Jahren steigen, aber wir müssen weiter an der Stabilität des Eigenkapitals arbeiten, um den notwendigen Anteil am Wachstumskurs des Landes zu leisten.“

Schon ist von Kapitalerhöhungen die Rede. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters schauen die europäischen Bankenaufseher verstärkt auf die Liquidität italienischer Banken. Die Prüfungen beträfen sowohl Kundeneinlagen als auch den Interbankenmarkt. Es gebe aber noch keinen Grund, alarmiert zu sein.

Mit 240 Milliarden Euro an billigen Langfristkrediten der EZB stehen die Banken nicht unmittelbar vor einer Liquiditätskrise. Auch wenn sie keine neuen Anleihen ausgeben, könnten die Institute ihren Finanzbedarf bis zum Jahresende decken.

Es könne jedoch zu einem echten Problem werden, wenn die italienischen Banken weitere drei bis sechs Monate keine neuen Anleihen ausgeben könnten, meint der Anleihenexperte Francesco Castelli von Banor Capital. „Die Aufseher wollen, dass die Banken bei Bedarf stets den Kapitalmarkt anzapfen können.“

Salvini will im Haushaltsstreit nicht nachgeben

Die Regierung bleibt bei ihrem Kurs. Am Mittwoch erklärte Vizepremier und Legachef Matteo Salvini im Fernsehen, die Regierung werde im Streit über den Haushalt für 2019 nicht nachgeben.

Allerdings sagte Europaminister Paolo Savona, parteilos und der Lega nahestehend, wenn der so genannte „Spread“, der Risikoaufschlag italienischer Bonds gegenüber Bundesanleihen, weiter steige, könnte es zu Änderungen kommen. Sollte der Abstand der italienischen zu den deutschen Anleihen außer Kontrolle geraten, müsse dies geschehen.

Zudem sinnierte Savona vor der Auslandspresse in Rom darüber, dass EZB-Chef Mario Draghi über ein „Quantitative Easing 2“ nachdenke, also eine Fortsetzung des beendeten Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank.

Der Haushaltsstreit hat die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihen auf 3,72 Prozent steigen lassen. Das ist der höchste Stand seit Februar 2014. Italienische Banken haben Anleihen im Wert von 375 Milliarden Euro in ihren Büchern, rund zehn Prozent ihrer Vermögenswerte. Abschreibungen auf den Wert der Anleihen könnten viel Eigenkapital der Banken binden, das dann nicht mehr für Kredite zur Verfügung steht.

Zudem wächst im kommenden Jahr der Refinanzierungsbedarf. Im Februar hatten die Banken rund 267 Milliarden Euro an ausstehenden Anleihen. Davon müssen sie rund die Hälfte bis 2020 refinanzieren.

Daneben treten ab dem kommenden Jahr neue Kapitalvorschriften in Kraft. In der Vergangenheit konnten Italiens Banken darauf setzen, dass Kunden die Schuldtitel erwerben. Doch neue Regeln, die nach der weltweiten Finanzkrise verabschiedet wurden, sowie geänderte Steuergesetze in Italien machen es für die Banken schwieriger, sich mit Hilfe ihrer Privatkunden zu finanzieren.

Die Regierung, die auf Wachstum setzt und den Schuldenabbau mit steigendem Konsum finanzieren will, bringt in den letzten Tagen immer häufiger die Einbeziehung der Sparer in die Diskussion. Das Privatvermögen ist im Gegensatz zur Staatsverschuldung überdurchschnittlich hoch in Italien.

„Hier geht es nicht um Dirigismus“, sagt Savona. Auf einem anderen Blatt steht, ob die Italiener mitmachen. Der Industrieverband Confindustria hat vor kurzem in seiner Konjunkturstudie festgestellt, dass nicht nur der Export schwächelt, sondern auch der Konsum. Die Italiener halten ihr Geld zusammen.

Banca Carige in Schwierigkeiten

Zum falschen Zeitpunkt kommen die Turbulenzen für die Banca Carige, eine der Krisenbanken von 2017, die sich gerade erst neu aufgestellt hat. An diesem Mittwoch sind Vertreter der Bank aus Genua, die erst seit einer Woche ein neues Management hat, zu Gesprächen bei der EZB in Frankfurt.

Sie sprechen unter anderem mit der Oberaufseherin Danièle Nouy und wollen eine Verlängerung aushandeln für ihren Restrukturierungsplan, der Ende November ausläuft. An der Mailänder Börse hatte Banca Carige in den vergangenen Tagen mit am meisten verloren. Am Donnerstag trifft sich der Verwaltungsrat.

Die kleine Bank, mit einer Marktkapitalisierung von 287 Millionen Euro die Nummer 15 in Italien, muss vor allem die notleiden Kredite abbauen, wie alle Bankhäuser in Italien. Der Prozess sei insgesamt und landesweit auf gutem Weg, meint Fabrizio Pagani vom Vermögensverwalter Muzinich & Co.

„Das Bankensystem ist solide und der Abbau der notleidenden Kredite war außerordentlich erfolgreich“, so Pagani. „Ende 2017 hatte Italien einen Berg von netto 86 Milliarden Euro an NPL, sogenannte faule Kredite. Jetzt ist Italien bei 40, es wurde also mehr als die Hälfte abgebaut.“

Mit Material von Reuters

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