Helaba kritisiert Mario Draghi EZB nimmt Banken mit Firmenanleihe-Käufen das Geschäft weg

Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker hat die EZB für das geplante Kaufprogramm von Unternehmensanleihen kritisiert. Für die Banken werde damit „künftig noch ein Geschäftssegment wegfallen“.
Die Helaba kritisiert das geplante Kaufprogramm von Unternehmensanleihen. Quelle: dpa
EZB-Gebäude

Die Helaba kritisiert das geplante Kaufprogramm von Unternehmensanleihen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas geplante EZB-Programm zum Aufkauf von Unternehmensanleihen (corporate bonds) wird nach Einschätzung der Helaba negative Auswirkungen für deutsche Geldhäuser haben. „Mit dem Kauf von coporates bonds nimmt man den Landesbanken noch mal ein neues Geschäftsfeld, nämlich die Finanzierung von großen Unternehmen“, sagte Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker am Donnerstag auf dem Sparkassentag in Düsseldorf. „Ich glaube, alle Unternehmen werden demnächst Anleihen emittieren – und wissen genau, wer sie aufkauft.“ Für die Banken werde damit „künftig noch ein Geschäftssegment wegfallen“.

Die EZB hatte vergangene Woche angekündigt, dass ab Juni Anleihen von Firmen außerhalb des Bankensektors aufgekauft werden sollen. Analysten rechnen mit einem monatlichen Kaufvolumen von mindestens etwa drei Milliarden Euro. Allein schon wegen der rekordniedrigen Zinsen müssten sich Geldhäuser auf eine fünfjährige Durststrecke einstellen, sagte Grüntker.

„Die Profitabilität im Bankensektor wird unausweichlich zurückgehen.“ Bei Sparkassen und Landesbanken werde die Eigenkapitalrendite ebenfalls sinken. „Wir als Sektor sind gut beraten, das zu akzeptieren und nicht zu versuchen, diesen Ertragsdruck durch höhere Risiken auszugleichen.“ Nach einem fünfjährigen Konsolidierungsprozess müssten Banken dann eine neue Basis gefunden haben, um „wieder durchstarten zu können“.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret geht davon aus, dass nicht alle Geldhäuser die nächsten Jahre überleben werden. „Es wird auch Banken geben, die aus dem Markt ausscheiden.“ Das sei ein völlig normaler Ausleseprozess. Pleiten von großen Banken, die die Finanzstabilität gefährden könnten, fürchtet Dombret hierzulande aber nicht. „Ich weiß nicht, ob wir die großen Katastrophen unbedingt in Deutschland erwarten sollten“, sagte er in Düsseldorf. „Da gibt es das eine oder andere europäische Land, was mir dabei eher einfallen würde.“

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

  • rtr
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