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Hendrik Brandis

„Wir [sind] jetzt auf Augenhöhe mit den USA, was den Umfang und die Schnelligkeit der Finanzierungen wie auch der Bewertungen angeht.“

(Foto: Privat)

Hendrik Brandis im Interview Earlybird-Mitgründer bewertet Kapital für N26 als „Ritterschlag für europäische Fintechs“

N26 hat in einer Finanzierungsrunde 260 Millionen Euro erhalten. Der Mitgründer des Wagnisfinanzierers sieht für digitale Geschäftsmodelle in der Finanzbranche große Wachstumschancen.
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Düsseldorf Die Smartphone-Bank N26 hat von internationalen Geldgebern frisches Geld für das weitere Wachstum erhalten. Die Finanzierungsrunde spült dem jungen Unternehmen rund 260 Millionen Euro in die Kasse. Das ist die größte Summe, die ein deutsches Finanz-Start-up jemals eingesammelt hat.
Damit steigt das Unternehmen zum ersten deutschen Fintech-„Einhorn“ auf. So werden Unternehmen bezeichnet, die mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet werden. Die Kapitalgeber beziffern den Wert aktuell auf rund 2,3 Milliarden Euro. Angeführt wurde die jüngste Finanzierungsrunde vom US-Wagnisfonds Insight Venture Partners, beteiligt sind zudem der Staatsfonds GIC aus Singapur, die Allianz-Versicherung und der deutsche Risikokapitalgeber Earlybird Venture.

Die Finanzierung sei „der Ritterschlag für die deutschen und europäischen Fintechs“, sagt Earlybird-Mitgründer Hendrik Brandis im Interview mit dem Handelsblatt. Mit den neuen Geldern soll auch der Markteintritt in die USA finanziert werden. „Die Investoren aus den früheren Runden sind alle dabei geblieben, und viele – so wie wir auch – haben mehr gezeichnet, als es ihrem ursprünglichen Anteil entsprechen würde“, sagte Christian Nagel, Earlybird-Partner und Mitglied des Beirats bei N26.

Laut Zahlen der Beratungsfirma Barkow Consulting haben die knapp 800 deutschen Finanz-Start-ups 2018 mehr als eine Milliarde Euro Risikokapital eingesammelt – ein Rekordwert. Dabei konzentrieren sich die Investoren immer stärker auf die Stars der Branche: Sie investieren mehr Geld auf einmal, aber in weniger Unternehmen als früher. Wer Investoren überzeugen will, muss gute Argumente und vor allem gute Zahlen liefern. So wie N26, deren Kundenzahl sich allein 2018 mehr als verdreifacht hat.

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Hendrik Brands:

Herr Brandis, die virtuelle Bank N26 hat in der jüngsten Finanzierungsrunde 300 Millionen Dollar eingesammelt. Ist das der Durchbruch für die europäischen Fintechs?
Ja, absolut. Das ist der Ritterschlag für die deutschen und europäischen Fintechs. Das hat es in Europa bislang noch nicht gegeben. Mit Runden wie dieser sind wir jetzt auf Augenhöhe mit den USA, was den Umfang und die Schnelligkeit der Finanzierungen wie auch der Bewertungen angeht.

Warum können die Europäer hier mithalten? Bei den sozialen Netzwerken und den Handys wurden wir abgehängt von Facebook, Apple & Co.
Viele erfolgreiche Fintechs kommen aus Europa, weil es um kapitaleffiziente Geschäftsmodelle geht. So sind alle derzeit relevanten „Neobanken“ in Europa entstanden. Fintechs sind stark skalierbar und können weltweit Kunden erreichen, ohne dabei so viel für Marketing oder Infrastruktur ausgeben zu müssen wie etwa im E-Commerce. Zalando hat beispielsweise viel mehr Kapital in der Aufbauphase benötigt als die Neobanken. N26 hat bis heute netto 2,3 Millionen Kunden gewonnen. Mittlerweile haben die Europäer speziell bei den Neobanken ihren Vorsprung ausgebaut, deshalb bekommen sie auch im erheblichen Umfang Wachstumskapital aus Asien und den USA.

Was machen Sie bei N26 mit den frischen Mitteln?
Die Expansion in den US-Markt steht ganz oben auf der Agenda. Das kommt im ersten Halbjahr 2019. Der amerikanische Markt ist sehr interessant, weil hier vergleichsweise alte Technik angewendet wird, denken Sie nur an die Schecks, die immer noch weit verbreitet sind. Und wir werden neue Kooperationen eingehen.

Was werden Sie am Ende mit N26 machen? Kommt der Börsengang?
Das ist sicher eine Option, steht aber aktuell nicht auf der Agenda. Jetzt gibt es zunächst keinen akuten Kapitalbedarf. Und die bestehenden Investoren wollen alle an Bord bleiben und das weitere Wachstum begleiten.

Seit Jahrzehnten hinken wir beim Thema Wagniskapital dem Silicon Valley hinterher. Wie schaut es heute aus?
Die Lücke ist meiner Meinung nach kleiner geworden. Aber der Abstand ist nach wie vor signifikant. Bezogen auf die Venture-Capital-Investitionen pro Kopf kommt Deutschland nur auf ein Fünftel des Wertes in den USA. Das ist eher schwach. Für Europa insgesamt sieht es ein bisschen besser aus, und Europa holt gegenüber den USA auf. Hier liegen die Pro-Kopf-Investments bereits bei einem Drittel des amerikanischen Wertes. Das reicht aber noch nicht!

Warum kann Europa den Abstand verringern?
Die Chance liegt vor allem in der Globalisierung der Märkte durch das Internet. Damit kann man in Europa heute ganz neue Geschäftsmodelle aufbauen, die auf dem Kontinent überall verstanden werden – die alte Fragmentierung in nationale Märkte ist weggefallen. Das Internet kennt keine Landesgrenzen, und die neuen Blockchain-Techniken verstärken den Trend noch.

Inwieweit?
Nun ja, die Technologie erleichtert nicht nur die Kommunikation über Ländergrenzen hinweg, sondern auch die Transaktionen. Wenn ich beispielsweise heute 100 000 Dollar in die USA überweise und dafür Kryptowährungen einsetze, dann sind die Transaktionskosten nahe null. Natürlich ist das noch holprig, und es gibt noch viele Kinderkrankheiten, aber in diesem Bereich können die Europäer bereits heute ebenfalls auf Augenhöhe mit den Amerikanern konkurrieren.

Bitcoins sind doch eher was für Spekulanten, der Kurs ist dramatisch abgestürzt.
Sie haben recht, Bitcoins taugen heute für Zahlungsvorgänge eigentlich nicht. Aber ich bin überzeugt, dass wir in absehbarer Zeit eine Kryptowährung bekommen werden, die auf Basis der Blockchain-Technik für Zahlungen geeignet ist. Es gibt mindestens 20 ernst zu nehmende Start-ups, die daran mit Hochdruck arbeiten. Als Earlybird werden wir uns vielleicht auch hier beteiligen. Die Kryptowährung für den Zahlungsverkehr kommt, da bin ich sicher.

Kommt das Investment in diesem Bereich 2019?
Ja, davon können Sie ausgehen. Die Frage ist nicht, ob, sondern wer sich mit seiner neuen Kryptowährung am Ende durchsetzen kann.

Sie sind schon bei Shapeshift, einer dezentralen Wechselplattform für Kryptowährungen, investiert.
Ja, und das zieht natürlich diese Spezialisten an, aber noch mal: Wir wissen nicht, wer am Ende gewinnt. Das ist ein sehr spannender Bereich.

Bleiben Fintechs für Sie attraktiv?
Definitiv. Was insgesamt ganz spannend ist, ist die Tatsache, dass so viele Fintechs aus Europa kommen und jetzt auf den US-Markt drängen. Das Kreditportal Smava hat eine kritische Größe erreicht und wächst mit nahezu 100 Prozent weiter. Das wird auch irgendwann einmal ein Kandidat für die Börse.

Man hat das Gefühl, auch die etablierten Konzerne stecken wieder richtig viel Geld in Venture Capital, oder?
Ja, das ist vielleicht der für mich wichtigste Trend gegenwärtig. Unser Fonds „Digital West Early Stage“ umfasst 175 Millionen Euro, da waren erstmals keine öffentlichen Kapitalgeber wie etwa die KfW dabei. Dafür hat der Anteil von „Corporate Money“ deutlich zugenommen. Der Fonds hätte übrigens noch deutlich größer werden können.

Haben Sie konkrete Beispiele für Unternehmen, die investieren?
Viele große Konzerne sind in dem Bereich aktiv, sehen Sie sich Daimler oder auch Klöckner an. Rund 25 Prozent der Mittel für unseren neuen Fonds kommen von Konzernen.

Herr Brandis, vielen Dank für das Interview.

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