Heftige Panne Fremde Kontostände bei Comdirect einsehbar

Am Montagmorgen ist es zu einer schweren Panne beim Online-Banking der Comdirect gekommen. Nutzer landeten nach dem Login nicht auf dem eigenen Konto, sondern auf dem Konto eines anderen Nutzers.
Update: 18.07.2016 - 11:19 Uhr

So entdeckte unser Reporter den Comdirect-Gau

FrankfurtAls sich Karsten Gorskowski am Montagmorgen gegen 9.10 Uhr bei seiner Online-Bank einloggen wollte, war er überrascht: Der Kontostand war wesentlich höher als er ihn erwartet hatte. Zuerst dachte er an einen Bankirrtum zu eigenen Gunsten, doch dann fiel ihm auf: Es war ein anderer Name zu lesen. Der vermeintlich falsche Kontostand war wohl der richtige Kontostand eines anderen Kunden der Comdirect.

Mehrmals loggte sich der Frankfurter aus und wieder ein – und landete auf verschiedenen Konten. Erst nach einigen Minuten erschien dann beim Login der Fehler „Funktionsstörung“. Für ihn sei der Zugriff auf andere Konten „ein Super-Gau“ und er mache sich Sorgen, ob mit dem eigenen Konto eventuell Schindluder getrieben worden sein könnte. Bei der technischen Hotline der Direktbank landete er in einer Warteschleife und hatte nicht die Zeit, auf eine Antwort zu warten.

Die größten Bankpannen
Comdirect
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Am Montagmorgen ist es zu einer schweren Panne beim Online-Banking der Comdirect gekommen. Nutzer landeten nach dem Login nicht auf dem eigenen Konto, sondern auf dem Konto von anderen Nutzern und konnten sich dort frei bewegen. Die Panne hatte auch in der Handelsblatt-Redaktion rekonstruiert werden können. Ein Redakteur erhielt den Zugriff auf ein Konto mit mehr als 50.000 Euro Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonto. In dem Account konnte sich der Redakteur zunächst frei bewegen und etwa Kontoauszüge aus der „Postbox“ aufrufen. Die Comdirect hatte nach eigenen Angaben in der Nacht auf Montag Wartungsarbeiten am Online-Auftritt durchgeführt. Ein betroffener Nutzer sagte der Zeitung, für ihn sei der Vorfall „ein Super-Gau“.

Deutsche Bank
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Für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank begann der erste Freitag im Juni mit einem riesigen Schrecken. Lastschriften seit dem 1. Juni tauchten im Online-Banking der größten heimischen Bank doppelt auf - und rissen viele Konten ins Minus. Viele Kunden berichteten, kein Geld mehr abheben zu können. Erst am Samstag wurde die Panne behoben.

Sparkasse
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Wegen einer Softwareumstellung hat die Sparkasse Nürnberg Anfang Juni aus Versehen mehrere Tausend Konten ihrer Kunden gesperrt. Betroffen von dem Softwarefehler waren rund 5000 Pfändungsschutzkonten. „Natürlich ist das nicht schön, es tut uns auch sehr leid für die Kunden“, sagte die Sprecherin.

Deutsche Bank
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Ein junger Händler der Deutschen Bank tippte, wie im Oktober 2015 bekannt wurde, bei einer Überweisung einige Nullen zu viel ein. So landeten sechs Milliarden US-Dollar auf dem Konto eines amerikanischen Hedgefonds. Glück für die Bank: Das Geld wurde am nächsten Tag zurücküberwiesen.

Kopenhagen
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Während sich der Inder für einen Tag als Milliardär fühlen konnte, traf den dänischen Elektriker Dennis Pallesgaard bei der Kontrolle seiner Kontoauszüge fast der Schlag: Statt der erwarteten Abbuchung von 3.200 Kronen für eine Hypothek, wies die Bank einen Fehlbetrag von rund 63 Milliarden dänischer Kronen aus (etwa 8,5 Milliarden Euro). Der Grund für die Panne war schnell gefunden. Statt der Abbuchungssumme war die Kontonummer von seinem Konto abgezogen worden.

Letztes Licht über Frankfurts Skyline
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Weil ein Angestellter der Frankfurter Volksbank bei der Arbeit kurz einschlief, wäre ein Rentner beinahe um 222.222.222,22 Euro reicher gewesen, berichtet „Spiegel Online“. Der Mann blieb mit dem Finger auf der „2“ hängen und wies so statt 62,40 Euro mehr als 222 Millionen Euro an. Selbst bei einer Prüfung, die für alle Überweisungen jenseits von 100.000 Euro fällig ist, fiel der Fehler nicht auf. Erst ein dritter Mitarbeiter bemerkte, dass da irgendwas nicht stimmen kann, und stoppte die Überweisung. Pech für den Rentner, Glück für die Bank - denn die wäre im Zweifelsfall auf dem Schaden sitzen geblieben. Und die Geschichte wird noch kurioser: Denn der Mann, dem der Vertipper unterlief, war gar nicht befugt, die Beträge zu ändern. Er sollte lediglich die Bankleitzahl prüfen. Die Mitarbeiterin, die die Überweisung nicht genau genug prüfte, verlor ihren Job - konnte sich aber mittlerweile erfolgreich zurück ins Unternehmen klagen.

Taj Mahal
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Ein indische Oberschullehrer wurde über Nacht zum Milliardär. Grund war eine Fehlbuchung seiner Bank. Statt der erwarteten Zinszahlung von umgerechnet 150 Euro sah er plötzlich ein Guthaben von 496 Milliarden Rupien (7,5 Milliarden Euro) auf seinem Kontostand. Die betroffene Bank erklärte, es sei unklar, wie es zu dem Irrtum kam.

Ein Sprecher der Comdirect-Bank kommentierte den Vorfall: „Es gab heute Nacht eine Software-Einspielung, die zu Problemen geführt hat.“ Bei Facebook sprach die Bank in Antworten auf einzelne Kundenbeschwerden von einem „Fehler, den wir gerade beheben. Sorry!“ Zur Anzahl der betroffenen Kunden machte das Unternehmen keine Angaben. Am Vormittag war die Website der Bank dann zunächst komplett nicht mehr erreichbar, gegen Mittag war die Website wieder aufrufbar.

Die Panne hatte auch in der Handelsblatt-Redaktion rekonstruiert werden können. Ein Redakteur erhielt den Zugriff auf ein Konto mit mehr als 50.000 Euro Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonto. In dem Konto konnte sich der Redakteur zunächst frei bewegen und etwa Kontoauszüge aus der „Postbox“ aufrufen. Bei einzelnen Klicks erschien dann später die Meldung „Funktionsstörung“, danach konnte der Redakteur sich aber wieder frei in dem Konto bewegen.

Bei Comdirect existiert ein vereinfachtes Überweisungsverfahren. Täglich können bis 1.000 Euro transferiert werden, ohne dass dafür eine Tan eingegeben werden muss. Nach Angaben von Comdirect seien aber nur Überweisungen auf eigene Konten, also vom Girokonto auf das eigene Tagesgeldkonto oder ein externes Referenzkonto desselben Inhabers möglich.

Der Betroffene, vom Handelsblatt auf dieses Problem hingewiesen, sprach in einer ersten Reaktion von einer „gravierende Sicherheitslücke, die so nicht hinnehmbar ist“. Er kündigte an: „Ich werde Comdirect auf jeden Fall kontaktieren und Aufklärung verlangen.“ Dieses Problem war nach gut einer Stunde behoben: Nach dem Login kam der Redakteur wieder auf sein eigenes Konto.

Bei Facebook wandte sich Comdirect am Morgen an einzelne Betroffene.
Erste Comdirect-Reaktion

Bei Facebook wandte sich Comdirect am Morgen an einzelne Betroffene.

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