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Hedgefonds Die Unruhestifter – Das sind die bekanntesten Aktionärsaktivisten

Aktionärsaktivisten sorgen in deutschen Unternehmen immer häufiger für Aufregung. Das sind die vier bekanntesten Unruhestifter und ihre Methoden.
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Elliott verwaltet 35 Milliarden Dollar und ist damit der mit Abstand größte aktivistische Hedgefonds. Quelle: Bloomberg
Paul Singer

Elliott verwaltet 35 Milliarden Dollar und ist damit der mit Abstand größte aktivistische Hedgefonds.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf, Frankfurt Sie heißen Paul Singer, Lars Förberg, Daniel Loeb und Florian Schuhbauer – und scheffeln mit ihren aggressiven Hedgefonds Milliarden. Dabei attackieren sie immer mehr Unternehmen in Deutschland. Das jüngste Beispiel: Thyssen-Krupp. Der Traditionskonzern geriet in diesem Jahr durch den Großaktionär Cevian mächtig ins Straucheln. Doch auch Bilfinger und Stada bekamen in der Vergangenheit die Macht der Aktivisten zu spüren. Wer steckt hinter Cevian und Co.? Ein Überblick über die bekanntesten Aktionärsaktivisten und ihre Strategien.

Paul Singer, Elliott: Geduldiger Geier

Der Kopf: Paul Singer gehört an manchen Orten der Welt zu den meistgehassten Personen. Garantiert in Argentinien, wo der gefürchtete Hedgefonds-Manager das Land vor gut drei Jahren fast in die Pleite getrieben hätte. Singer ist zweifellos ein hartgesottener Geschäftsmann, ein Kämpfer, der nie aufgibt.

Singers Fonds trägt den zweiten Vornamen seines Gründers. Ein Zeichen, dass es Singer nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Heute verwaltet Elliott 35 Milliarden Dollar und ist damit der mit Abstand größte aktivistische Hedgefonds. Eine Durchschnittsrendite von jährlich 13,3 Prozent hat ihm viele Fans eingebracht. Er liegt damit besser als der Aktienindex Standard & Poor’s 500. Lediglich zwölf Quartale mit Verlusten musste der Hedgefonds in seiner 41-jährigen Geschichte hinnehmen. Inzwischen arbeiten 454 Angestellte für ihn.

Aber es gibt nicht nur die harte Seite des in Teaneck, einem Vorort von New York, aufgewachsenen Singer. Privat beteiligt sich der Milliardär (2,8 Milliarden Dollar geschätztes Gesamtvermögen) an der Spendeninitiative „Giving Pledge“ von Bill Gates und Warren Buffett. Vor sieben Jahren spielte der geschiedene Manager eine wichtige Rolle bei der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe im Staat New York. Singers Sohn ist selbst schwul, und das Konzept der Homoehe „passt wunderbar zu meiner Vorstellung der Freiheit“, sagte Singer der „New York Times“.

Die Methode: Singers größter Erfolg: Kurz nach der Jahrtausendwende hatte Elliott zu einem Bruchteil des Nennwerts Anleihen des Pleitestaats Argentinien gekauft. Singer lehnte alle Vergleichsangebote ab und drängte auf Rückzahlung der vollen Summe. Der Streit zog sich eineinhalb Jahrzehnte hin. Als die argentinische Regierung unter Mauricio Macri 2016 schließlich einem Kompromiss zustimmte, machte Singer eine Rendite von 369 Prozent oder 1,7 Milliarden Dollar.

Hartnäckigkeit zeichnet Singer auch bei seinen Engagements in Deutschland aus. Der 74-Jährige hat sich schlagzeilenträchtig Thyssen-Krupp vorgenommen und hier eine „lange Historie betriebswirtschaftlicher Underperformance analysiert, die sich auch im Aktienkurs niedergeschlagen hat“, wie es vonseiten von Elliott heißt. Bei Thyssen will der Fonds den Konzern nach vorne bringen und von steigenden Kursen profitieren.

Von sich reden machte Förberg erstmals, als der Fonds sein Investment beim schwedischen Versicherer Skandia 2004 innerhalb von zwei Jahren verdoppelte. Quelle: Uta Wagner für Handelsblatt
Lars Förberg

Von sich reden machte Förberg erstmals, als der Fonds sein Investment beim schwedischen Versicherer Skandia 2004 innerhalb von zwei Jahren verdoppelte.

(Foto: Uta Wagner für Handelsblatt)

Lars Förberg, Cevian: Stockholmer Schlachter

Der Kopf: Manche nennen ihn und seinen Partner die „Schlachter von Stockholm“ – doch so kurz und schmerzlos wie im professionellen Metzgergewerbe laufen die Eingriffe von Lars Förberg, Mitgründer des schwedischen Investmentfonds Cevian Capital, nur selten ab. Ganz im Gegenteil. Der filigran gewachsene Wirtschaftswissenschaftler mit der dunklen Rundbrille und dem hellen Dreitagebart ist bekannt für sein Durchhaltevermögen.

Dabei verlangt er viel von den Managern, in deren Unternehmen Cevian investiert – und zum Teil über Jahre an Bord bleibt. Das Spezialgebiet des 53-jährigen Förberg sind Konglomerate, deren Portfolio zu komplex geworden ist und deren Sparten sich gegenseitig behindern. Gelingt es ihm, das Management zum Umbau zu bewegen, etwa mit dem Teil-Börsengang einer Sparte, sorgt das meist für einen steigenden Gesamtwert des Unternehmens.

Gegründet hat Förberg den Fonds gemeinsam mit dem Investor Christer Gardell, den Bloomberg einst den „Carl Icahn von Schweden“ taufte. Die beiden trafen in den 90er-Jahren aufeinander und gründeten 2002 Cevian.

Die Methode: Unternehmen, die sich nur auf ein Geschäft konzentrieren, sollen leichter zu managen und profitabler sein. So drängt Förberg etwa bei Thyssen-Krupp darauf, die fünf Sparten unabhängiger von der Zentrale aufzustellen – und in der Zentrale Personal abzubauen. Zwischen 2016 und 2018 konnte der Fonds seine verwalteten Mittel von zehn Milliarden auf mehr als 13 Milliarden Euro steigern – ein Zuwachs von 30 Prozent.

Von sich reden machte Cevian erstmals, als der Fonds sein Investment beim schwedischen Versicherer Skandia 2004 innerhalb von zwei Jahren verdoppelte. Beim deutschen Kranhersteller Demag einige Jahre später dauerte die Verdopplung gar nur ein Jahr. Bei beiden Unternehmen gelang der Verkauf an einen größeren Konkurrenten – ein weiteres Spezialgebiet der Schweden.

Dem entgegen stehen allerdings auch Investments, deren Erfolg bisher ausgeblieben ist. So etwa bei Thyssen-Krupp, wo Cevian derzeit fast 17 Prozent seiner Mittel, also 2,2 Milliarden Euro, angelegt hat. Oder beim Baukonzern Bilfinger, wo eine halbe Milliarde liegt – und sich der Turnaround nach sieben langen Jahren gerade erst anzudeuten scheint.

Allein im Jahr 2017 verdiente der Yoga-Fan 750 Millionen Dollar und steht damit auf Rang sieben der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Daniel Loeb

Allein im Jahr 2017 verdiente der Yoga-Fan 750 Millionen Dollar und steht damit auf Rang sieben der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Daniel Loeb, Third Point: Rabiater Wellenreiter

Der Kopf: Es gibt Menschen, mit denen sich Vorstände nicht gerne anlegen. Dazu gehört Dan Loeb, einer der am meisten gefürchteten Hedgefonds-Manager an der Wall Street. Gerne legt sich der Milliardär (3,2 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen) mit dem Management seiner Beteiligungen an und boxt Veränderungen durch, um kurzfristig den Börsenwert seiner Aktienpakete hochzutreiben. In einem Brief an den CEO von Ligand Pharmaceuticals, David Robinson, zeigte sich Loeb im September 2005 überrascht, dass der Verwaltungsrat Robinson die Tür nicht schon „vor langer Zeit gezeigt hat – begleitet von einem ordentlich Tritt in den Hintern“. Ein Jahr später war Robinson Geschichte.

Seine ersten beruflichen Erfahrungen machte Loeb als Finanzexperte bei Citi und Warburg Pincus, bevor er 1995 Third Point gründete. Aufgewachsen am Pazifik, galt Loebs Leidenschaft in seiner Jugend dem Wellenreiten. Das spiegelt sich im Namen seines Unternehmens wider. Third Point ist ein Ort am Strand von Malibu, der bei Surfern beliebt ist. Allein im Jahr 2017 verdiente der Yoga-Fan 750 Millionen Dollar und steht damit auf Rang sieben der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager.

Loeb wurde wiederholt vom New Yorker Kunstmagazin „Artnews“ zu den 200 Top-Sammlern des Jahres gewählt. Loeb ist wie auch Branchenkollege Paul Singer zugleich ein Philanthrop, der viel Geld in Initiativen steckt, um Menschen zu helfen.

Die Methode: Wie Loeb vorgeht, bekommt gerade der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé zu spüren. Third Point hat Mitte 2017 für 3,5 Milliarden Dollar Nestlé-Aktien gekauft und zählt seitdem zu den zehn größten Aktionären des Schweizer Lebensmittelkonzerns. Noch nie investierte der 57-Jährige Loeb so viel Geld in ein Aktienpaket.

Seit dem Einstieg hat Nestlé-Vorstandschef Mark Schneider keine ruhige Minute mehr. Loeb fordert kurzfristige Veränderungen – und zwar viele. Erst Mitte des Jahres hat er nachgelegt und in einer 34-seitigen Präsentation aufgelistet, woran es bei den Schweizern hapert. Zu seinen Forderungen gehört auch der Verkauf eines 23-prozentigen Anteils am französischen Konzern L’Oréal. Dass Loeb seinen Willen bei den Schweizern durchsetzen könnte, zeigen seine erfolgreichen Investments vergangener Jahre.

Der Absolvent der Frankfurt School of Finance and Management begann seine Karriere bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson. Quelle: Euroforum
Florian Schuhbauer

Der Absolvent der Frankfurt School of Finance and Management begann seine Karriere bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson.

(Foto: Euroforum)

Florian Schuhbauer: Optimistischer Aufräumer

Der Kopf: Es ist der Gegenentwurf zu den noblen Adressen im Bankenviertel. Florian Schuhbauer empfängt seine Gäste in einer kleinen Parallelstraße zur Einkaufsmeile Zeil – fast schon versteckt arbeitet hier einer der Gründungspartner von Active Ownership Capital (AOC). Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein Kapitalmarktspieler, der sich im Frühjahr 2016 mehr als fünf Prozent der Anteile am Pharmaunternehmen Stada sicherte.

Der 43-jährige Schuhbauer bezeichnet sich selbst als „optimistischen, positiven Menschen“. Seine Philosophie klingt einfach: „Wir suchen unterbewertete Unternehmen oder solche Firmen, deren Potenzial verkannt wird. Natürlich reizen uns auch Problemfälle, bei denen Fehler gemacht wurden.

Und wir mögen Komplexität, denn das schreckt andere Investoren eher ab“, erläutert der Absolvent der Frankfurt School of Finance and Management, der seine Karriere bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson begann. Es folgten Stationen bei der Deutschen Post und mehreren Fondsfirmen.

Ziel von AOC ist es, das eingesetzte Kapital alle vier bis fünf Jahre zu verdoppeln. Wer die Geldgeber für AOC sind, das bleibt Verschlusssache – gut betuchte Family Offices sollen den Löwenanteil der Mittel beisteuern, heißt es in Finanzkreisen.

Die Methode: Bei Stada drängte AOC den langjährigen Vorstandschef Hartmut Retzlaff aus dem Amt. Der offiziell in Luxemburg registrierte Fonds drückte außerdem einen eigenen Kandidaten für den Aufsichtsrat durch und machte mit der Abschaffung der vinkulierten Aktien – die einen Kauf des Unternehmens bis dahin erschwerten – den Weg frei für die spätere Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven.

Am Ende stand ein spektakulärer Gewinn. Zu den übrigen öffentlich bekannt gewordenen Investments von AOC zählen auch PNE Wind, Schaltbau, Exceet Group sowie die Franco-Postalia Holding AG.

„Normalerweise analysieren wir ein Unternehmen mindestens sechs bis zwölf Monate lang und haben einen konkreten Plan für Verbesserungen, ehe wir über einen Einstieg entscheiden“, sagt Schuhbauer. AOC profitiere auch von „Whistleblowern“ in den Konzernen: „Rund 30 bis 40 Prozent unserer Investmentideen bekommen wir von unzufriedenen Managern.“

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